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Wissenswertes

Satsuma-Yaki – Elfenbein, Craquelé und Gold aus Kagoshima

Elfenbeinfarbener Scherben, ein Netz feinster Haarrisse und dichte Malerei in Farbe und Gold: Satsuma-yaki ist kein Porzellan – und wurde doch weltberühmt.
Elfenbeinfarbene japanische Satsuma-Vase mit weiß und gelb gemalten Chrysanthemen auf fein craqueliertem Scherben
Auf den Punkt gebracht
Satsuma-yaki (薩摩焼) ist eine japanische Steingut-Tradition aus der ehemaligen Provinz Satsuma im Süden der heutigen Präfektur Kagoshima, begründet von koreanischen Töpfern, die Ende des 16. Jahrhunderts nach Kyūshū kamen. Unterschieden werden Shiro-Satsuma mit elfenbeinfarbenem Scherben, fein craquelierter Klarglasur und farbiger Aufglasurmalerei mit Gold, das ursprünglich dem Fürstenhaus Shimazu vorbehalten war, und Kuro-Satsuma aus eisenreichem Ton mit dunkler Glasur als Alltagsgeschirr. Über die Weltausstellungen ab 1867 wurde Satsuma zum Inbegriff japanischer Exportkeramik. Seit 2002 ist Satsuma-yaki staatlich als traditionelles Kunsthandwerk anerkannt.

Eine Satsuma-Vase erkennt man meist schon, bevor man sie in die Hand nimmt: dieser warme, elfenbeinfarbene Grund, über den sich ein Netz feinster Haarrisse zieht, und darauf Blüten, Blätter und Goldlinien, so dicht gesetzt, als habe der Maler keinen Quadratzentimeter ungenutzt lassen wollen. Hebt man das Stück dann an, überrascht das Gewicht. Satsuma-yaki ist kein Porzellan, sondern Steingut – undurchsichtig, erdig, satt in der Hand. Aus genau dieser Spannung zwischen bodenständigem Scherben und höfisch feiner Malerei bezieht die Keramik aus dem äußersten Süden Japans ihren Reiz. Und aus einer Geschichte, die mit Verschleppung beginnt und über die Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts bis in europäische Vitrinen führt.

Was ist Satsuma-Yaki?

Satsuma-yaki (薩摩焼) ist eine japanische Keramiktradition aus der ehemaligen Provinz Satsuma, dem Süden der heutigen Präfektur Kagoshima auf der Insel Kyūshū. Sie geht auf koreanische Töpfer zurück, die Ende des 16. Jahrhunderts im Zuge der Korea-Feldzüge Toyotomi Hideyoshis nach Japan gebracht wurden. Anders als die berühmten Porzellanöfen Japans arbeitet Satsuma mit Steingut, also mit einem undurchsichtigen, irdenen Scherben. Zwei Hauptlinien stehen einander gegenüber: Shiro-Satsuma („weißes Satsuma“) mit elfenbeinfarbenem Körper, klarer Glasur, feinem Craquelé und farbiger Aufglasurmalerei mit Gold, ursprünglich dem Fürstenhaus Shimazu vorbehalten – und Kuro-Satsuma („schwarzes Satsuma“) aus eisenreichem Ton mit dunkler Glasur, das Alltagsgeschirr der einfachen Bevölkerung.

