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Japanische Kunstbegriffe von A bis Z – Das Densho-Glossar

Von Chawan bis Wabi-Sabi: die wichtigsten Begriffe rund um japanische Keramik und Malerei kurz erklärt.
Teeschale Chawan Yakesa in Aufbewahrungsbox

Kakemono, Chawan, Yakishime, Tomobako: Rund um traditionelle japanische Kunst begegnen Ihnen viele Begriffe, die sich nicht von selbst erklären. Dieses Glossar sammelt sie an einer Stelle und erklärt jeden in wenigen Sätzen – vom Rollbild über die Keramiköfen und die Teekultur bis zu den ästhetischen Grundbegriffen und den japanischen Epochen.

Springen Sie über die Buchstabenleiste direkt zum gesuchten Begriff. Wo es zu einem Stichwort einen ausführlichen Artikel in den Themenwelten gibt, führt ein Link vom Eintrag dorthin.

A

Agano-yaki 上野焼

Agano-yaki ist eine japanische Keramiktradition aus dem Landkreis Tagawa in der Präfektur Fukuoka auf Kyūshū, die 1602 entstand, als der Fürst von Kokura, Hosokawa Tadaoki, den koreanischen Töpfer Sonkai an den Fuß des Fukuchi-Berges holte. Wie Karatsu geht sie damit auf koreanische Handwerker zurück, war aber von Beginn an Teegerät für den Hof. Auffällig ist die betont dünne, leichte Wandung; dazu kommt eine ungewöhnliche Bandbreite an Glasuren, unter denen das über helle Oberflächen laufende Blaugrün am bekanntesten ist. Agano zählt zu den sieben Öfen, die dem Teemeister Kobori Enshū zugeschrieben werden.

Auch: Agano-Keramik, Agano yaki, Ueno-yaki, Agano

Aka-Raku 赤楽

Aka-Raku, das „rote Raku“, ist einer der beiden klassischen Grundtypen der Raku-Teeschale: ein von Hand aufgebauter Scherben aus eisenhaltigem rotem Ton, über den eine durchsichtige Glasur gelegt wird. Gebrannt wird bei niedriger Temperatur, meist um 800 bis 900 Grad, sodass die warmen Rot-, Ocker- und Orangetöne des Tons durch die Glasur hindurch erscheinen. Anders als beim Kuro-Raku, das heißer gebrannt und glühend aus dem Ofen gezogen wird, kühlt Aka-Raku ruhiger ab; die Wirkung ist weicher und einladender. Wie alle Raku-Ware bleibt der Scherben porös und auffallend leicht.

Auch: Akaraku, Aka Raku, Rotes Raku, Aka-Raku-Chawan

Mehr zu Aka-Raku in unseren Themenwelten

Akae 赤絵

Akae, wörtlich „Rotmalerei“, bezeichnet farbige Aufglasurmalerei auf japanischem Porzellan, in der ein warmes Eisenrot den Ton angibt. Die Farben werden auf die bereits gebrannte, glasharte Oberfläche gesetzt und in einem zweiten, deutlich kühleren Brand eingebrannt; deshalb liegen sie minimal erhaben auf und lassen sich mit dem Fingernagel ertasten. Genau darin unterscheidet sich Akae vom Sometsuke, dessen Kobaltblau unter der Glasur liegt. Kombiniert man beides, Unterglasurblau mit farbigem Aufglasurdekor, heißt das Somenishiki; kommt Gold hinzu, spricht man von Kinrande. Verbreitet ist Akae vor allem in Arita, Kutani und Kyōto.

Auch: Aka-e, Rotmalerei, Aufglasurmalerei, Überglasurdekor, Eisenrot-Dekor

Akahada-yaki 赤膚焼

Akahada-yaki ist eine japanische Keramiktradition von den Hügeln des Gojō-Bergs im Westen der Stadt Nara und zählt zu den sieben Öfen, die dem Geschmack Kobori Enshūs zugeschrieben werden. Der Name verweist teils auf die alte Ortsbezeichnung Akahada-yama, teils auf den rötlich brennenden Ton; die Quellen sind hier uneinheitlich. Kennzeichnend ist eine milchig-weiße, fein gerissene Glasur, unter deren Rand der rötliche Scherben hervortritt. Bekannteste Dekorform ist das Nara-e, eine naive Feinmalerei mit Hirschen, Tempeln und Szenen aus alten Erzählungen; ihre Einführung gilt als Verdienst des Töpfers Okuda Mokuhaku. Gefördert wurde der Ofen von den Yanagisawa, den Fürsten von Kōriyama.

Auch: Akahada-Keramik, Akahada yaki, Akahadayama-yaki, Akahada

Akazu-yaki 赤津焼

Akazu-yaki ist eine japanische Keramiktradition aus dem Ortsteil Akazu östlich des Stadtzentrums von Seto in der Präfektur Aichi und damit ein Zweig der Seto-Keramik. Die Öfen dort werden bis in die Heian-Zeit zurückverfolgt; ihre heutige Ausrichtung geht auf das frühe 17. Jahrhundert zurück, als Töpfer gezielt wieder in Akazu angesiedelt wurden. Kennzeichnend ist weniger ein einzelnes Aussehen als das Nebeneinander von sieben überlieferten Glasuren – Ascheglasur, Eisenglasur, Ko-Seto, Ki-Seto, Shino, Oribe und Ofuke – sowie von zwölf Dekortechniken. 1977 wurde Akazu-yaki als traditionelles Kunsthandwerk anerkannt. Die gelegentlich anzutreffende Schreibung Akatsu meint dieselbe Ware.

