Sasaki Shōraku (佐々木昭楽): Raku-Werkstatt in Kameoka bei Kyōto
Sasaki Shōraku (佐々木昭楽) ist zugleich der Name einer Töpferwerkstatt und der Künstlername ihres dritten Generationsträgers. Gefertigt wird Raku-Keramik – jene ohne Töpferscheibe von Hand aufgebaute, bei niedriger Temperatur gebrannte Ware, die seit dem 16. Jahrhundert untrennbar mit der Teezeremonie verbunden ist. Der Ofen steht in Kameoka, einer Stadt westlich von Kyōto.
Von der Teeschalengasse nach Kameoka: die Ofengeschichte seit 1905
Die Geschichte des Ofens beginnt 1905, als der Gründer Sasaki Kichinosuke am Fuß des Kiyomizu-Hangs zu arbeiten begann – in jener Gasse, die bis heute Chawanzaka, Teeschalengasse, heißt. 1944 verlegte die Werkstatt ihren Sitz nach Kameoka. Bei diesem Umzug wurde ihr der Name Shōraku (松楽) verliehen. Die Generationenfolge verläuft vom Gründer Kichinosuke über den zweiten Träger Shōraku (松楽) und den dritten Shōraku (昭楽) bis zum heutigen vierten Träger.
Der dritte Shōraku wurde 1944 geboren und lernte ab 1962 bei seinem Vater, dem zweiten Generationsträger. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt auf Nachschöpfungen – im Japanischen Utsushi – nach den Teeschalen Chōjirōs und Hon'ami Kōetsus. Utsushi ist in der japanischen Keramik keine Nachahmung, sondern eine anerkannte Gattung: die bewusste Wiederaufnahme eines klassischen Vorbilds als Auseinandersetzung mit ihm.
昭楽 und 松楽: zwei Schreibungen, dieselbe Lesung
Für die Einordnung eines Stücks ist eine Besonderheit wichtig. Die Schreibungen 昭楽 und 松楽 werden beide Shōraku gelesen, bezeichnen aber verschiedene Fertigungsebenen: Einzelarbeiten des Künstlers werden mit 佐々木昭楽 gezeichnet, Werkstattarbeiten unter dem Künstlernamen mit 佐々木松楽, reine Ofenware trägt die Bezeichnung Kirai-gama (帰来窯). Wer zwei Stücke mit scheinbar identischer Lesung vergleicht, hat es also unter Umständen mit unterschiedlichen Fertigungsstufen zu tun. Nicht zu verwechseln ist beides mit der Schreibung 紹楽.
Eine Raku-Teeschale auswählen
Bei der Wahl einer Raku-Chawan entscheidet zuerst die Glasur: Kuro-Raku in tiefem Schwarz wirkt streng und lässt das Grün des Tees leuchten, die wärmeren Aka-Raku-Töne wirken einladender und zeigen den Teesatz weniger. Danach zählt die Hand. Weil Raku ohne Töpferscheibe aufgebaut und bei niedriger Temperatur gebrannt wird, bleibt der Scherben porös und die Schale auffallend leicht; Wandstärke, Lippe und Fußring sind bei jedem Stück anders und erzählen von der Formung. Zu Teeschalen dieser Herkunft gehört bei Densho die signierte Holzkiste (Tomobako), die das Objekt über die Jahre begleitet und bei japanischer Keramik als Teil des Stücks gilt.