Koreanische Töpfer als Begründer einer Tradition

Der Beginn der Satsuma-Keramik lässt sich ungewöhnlich genau datieren. Als die Truppen des Fürsten Shimazu Yoshihiro 1598 von den Feldzügen auf der koreanischen Halbinsel zurückkehrten, brachten sie Töpfer mit – die Überlieferung spricht meist von etwa achtzig Personen, die Angaben schwanken. Sie gingen an mehreren Punkten der Küste Satsumas an Land und errichteten dort Öfen, wo sich brauchbarer Ton fand. Aus diesen Anfängen entwickelten sich mehrere Ofenlinien, von denen drei bis heute fortbestehen: Naeshirogawa, Tateno und Ryūmonji. Auch das japanische Register der traditionellen Kunsthandwerke führt Satsuma-yaki auf die vom Hause Shimazu aus Korea mitgebrachten Töpfer der Joseon-Zeit zurück und nennt drei bis heute weitergegebene Schulen. In Naeshirogawa, dem heutigen Ortsteil Miyama in der Stadt Hioki, siedelte sich unter anderem die koreanischstämmige Familie Shim an, die unter dem japanisierten Namen Chin Jukan bis in die fünfzehnte Generation Keramik herstellt und damit eine der längsten ununterbrochenen Töpferlinien Japans bildet.

Shiro-Satsuma – das Weiß, das den Fürsten gehörte

Shiro-Satsuma, das weiße Satsuma, ist die Linie, die außerhalb Japans berühmt wurde. Sein Scherben entsteht aus geschlämmtem, weitgehend eisenarmem Ton und bleibt nach dem Brand nicht kalkweiß, sondern hell elfenbein- bis strohfarben. Darüber liegt eine transparente Glasur, die beim Abkühlen langsamer schrumpft als der Ton darunter und dabei jenes feine Rissnetz bildet, das im Japanischen Kannyū heißt und in Europa als Craquelé bekannt ist. Gebrannt wird traditionell zweistufig: ein Schrühbrand bei etwa 750 bis 850 Grad, danach der Glasurbrand bei rund 1.250 Grad. Weil dieses Material aufwendig aufzubereiten war, blieb Shiro-Satsuma lange dem Haus Shimazu vorbehalten; die besten Stücke gingen als offizielle Geschenke an das Shogunat und an befreundete Fürstenhäuser.

Kuro-Satsuma – die dunkle Seite derselben Tradition

Während das Weiß in den Residenzen blieb, stand in den Häusern der Bevölkerung Kuro-Satsuma auf dem Tisch. Für das schwarze Satsuma wird ein eisenreicher, vulkanisch geprägter Ton der Region verwendet, der ungeschlämmt verarbeitet wird und dem Gefäß eine spürbar rauere, körnigere Haut gibt. Dunkelbraune bis tiefschwarze Glasuren, oft mit hellen Ascheläufen, treten an die Stelle der Malerei; geschmückt wird eher durch Reliefkerben und Spatelspuren als durch Pinselarbeit. Berühmtestes Gefäß dieser Linie ist die Kuro-jōka, eine flache, henkellose Kanne, in der Shōchū – der für Kagoshima typische Branntwein – mit Wasser angesetzt und erwärmt wird. Kuro-Satsuma ist damit keine Sammlerware, sondern eine Gebrauchskeramik, die bis heute im Alltag Kagoshimas ihren festen Platz hat.

Nishikide und Kinrande: Farbe und Gold über der Glasur

Das Bild, das die meisten Menschen von Satsuma-Keramik haben, entstand erst um 1800. In dieser Zeit setzte sich in Satsuma die Nishikide-Malerei durch, das „Brokatdekor“, bei dem der bereits fertig glasierte Scherben mit farbigen Schmelzfarben bemalt wird – einem Eisenrot, sattem Blau, Grün, Gelb und gedecktem Violett. Kurz darauf kam das Golddekor hinzu, das als Kinrande bezeichnet wird. Diese Aufglasurmalerei erfordert einen weiteren, deutlich kühleren Brand von meist unter 900 Grad, bei dem sich die Farben mit der Glasur verbinden, ohne sie zum Fließen zu bringen. Weil sie oben aufliegen, stehen die Linien minimal erhaben – man ertastet ein gutes Satsuma-Dekor, bevor man es genauer betrachtet. In gesteigerter Form heißt diese plastische Auftragstechnik Moriage.