Auch: Akazu-Yaki, Akatsu-yaki, Akatsu-Keramik, Akazu-Keramik, Akazu

Amakusa-Porzellan 天草陶磁器

Amakusa-Porzellan ist das auf den Amakusa-Inseln in der Präfektur Kumamoto gefertigte Porzellan, dessen Grundlage der dort abgebaute Amakusa-Porzellanstein ist. Das im späten 17. Jahrhundert entdeckte und ab dem 18. Jahrhundert keramisch genutzte Gestein ist auffallend weiß, hart und durchscheinend; es stellt rund vier Fünftel der japanischen Porzellansteinförderung und wird bis heute auch nach Arita, Mikawachi und in andere Porzellanorte geliefert. Vor Ort arbeiten unter anderem die Öfen Uchida Sarayama, Takahama, Maruo und Mizunodaira, teils mit durchscheinendem Weißporzellan, teils mit Steinzeug unter Namako- und Schwarzglasuren. 2003 wurde die Amakusa-Keramik als traditionelles Kunsthandwerk anerkannt.

Auch: Amakusa-yaki, Amakusa-Keramik, Amakusa-Tōjiki, Amakusa

Anagama 穴窯

Ein Anagama ist ein einkammriger Holzbrennofen, der als lange Röhre in einen Hang gegraben und mit Lehm überdeckt wird; der Name bedeutet wörtlich „Höhlenofen“. Die Bauform gelangte im ersten Jahrtausend von der koreanischen Halbinsel nach Japan und blieb in den alten Töpferzentren jahrhundertelang die einzige. Gefeuert wird tagelang ohne Unterbrechung, wobei Flamme und Flugasche unmittelbar über die Gefäße hinwegziehen – daher der natürliche Ascheanflug und die Farbzonen, für die unglasierte Ware geschätzt wird. Vom Anagama zu unterscheiden ist der spätere Noborigama, der aus mehreren hintereinanderliegenden Kammern besteht und gleichmäßiger brennt.

Auch: Ana-gama, Höhlenofen, Tunnelofen, Einkammerofen, Anagama-Brand

Arita-yaki 有田焼

Arita-yaki ist japanisches Hartporzellan aus der Region um Arita in der Präfektur Saga auf Kyūshū und gilt als das erste in Japan hergestellte Porzellan. Grundlage war die Entdeckung von Kaolin am Izumiyama-Hügel im Jahr 1616 durch den koreanischen Töpfer Yi Sam-pyeong. Der bei rund 1.300 Grad gebrannte Scherben ist hart, glatt und an dünnen Stellen leicht durchscheinend – ein deutlicher Kontrast zu erdigen Steinzeugtraditionen wie Bizen. Bekannte Stilrichtungen sind das kobaltblaue Ko-Arita, der feine Kakiemon-Stil und das höfische Iro-Nabeshima. Imari-yaki meint dieselbe Ware, benannt jedoch nach dem Verschiffungshafen: Arita bezeichnet die Herstellungsregion, Imari den Handelsweg.

Auch: Arita-Yaki, Arita-Porzellan, Arita-Keramik, Arita

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Asahi-yaki 朝日焼

Asahi-yaki ist eine japanische Teekeramik aus Uji in der Präfektur Kyōto, die der Überlieferung nach um 1600 am Fuß des Asahi-Bergs begründet wurde und zu den sieben Öfen im Geschmack Kobori Enshūs zählt. Sie ist eng mit dem Uji-Tee verbunden: Teeschalen wurden den Lieferungen von Blatttee als Gabe beigelegt. Kennzeichnend ist ein hell-bräunlicher Scherben mit rötlich-schwarzer Sprenkelung, die andernorts Gohon heißt, in Uji dagegen Kase, „Hirschrücken“, genannt wird; Spatel- und Drehspuren bleiben als Keshiki sichtbar. Anders als das städtische Kyō-yaki verzichtet Asahi weitgehend auf Aufglasurmalerei.

Auch: Asahi-Keramik, Asahi yaki, Uji-Asahi, Asahi

Azuchi-Momoyama-Zeit 安土桃山時代

Die Azuchi-Momoyama-Zeit (1573–1603) ist die kurze Umbruchsepoche zwischen Muromachi- und Edo-Zeit, in der Oda Nobunaga und Toyotomi Hideyoshi Japan einten; manche Darstellungen lassen sie bereits mit der Schlacht von Sekigahara im Jahr 1600 enden. Für die japanische Keramik sind diese drei Jahrzehnte entscheidend: Im Umfeld der Teezeremonie entstanden in der Region Mino die Glasurtraditionen Shino, Oribe, Ki-Seto und Setoguro, der Töpfer Chōjirō schuf gemeinsam mit dem Teemeister Sen no Rikyū das Raku-yaki, und Traditionen wie Bizen oder Karatsu erlebten ihre Blüte als Teekeramik ersten Ranges. Momoyama-Stücke gelten bis heute als Maßstab.

Auch: Momoyama-Zeit, Momoyama, Azuchi-Momoyama, Momoyama-Periode

B

Banko-yaki 萬古焼

Banko-yaki ist eine japanische Keramik aus Yokkaichi und Komono in der Präfektur Mie, die auf den Kaufmann Nunami Rōzan aus Kuwana zurückgeht; er begann um 1740 in Obuke, aus Liebhaberei eigenes Teegerät zu brennen. Der Name stammt von seinem Stempel Banko fueki, sinngemäß „für alle Zeit unveränderlich“. Heute steht Banko für zwei Erzeugnisse: unglasierte Teekannen aus eisenhaltigem, reduzierend gebranntem Ton, deren purpurbrauner Scherben Shidei heißt, und feuerfeste Tontöpfe für den Herd, denen Petalit beigemischt wird. Der weit überwiegende Teil der japanischen Donabe stammt aus dieser Region.

Auch: Bankoyaki, Banko-Keramik, Yokkaichi-Banko, Banko

Benzaiten 弁財天

Benzaiten, meist kurz Benten genannt, ist die japanische Göttin der Künste, der Musik, der Beredsamkeit und des Wassers und die einzige weibliche Gestalt unter den Sieben Glücksgöttern. Sie geht auf die hinduistische Flussgöttin Sarasvati zurück und wird in der Regel mit einer Biwa-Laute dargestellt. Ihr Bezug zum Wasser hat sich in Japan in den Verehrungsorten niedergeschlagen: Benzaiten-Schreine liegen häufig an Seen, Flüssen oder auf Inseln. Für Musiker, Schriftsteller und Redner gilt ein Bild von ihr traditionell als passendes Geschenk – womit sie unter den sieben Göttern diejenige ist, die dem künstlerischen Schaffen am nächsten steht.

Auch: Benten, Benzaiten-sama, Sarasvati, Göttin Benzaiten

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Bidoro ビードロ

Bidoro bezeichnet die glasig-grünen Lachen, die sich beim Brand ungeglasierter Keramik bilden, wenn Flugasche auf dem Scherben schmilzt und sich in Mulden oder an Schultern sammelt. Anders als der punktuelle Ascheanflug wirkt Bidoro wie aufgetropftes, durchscheinendes Glas und kann Tropfnasen bilden. Der Name stammt vom portugiesischen Wort „vidro“ für Glas und erinnert an die frühen europäischen Kontakte. Besonders geschätzt wird die Erscheinung an Bizen-Keramik, wo sie zusammen mit Goma und Hidasuki zum Formenschatz des Holzbrands gehört.

Auch: Bidoro-Glasur, Glasanflug, Bīdoro

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Bijin-ga 美人画

Bijin-ga (美人画, „Bild einer schönen Frau“) ist eine Gattung der japanischen Bildkunst, die Frauengestalten als Typus zeigt und nicht als Porträt einer bestimmten Person. Die Aussage liegt im Beiwerk: Muster und Schnitt des Kimono, Haartracht, Haltung der Hände, Jahreszeit des Hintergrunds – eine Dame vor blühendem Pflaumenbaum ist zugleich ein Frühjahrsbild. Entstanden im Ukiyo-e der Edo-Zeit, wurde die Gattung im 20. Jahrhundert von Künstlern wie Itō Shinsui (1898–1972) in die Nihonga-Malerei überführt. Über den Rang eines Bijin-ga entscheidet meist die Stofflichkeit: wie ein Maler den Fall der Seide und den Übergang von Kragen zu Nacken bewältigt.

Auch: Bijinga, Bijin-e, Schönheitenbild, Frauendarstellung

Bishamonten 毘沙門天

Bishamonten ist der japanische Glücksgott der Krieger und Beschützer, dargestellt in voller Rüstung mit einem Speer in der einen und einer kleinen Pagode in der anderen Hand – letztere steht für das buddhistische Schatzhaus, das er bewacht. Er gehört zu den Sieben Glücksgöttern, den Shichifukujin, und stammt ursprünglich aus dem indischen Buddhismus. Als einziger der Gruppe tritt er zugleich in einer zweiten Rolle auf: Unter dem Namen Tamonten zählt er zu den Vier Himmelskönigen, die in Tempeln die Himmelsrichtungen bewachen. In der Darstellung ist er dadurch leicht zu erkennen, dass er als Einziger martialisch und nicht heiter wirkt.

Auch: Bishamon, Tamonten, Glücksgott Bishamonten, Vaishravana

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Bizen-yaki 備前焼

Bizen-yaki ist eine unglasierte japanische Steingut-Keramik aus der Präfektur Okayama, deren Farbigkeit allein im Feuer entsteht. Gebrannt wird in der Yakishime-Technik bei rund 1.200 bis 1.300 Grad Celsius über mehrere Tage im holzbefeuerten Ofen; Flamme und Asche hinterlassen dabei Brenneffekte (Yōhen), die eigene Namen tragen – Goma, Sangiri und Hidasuki. Grundlage ist der eisenreiche Hiyose-Ton aus der Umgebung von Imbe. Bizen zählt zu den sechs alten Öfen Japans und ist seit 1982 als traditionelles Kunsthandwerk anerkannt. Anders als Seto, das zweite dieser sechs Zentren, verzichtet Bizen bis heute konsequent auf jede Glasur und Bemalung.

Auch: Bizen-Yaki, Bizen-Keramik, Bizen-Ware, Bizen

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Bokuseki 墨蹟

Bokuseki (墨蹟, „Tuschspuren“) ist die Kalligrafie von Zen-Mönchen und gilt in Japan als eigene Kategorie innerhalb der Schriftkunst. Geschrieben werden meist kurze Zen-Sprüche, einzelne Zeichen oder Gedichtzeilen, oft rasch, kraftvoll und bewusst ungeglättet. Anders als beim Shodō allgemein steht dabei nicht die stilistische Vollkommenheit im Vordergrund, sondern die geistige Autorität des Schreibenden: Viele Verfasser waren keine Berufskalligrafen, sondern Äbte und Zen-Meister. Ihren festen Platz hat Bokuseki in der Teekultur, wo ein solches Rollbild im Tokonoma des Teeraums hängt und den Ton der Zusammenkunft vorgibt; auch Inschriften auf Teegeräten zählen dazu.