Warum Satsuma kein Porzellan ist

Satsuma wird im Handel bis heute oft als Porzellan angeboten, und das ist sachlich falsch. Das Metropolitan Museum of Art verzeichnet eine Satsuma-Weinkanne von 1820 folgerichtig nicht als Porzellan, sondern als hart gebrannte Fayence mit glänzender, craquelierter Glasur. Der Unterschied ist mit bloßem Auge und Fingerspitze zu prüfen: Ein Satsuma-Scherben ist undurchsichtig, auch wenn man ihn gegen eine Lampe hält, klingt beim Anschlagen dumpf statt hell und trägt fast immer das feine Craquelé. Porzellan aus Arita oder das über den Hafen Imari verschiffte Exportgeschirr ist dagegen hart, weiß, dünn und leicht durchscheinend, das Rissnetz fehlt. Am nächsten kommt Satsuma optisch das Kutani-Porzellan, das ebenfalls stark mit Aufglasurfarben und Gold arbeitet – die Faustregel unter Sammlern lautet: Sieht es aus wie Satsuma, ist aber Porzellan, handelt es sich meist um Kutani. Wer japanische Keramik kaufen möchte, sollte diesen Unterschied kennen, denn er entscheidet über Anmutung, Gewicht und Gebrauch.

Paris 1867 und Wien 1873: der Weg nach Europa

Bekannt wurde Satsuma in Europa durch die Weltausstellungen. Auf der Pariser Weltausstellung 1867 trat das Fürstentum Satsuma mit einer eigenen Präsentation auf, getrennt von der Delegation des Shogunats – das japanische Register der traditionellen Kunsthandwerke datiert genau auf diesen Auftritt, dass der Name Satsuma weltweit bekannt wurde – eine politische Geste kurz vor dem Umbruch der Meiji-Restauration, die zugleich dazu führte, dass der Name Satsuma dem europäischen Publikum unmittelbar im Ohr blieb. Den eigentlichen Durchbruch brachte die Wiener Weltausstellung 1873, auf der Japan sich erstmals umfassend als Nation präsentierte und die Begeisterung für japanische Kunst, den Japonismus, kräftig anfachte. Aus Satsuma kamen dorthin unter anderem mannshohe Prunkvasen im Nishikide-Dekor aus der Werkstatt des zwölften Chin Jukan, die viel beachtet wurden. Von diesem Zeitpunkt an war „Satsuma“ im Westen ein Begriff.

Der Exportboom und sein Preis

Der Erfolg zog eine Produktion nach sich, die mit Kagoshima bald nur noch den Namen gemeinsam hatte. In Kyoto, Tokio, Nagoya, Yokohama und Kōbe entstanden Malwerkstätten, die weiße Rohlinge bezogen oder selbst herstellten und im Satsuma-Stil dekorierten; Hunderte von Malern arbeiteten für den Export. Schätzungen zufolge stammte nur ein kleiner Teil der weltweit als „SATSUMA“ verkauften Ware tatsächlich aus der Provinz Satsuma. Für den westlichen Geschmack wurden die Dekore immer dichter – Muster wie Hanazume, die „Blütenfüllung“, überziehen ganze Gefäße ohne freie Fläche. Ab Mitte der 1880er-Jahre litt die Qualität sichtbar unter der Massenfertigung, und in den 1890er-Jahren fiel das Urteil westlicher Kritiker über die Exportware zunehmend hart aus. Bis heute liegen bei Satsuma deshalb Meisterarbeit und Massenware ungewöhnlich nah beieinander.

Kyō-Satsuma und die Frage der Herkunft

Ein Teil dieser Produktion verdient allerdings mehr als Nachsicht. In Kyoto, wo im Stadtteil Awata seit Langem fein bemalte Keramik entstand, entwickelte sich mit dem Kyō-Satsuma eine eigene, technisch sehr anspruchsvolle Ausprägung des Stils; die Werkstatt Kinkōzan wurde zum größten Exporteur dieser Ware überhaupt. Malerisch stehen die besten Kyoto-Stücke den Arbeiten aus Kagoshima in nichts nach, und der Markt bewertet sie heute entsprechend. Für Sammler bedeutet das: Satsuma bezeichnet inzwischen ebenso sehr eine Machart wie einen Ort. Wer die Herkunft eines Stückes bestimmen will, achtet weniger auf das häufig aufgemalte Wappen der Shimazu – ein Kreuz im Kreis, das im Exportgeschäft zur bloßen Konvention wurde – als auf Scherben, Glasur und die Sicherheit der Pinselführung.