Auch: Bokuseki-Kalligrafie, Zen-Kalligrafie, Zen-Kalligraphie, Tuschspuren

Byōbu 屏風

Ein Byōbu ist ein japanischer Stellschirm aus mehreren, durch Papierscharniere verbundenen Faltflügeln, deren Flächen bemalt oder mit Kalligrafie versehen sind. Wörtlich bedeutet der Name „Windwand“ und benennt damit die ursprüngliche Funktion: Der Schirm gliederte den Raum und hielt Zugluft ab, war zugleich aber Bildträger. Üblich sind Paare aus zwei Schirmen zu je sechs Flügeln, deren Komposition über beide Hälften hinweg gelesen wird. Im Unterschied zum Kakemono ist ein Byōbu freistehend und wird nicht aufgerollt, sondern zusammengeklappt.

Auch: Stellschirm, Faltschirm, Byobu, japanischer Wandschirm

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C

Chabana 茶花

Chabana (茶花, wörtlich Teeblume) ist der Blumenschmuck der japanischen Teezeremonie und besteht in der Regel aus sehr wenig: einer Kamelienknospe, einem Zweig, ein paar Gräsern, gestellt, als seien sie so gewachsen. Gezeigt wird, was gerade in der Jahreszeit blüht, gesetzt in ein Hanaire aus Keramik, Bambus oder Bronze, das im Tokonoma neben der Schriftrolle steht. Gegenüber dem Ikebana, das mehr Aufbau und sichtbare Gestaltung zulässt, tritt Chabana bewusst zurück: Die Blume soll nicht arrangiert wirken, sondern nur einen Augenblick des Jahres in den Teeraum holen.

Auch: Teeblume, Teeblumen, Chabana Blumenschmuck, Blumenschmuck der Teezeremonie

Chadō 茶道

Chadō (茶道, auch Sadō gelesen) ist der „Weg des Tees“ – die japanische Teezeremonie, verstanden als lebenslange Übungspraxis. Das Dō ist dasselbe wie in Shodō (Kalligrafie) oder Budō (Kampfkunst) und meint stets einen Übungspfad statt eines bloßen Fertigkeitserwerbs: Man lernt den Umgang mit Schale, Besen und Wasser über Jahrzehnte, unter Anleitung einer Schule. Als innere Richtung gelten die vier Prinzipien Harmonie (Wa), Respekt (Kei), Reinheit (Sei) und Stille (Jaku). Chanoyu bezeichnet dagegen die einzelne Zusammenkunft, bei der Tee tatsächlich zubereitet und getrunken wird.

Auch: Sadō, Chado, Weg des Tees, Teeweg, Chanoyu

Chaire 茶入

Ein Chaire ist die kleine Keramikdose, in der dicker Matcha für die Teezeremonie aufbewahrt wird, meist mit einem Deckel aus Elfenbein oder einem Ersatzmaterial und geschützt von einem Beutel aus Seidenbrokat, dem Shifuku. Historisch zählten Chaire zu den höchstbewerteten Objekten der Teekultur überhaupt; einzelne Stücke wurden wie Ländereien gehandelt. Vom Natsume unterscheidet er sich in Material und Verwendung: Die Lackdose Natsume gehört zum dünnen Tee, die Keramikdose Chaire zum dicken – eine Zuordnung, die bis heute gilt.

Auch: Teedose, Keramik-Teedose, Cha-ire

Chaji 茶事

Ein Chaji (茶事) ist die vollständige, formelle Form der japanischen Teezusammenkunft: Der Gastgeber lädt wenige Gäste, bewirtet sie mit einem Kaiseki-Mahl, reicht Süßigkeiten und bereitet anschließend erst dicken Koicha, dann dünnen Usucha zu. Ein solcher Ablauf dauert traditionell rund vier Stunden. Überliefert sind sieben Grundformen, die sich vor allem nach der Tageszeit unterscheiden, vom Morgen- bis zum Abend-Chaji. Vom Chakai unterscheidet sich das Chaji durch Länge, Mahlzeit und den kleinen, geladenen Gästekreis; beim Chakai wird meist nur eine Süßigkeit und eine Schale Tee gereicht. Chanoyu ist der übergeordnete Begriff für die Zusammenkunft als solche.

Auch: Cha-ji, formelle Teezusammenkunft, vollständige Teezeremonie

Chakai 茶会

Ein Chakai (茶会) ist die kürzere, informelle japanische Teezusammenkunft, bei der den Gästen eine Süßigkeit und eine Schale Tee gereicht werden, meist dünner Usucha, seltener dicker Koicha. Eine Mahlzeit gehört nicht dazu; entsprechend dauert ein Chakai eher eine knappe Stunde als einen halben Tag. Verbreitet ist besonders das Ōyose-Chakai, eine große Veranstaltung, bei der Gästegruppen nacheinander in den Teeraum geführt werden und für die keine Vorkenntnisse vorausgesetzt werden. Vom mehrstündigen Chaji mit Kaiseki-Mahlzeit unterscheidet sich das Chakai in Umfang und Verbindlichkeit, nicht im verwendeten Gerät.

Auch: Cha-kai, informelle Teezusammenkunft, Ōyose-Chakai, Oyose-Chakai

Chakin 茶巾

Ein Chakin (茶巾) ist das kleine weiße Tuch aus Leinen oder Hanf, mit dem in der japanischen Teezeremonie die Teeschale ausgewischt und getrocknet wird. Der Gastgeber wärmt den Chawan zunächst mit heißem Wasser vor, gießt dieses in das Abwassergefäß Kensui und trocknet die Schale dann mit dem leicht feuchten, in Streifen gefalteten Chakin, bevor das Matcha-Pulver hineinkommt. Üblich ist ein Format von etwa dreißig auf fünfzehn Zentimetern; besonders geschätzt wird gebleichter Hanf aus Nara, Narazarashi genannt. Vom seidenen Fukusa unterscheidet es sich in Material und Aufgabe: Das Chakin berührt die Schale, das Fukusa reinigt die Geräte.