Formen und Motive der Satsuma-Keramik

Das Formenrepertoire ist breiter, als der Ruf als Vitrinenware vermuten lässt. Neben Vasen und Deckelgefäßen entstanden Kōro (Räuchergefäße), figürliche Okimono (Stellfiguren), Teller, Schalen und – der Teekultur Kagoshimas verpflichtet – Chawan (Teeschalen) und weiteres Teegerät. Die Motive folgen dem Jahreslauf: Chrysanthemen, in Japan Sinnbild für Langlebigkeit und zugleich kaiserliches Symbol, Ahornblätter für den Herbst, Kiefer und Pflaumenblüte, dazu Landschaften und Figurenszenen. Auf dem hellen, leicht changierenden Grund wirken diese Malereien ruhiger als auf strahlend weißem Porzellan – ein Grund, warum viele, die eine japanische Vase kaufen möchten, gerade zu Satsuma greifen: Das Elfenbein nimmt der Farbigkeit die Härte und lässt sie mit Holzmöbeln und Papier erstaunlich gut zusammengehen.

Satsuma-yaki heute

Die Tradition ist keineswegs museal geworden. Im Januar 2002 wurde Satsuma-yaki vom japanischen Wirtschaftsministerium offiziell als traditionelles Kunsthandwerk (Dentōteki Kōgeihin) anerkannt – eine Auszeichnung, die an nachweisbare Handarbeit und an die Verwendung überlieferter Materialien gebunden ist. Im Verband der Satsuma-Töpfereien der Präfektur Kagoshima sind heute knapp vierzig Werkstätten organisiert, die meisten davon in der Nachfolge der drei alten Ofenlinien Naeshirogawa, Tateno und Ryūmonji. Manche arbeiten ausschließlich im weißen, manche im schwarzen Fach, viele in beiden. Das Töpferdorf Miyama, in dem die Nachfahren der koreanischen Handwerker bis heute leben und arbeiten, ist dabei mehr als eine Adresse – es ist der Ort, an dem diese Geschichte begonnen hat.

Ein Stück Kagoshima für Ihr Regal

Ein gutes Satsuma-Stück lebt vom zweiten Blick: von den Haarrissen, die erst im Streiflicht sichtbar werden, von den leicht erhabenen Goldlinien unter der Fingerkuppe, von Blüten, die jede für sich gemalt und deshalb nie ganz identisch sind. Bei densho.de finden Sie handgefertigte japanische Keramik-Unikate, einzeln aus Japan bezogen – darunter Stücke, die diese Verbindung aus elfenbeinfarbenem Scherben und feiner Aufglasurmalerei zeigen. Wer ein japanisches Kunstwerk als Geschenk sucht, das man aufstellen und ebenso gut benutzen kann, findet in dieser Tradition ungewöhnlich viel Spielraum – von der stillen Teeschale bis zur Vase, die einen ganzen Raum trägt.

Quellen und Literatur

Traditional Crafts Aoyama Square (japanisches Register der traditionellen Kunsthandwerke): SATSUMA Yaki (Ceramics), kougeihin.jp.

The Metropolitan Museum of Art: Wine pot, Acc.-Nr. 23.225.349a, b, metmuseum.org.

The Metropolitan Museum of Art: Miniature Jar with Cover, Acc.-Nr. 46.39.12a, b, metmuseum.org.

The Metropolitan Museum of Art: Cup, Acc.-Nr. 17.118.85, metmuseum.org.