Auch: Chakin-Tuch, Teetuch, Leinentuch der Teezeremonie, Cha-kin

Chanoyu 茶の湯

Chanoyu (茶の湯, wörtlich „heißes Wasser für Tee“) ist die japanische Teezeremonie als konkrete Zusammenkunft: Ein Gastgeber bereitet für geladene Gäste Matcha nach einem festgelegten Ablauf zu und reicht ihnen die Schale. Der Begriff betont das Ereignis – den Raum, die ausgewählten Geräte, die Reihenfolge der Handgriffe, das Rollbild im Tokonoma. Unterschieden werden die kürzere, informelle Zusammenkunft (Chakai) und das mehrstündige, formelle Chaji mit Mahlzeit. Chadō, der Weg des Tees, bezeichnet dieselbe Praxis, legt den Ton aber auf das lebenslange Üben. Beide Wörter stehen bis heute nebeneinander; Chanoyu ist das ältere und alltagsnähere.

Auch: Cha-no-yu, Teezeremonie, japanische Teezeremonie, Chadō

Chasen 茶筅

Ein Chasen (茶筅) ist der japanische Teebesen aus Bambus, mit dem Matcha-Pulver und heißes Wasser direkt in der Teeschale zu einer feinporigen Schaumdecke verschlagen werden. Er wird aus einem einzigen Stück Bambus geschnitten und trägt je nach Ausführung rund sechzig bis hundertzwanzig feine, nach außen gebogene Zinken. Sein Platzbedarf bestimmt die Geometrie des Chawan: Der Besenkopf muss frei kreisen können, weshalb Teeschalen weit und im Inneren flach ausfallen. Ein Chasen ist ein Verbrauchsteil – er wird nach Gebrauch nur mit klarem Wasser ausgespült, aufrecht getrocknet und irgendwann ersetzt, wenn die Zinken brechen.

Auch: Teebesen, Bambusbesen, Matcha-Besen, Chasen Bambusbesen

Chashaku 茶杓

Ein Chashaku (茶杓) ist der schmale japanische Teelöffel aus Bambus, mit dem Matcha-Pulver aus der Teedose portioniert und in die Schale gegeben wird. Er wird aus einem Stück gearbeitet, in der Mitte leicht geknickt und läuft in ein flaches, löffelartiges Blatt aus; ein Knoten des Bambus sitzt oft sichtbar im Schaft. Zusammen mit Chawan und Chasen bildet er die eigentliche Grundausstattung für die Zubereitung von Matcha – alles Weitere ist Komfort. In der Teezeremonie zählen Chashaku zu den persönlichsten Geräten: Sie werden häufig benannt, signiert und in einem eigenen Etui aufbewahrt.

Auch: Teelöffel, Bambuslöffel, Matcha-Löffel, Chashaku Löffel

Chawan 茶碗

Ein Chawan (茶碗) ist die weite, henkellose japanische Teeschale, in der Matcha mit dem Bambusbesen (Chasen) direkt im Gefäß aufgeschlagen und anschließend daraus getrunken wird. Er ist damit Werkzeug und Trinkgefäß zugleich, was seine Form erklärt: breite Öffnung, weitgehend flacher Innenboden, schräg ansteigende Wand und ein unglasierter Fußring (Kōdai). Klassische Stücke messen meist elf bis dreizehn Zentimeter im Durchmesser. Ein Yunomi ist dagegen der höhere, schlankere Becher für aufgegossenen Blattee, ein Guinomi kein kleiner Chawan, sondern ein eigenes Sakegefäß. Gefertigt werden Chawan in fast allen Keramiktraditionen, von Raku über Hagi bis Shino und Oribe.

Auch: Teeschale, Matcha-Schale, Matchaschale, Chawan Teeschale

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D

Daikokuten 大黒天

Daikokuten ist der japanische Glücksgott des Wohlstands, der Landwirtschaft und des Handels. Sein Attribut ist ein magischer Hammer, mit dem er der Legende nach überall dort Reichtum verbreitet, wo er zuschlägt; dargestellt wird er meist auf Reissäcken stehend und von Ratten begleitet. Ursprünglich geht er auf eine furchteinflößende indische Gottheit zurück und wandelte sich in Japan zur freundlichen, gedrungenen Gestalt mit flacher Kappe. Er gehört zu den Sieben Glücksgöttern, den Shichifukujin, und tritt besonders häufig gemeinsam mit Ebisu auf. Auf den ersten japanischen Papiergeldscheinen von 1885 war Daikokuten abgebildet.

Auch: Daikoku, Daikoku-ten, Daikokusama

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Daruma 達磨

Daruma ist der japanische Name für Bodhidharma und zugleich die Bezeichnung der volkstümlichen Glücksfigur, die aus dessen Ikonografie hervorging. Die Figur ist rundlich, hat weder Arme noch Beine und richtet sich nach dem Umstoßen von selbst wieder auf – ein Sinnbild für Ausdauer, zusammengefasst im Sprichwort „Nanakorobi yaoki“, siebenmal umfallen, achtmal aufstehen. Ihren Ursprung hat sie in Talismanen des Daruma-dera in Takasaki; um 1770 entstanden die ersten Gussformen. Traditionell wird sie mit zwei leeren Augen verkauft: Eines malt man beim Fassen eines Vorsatzes aus, das zweite, sobald das Ziel erreicht ist. Bodhidharma bezeichnet dagegen die Mönchsgestalt der Überlieferung.

Auch: Daruma-Puppe, Darumapuppe, Bodhidharma, Bodaidaruma

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E

E-Shino 絵志野

E-Shino, „bemaltes Shino“, ist der verbreitetste Untertyp der Shino-Keramik aus der Region Mino. Auf den rohen Scherben wird ein Motiv mit eisenhaltiger Malfarbe – dem sogenannten Oniita – gezeichnet, darüber kommt die dicke, milchig-weiße Feldspatglasur. Im Brand schimmert die Zeichnung wie durch einen Nebel hindurch und erscheint in braunen bis graubraunen Tönen. Die Motive bleiben meist schlicht: Gräser, Zweige, Gitter oder abstrakte Linien. Vom Nezumi-Shino unterscheidet sich E-Shino im Verfahren – dort wird die Fläche zunächst ganz mit eisenhaltigem Engobe überzogen und das Muster wieder herausgekratzt, hier wird es unmittelbar aufgemalt.

Auch: Eshino, E Shino, Bemaltes Shino, E-Shino-Chawan

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Ebisu 恵比寿

Ebisu ist der japanische Glücksgott des Handels, des Wohlstands und der Fischer, erkennbar an seiner Angel und der großen roten Meerbrasse. Er ist der einzige der Sieben Glücksgötter, der Shichifukujin, mit rein japanisch-shintoistischem Ursprung und bei Ladenbesitzern und Gewerbetreibenden besonders beliebt; ein Bild von ihm gilt traditionell als passendes Geschenk zur Geschäftseröffnung. Häufig erscheint er im Paar mit Daikokuten, wobei sich die beiden ergänzen: Ebisu steht für guten Fang und erfolgreichen Handel, Daikokuten für Wohlstand im Haus. In ländlichen Regionen Japans wurden beide lange gemeinsam auf einem kleinen Hausaltar verehrt.

Auch: Yebisu, Ebisu-sama, Glücksgott Ebisu

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Echizen-yaki 越前焼

Echizen-yaki ist eine unglasierte japanische Steinzeug-Keramik aus dem Gebiet um Echizen in der Präfektur Fukui und eines der sechs alten Öfen Japans. Ihre Anfänge werden auf das späte 12. Jahrhundert datiert; über Jahrhunderte entstanden hier vor allem große Vorratskrüge, Töpfe und Reibschalen, die über die Küste des Japanischen Meeres in weite Teile des Landes gingen. Der eisenhaltige Ton brennt dunkel aus, und wie in Bizen oder Tamba prägt allein der natürliche Ascheanflug im Holzbrand die Oberfläche. Dass Echizen überhaupt als eigenständige alte Ofentradition geführt wird, geht auf die Forschung des Keramikhistorikers Koyama Fujio um 1948 zurück.

Auch: Echizen-Yaki, Echizen-Keramik, Echizen-Ware, Echizen

Edo-Zeit 江戸時代

Die Edo-Zeit (1603–1868), auch Tokugawa-Zeit genannt, ist die rund 250-jährige Friedensepoche der japanischen Geschichte, in der das Tokugawa-Shogunat von Edo, dem heutigen Tokio, aus regierte. Ab 1624 schottete die Sakoku-Politik das Land weitgehend ab, Nagasaki blieb nahezu einziger Handelshafen. Gerade in dieser Isolation formten sich viele bis heute lebendige Traditionen: das Porzellan aus Arita, Hagi- und Kutani-yaki, der Farbholzschnitt Ukiyo-e, die dekorative Rinpa-Malerei und die breite gesellschaftliche Verankerung der Teezeremonie. Sie folgt auf die Azuchi-Momoyama-Zeit und endet 1868 mit der Meiji-Restauration. Als Datierung bezeichnet „Edo-Zeit“ entsprechend ein vorindustrielles, vor der Öffnung Japans entstandenes Stück.

Auch: Tokugawa-Zeit, Tokugawa-Periode, Edo-Ära, Tokugawa-Ära

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Emakimono 絵巻物

Ein Emakimono ist eine japanische Querbildrolle: ein waagerecht ausgerichteter Bildträger aus Papier oder Seide, der von rechts nach links abschnittweise entrollt und betrachtet wird. Anders als beim hochformatigen Kakemono, das an der Wand hängt, liegt ein Emakimono beim Betrachten auf einer Fläche; das Bild entfaltet sich im Lesen wie eine Erzählung und verbindet häufig Malerei mit eingeschobenen Textpassagen. Berühmt wurde die Gattung durch höfische Literaturillustrationen der Heian- und Kamakura-Zeit. Heute begegnet sie fast nur noch in Museen und Tempelsammlungen.

Auch: Emaki, Querbildrolle, Bildrolle, Handrolle

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Enso 円相

Das Enso (円相, „kreisförmige Gestalt“) ist ein mit ein oder zwei ungehemmten Pinselstrichen gezogener Kreis der japanischen Zen-Kunst, der Erleuchtung, Leere (Shunyata) und das Universum als Ganzes ausdrückt. Es entsteht in einer einzigen, meist sehr raschen Bewegung, üblicherweise im kursiven Sōsho-Stil, und wird nicht korrigiert; damit gilt es als unmittelbares Abbild des inneren Zustands seines Schöpfers. Ein offen gelassener Kreis steht für Bewegung, Entwicklung und fortdauernde Vervollkommnung, ein geschlossener eher für Vollendung und Ganzheit. Die früheste bekannte Darstellung wird dem chinesischen Chan-Meister Kyōzan (814–890) zugeschrieben.

Auch: Ensō, Enso-Kreis, Zen-Kreis, Enso-Symbol

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F

Fuchin 風鎮

Fuchin (風鎮) sind paarige japanische Schmuckgewichte, die an den beiden unteren Enden eines Kakemono hängen und es ruhig halten. Der Name bedeutet wörtlich „Windberuhiger“: Sie verhindern, dass die Bildbahn im Luftzug schaukelt, und ziehen sie zugleich sanft in die Länge, sodass sich leichte Wellen schneller auslegen. Befestigt werden sie mit einer Seidenkordel mit Quaste über die Jikusaki, die Endstücke des unteren Rundstabs. Gefertigt werden Fuchin aus Keramik, Marmor, Onyx, Bergkristall, Holz oder Metall und traditionell paarweise erworben. Wichtig ist ein maßvolles Gewicht, denn zu schwere Fuchin belasten die Montierung dauerhaft.

Auch: Schmuckgewichte, Kakemono-Gewichte, Rollbildgewichte, Fu-chin

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Fude

Ein Fude (筆) ist der japanische Schreib- und Malpinsel aus gebündeltem Tierhaar in einem Schaft aus Bambus oder Holz, mit dem Kalligrafie und Tuschmalerei ausgeführt werden. Je nach gewünschtem Strich werden unterschiedliche Haare verwendet, etwa von Ziege, Wiesel oder Pferd: weiche Bündel geben volle, saugstarke Striche, festere eine präzise Spitze. Weil ein Fude rund gearbeitet ist und in jede Richtung geführt werden kann, entstehen Breite, Druck und Tuschdichte allein aus der Bewegung der Hand. Der Pinsel gilt deshalb als unmittelbare Verlängerung der Hand des Kalligrafen und zählt zu den „Vier Schätzen des Gelehrtenzimmers“.

Auch: Kalligrafiepinsel, Tuschpinsel, Japanischer Pinsel, Kalligraphiepinsel

Fuji-San 富士山

Fuji-San ist mit 3.776 Metern der höchste Berg Japans und zugleich das am häufigsten dargestellte Motiv der japanischen Kunstgeschichte. Als heiliger Vulkan gilt er seit Jahrhunderten als Sitz von Gottheiten; seit der Edo-Zeit wird Konohanasakuya-hime als seine Hauptgottheit verehrt. Berühmtestes Beispiel seiner Bildtradition sind Katsushika Hokusais „Sechsunddreißig Ansichten des Fuji“, deren erste Skizzen 1830 entstanden. Auffällig ist, dass Künstler den Berg regelmäßig größer darstellten, als er tatsächlich zu sehen war – es ging nicht um die genaue Ansicht, sondern um die ideale Form. Die Endung -San steht hier für Berg, nicht für die höfliche Anrede.

Auch: Fuji, Berg Fuji, Fujisan, Fujiyama

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Fukinsei 不均斉

Fukinsei ist das japanische Gestaltungsprinzip der bewussten Asymmetrie: Es vermeidet die spiegelbildliche Mitte und setzt an ihre Stelle verschobene Achsen, ungerade Zahlen und unregelmäßige Formen. Der Philosoph Hisamatsu Shin'ichi (1889–1980) zählt es in seinem Buch „Zen and the Fine Arts“ zu den Grundzügen der Zen-Ästhetik. Sichtbar wird Fukinsei im leicht verzogenen Rand einer handgeformten Teeschale, im Aufbau eines Ikebana oder in der Anordnung der Objekte im Tokonoma. Anders als Wabi-Sabi, das eine umfassende Haltung beschreibt, ist Fukinsei eine konkrete Kompositionsregel – gemeint ist gezielte Unausgewogenheit, nicht Beliebigkeit.

Auch: Asymmetrie, Unregelmäßigkeit, Fukinsei-Prinzip, bewusste Asymmetrie

Fukurokuju 福禄寿

Fukurokuju ist der japanische Glücksgott, der Glück, Wohlstand und ein langes Leben in sich vereint – die drei Zeichen seines Namens stehen genau für diese drei Gaben. Erkennbar ist er an einer auffällig hohen, langgezogenen Stirn, die große Weisheit symbolisiert; begleitet wird er in Darstellungen häufig von einem Kranich oder einer Schildkröte. Er gehört zu den Sieben Glücksgöttern und stammt aus der chinesisch-taoistischen Tradition. Von Jurōjin, der ebenfalls für Langlebigkeit steht und dieselbe hohe Stirn trägt, ist er im Bild oft kaum zu unterscheiden; manche Überlieferungen halten beide sogar für dieselbe Gestalt.

Auch: Fukurokujin, Glücksgott Fukurokuju, Fukuroku

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Fukusa 袱紗

Ein Fukusa (袱紗) ist das quadratische Seidentuch, mit dem der Gastgeber einer japanischen Teezeremonie die Geräte rituell reinigt, vor allem den Bambuslöffel Chashaku und die Teedose. Das Falten und Führen des Tuchs, Fukusa-Sabaki genannt, ist ein eigener, genau festgelegter Abschnitt des Ablaufs; die einzelnen Faltungen werden traditionell symbolisch gedeutet. Farbe und Handhabung richten sich nach Schule und Person: Für Männer sind dunkelviolette Tücher üblich, für Frauen rote oder orangefarbene. Anders als das Leinentuch Chakin, das ausschließlich die Teeschale auswischt, wird das Fukusa nicht nass benutzt.

Auch: Seidentuch, Fukusa-Tuch, Tsukai-Fukusa, Reinigungstuch der Teezeremonie

Funpon 粉本

Funpon (粉本) sind die Vorlagensammlungen einer japanischen Malwerkstatt: Nachzeichnungen älterer Werke, teils genaue Kopien, teils rasche Skizzen, meist verkleinert und über Generationen weitergegeben. Sie waren das eigentliche Kapital einer Werkstatt und wurden entsprechend gehütet. Werkstattschüler bekamen Originale alter Meister kaum zu Gesicht; was sie studierten, waren die Nachzeichnungen ihres Meisters, die als Stilhandbuch dienten. Die Kanō-Schule hat dieses System am konsequentesten ausgebaut – so konsequent, dass spätere Kritiker darin den Grund für ihre Erstarrung sahen. Vom Mosha unterscheidet sich das Funpon als Bestand von der einzelnen Kopie: Mosha bezeichnet das Nachbilden selbst, Funpon den Vorrat an Vorlagen, aus dem eine Werkstatt schöpfte.

Auch: Fun-pon, Vorlagensammlung, Werkstattvorlagen, Musterbuch, Kopiervorlagen

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Furuta Oribe 古田織部

Furuta Oribe (古田織部, 1544–1615), eigentlich Furuta Shigenari, war ein japanischer Krieger und Teemeister, nach dem die grüne Oribe-Keramik benannt ist. Er diente Oda Nobunaga und Toyotomi Hideyoshi, wurde Schüler Sen no Rikyūs und galt nach dessen Tod 1591 als führender Teemeister Japans; er unterrichtete den Shōgun Tokugawa Hidetada und begründete mit dem Oribe-ryū eine eigene Teeschule. Wo Rikyū Reduktion suchte, setzte Oribe auf Bewegung: eingedrückte Ränder, schief gezogene Wandungen, kräftiges Kupfergrün. Wie unmittelbar er die Töpfer in Mino tatsächlich anleitete, ist in der Forschung umstritten – gesichert ist vor allem, dass sein Geschmack den Stil prägte.

Auch: Oribe, Furuta Shigenari, Furuta Oribe Teemeister

Fusuma

Fusuma sind die blickdichten Schiebetüren des japanischen Hauses: ein leichtes Holzgerüst, das auf beiden Seiten mit Papier oder Stoff bespannt, von einer Rahmenleiste eingefasst und mit einer eingelassenen Griffmulde versehen ist. Sie unterteilen den Innenraum und lassen sich herausnehmen, sodass mehrere Zimmer zu einem einzigen werden. Anders als die Shōji, deren einseitig bespanntes Holzgitter Tageslicht gedämpft durchlässt, sind Fusuma undurchsichtig – und damit Bildfläche: Ihre Flächen zählen neben Kakemono und Byōbu zu den klassischen Bildträgern der japanischen Malerei und tragen in Tempeln und Burgen oft eine über mehrere Türen durchlaufende Landschaft.

Auch: Fusuma-Tür, Fusuma-shōji, Fusuma-Schiebewand, bemalte Schiebetür

G

Ein Gō ist ein japanischer Künstlername, den Maler, Kalligrafen und Töpfer anstelle ihres bürgerlichen Namens führen und mit dem sie ihre Werke signieren. Angenommen wird er oft zum Abschluss der Lehrzeit, gelegentlich vom Lehrer verliehen, und viele Künstler führen im Lauf ihres Lebens mehrere – beim Wechsel der Werkstatt, beim Übernehmen eines Familiennamens oder nach einer Zäsur im eigenen Werk. Zwei Signaturen, die nichts miteinander zu tun zu haben scheinen, können deshalb von derselben Hand stammen. Für die Recherche heißt das: Ein Gō ist ein Suchbegriff, kein Ausweis. In Töpferdynastien tritt zusätzlich der über Generationen weitergegebene Name der Linie hinzu.

Auch: Go, Künstlername, Gagō, Beiname, Ateliername

Gohonte 御本手

Gohonte (御本手) bezeichnet ein Muster feiner rosafarbener bis heller Flecken auf grau-beigem Grund, wie es vor allem auf Teeschalen erscheint. Es wird nicht aufgemalt, sondern entsteht im Brand aus dem Zusammenspiel des eisenhaltigen Tons mit der darüberliegenden hellen Aschglasur und tritt so aus dem Scherben selbst hervor. Der Name geht auf die Gohon zurück, die Bestellvorlagen, mit denen japanische Teemeister ab dem späten 16. Jahrhundert Schalen bei koreanischen Öfen in Auftrag gaben. Heute ist Gohonte besonders eng mit der Hagi-Keramik verbunden, wo es neben Shira-Hagi und Ido-Hagi als eigene Farbvariante gilt.

Auch: Gohon, Gohon-te, Gohon-Chawan

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Goma 胡麻

Goma, japanisch für „Sesam“, bezeichnet die körnigen Aschesprenkel auf unglasierter Bizen-Keramik, die aussehen, als habe jemand Sesamkörner über die Oberfläche gestreut. Sie entstehen, wenn Flugasche aus dem tagelangen Holzbrand auf dem Scherben liegen bleibt und dort punktweise zu Glas schmilzt, ohne zu einer geschlossenen Schicht zusammenzulaufen. Dicht sitzen die Körner auf der dem Feuer zugewandten Seite, zur Rückseite hin nehmen sie ab. Goma ist damit eine besondere Ausprägung des Shizen-yū, des natürlichen Ascheanflugs; fließt die Asche zu einer klaren, grünlich schimmernden Lache zusammen, spricht man stattdessen von Bidoro.

Auch: Goma-Anflug, Sesamsprenkel, Sesam-Asche, Aschesprenkel

Gosu 呉須

Gosu ist das kobalthaltige Malmittel der japanischen Unterglasurmalerei: ein Mineralpigment, das vor dem Glasurbrand auf den vorgebrannten Scherben aufgetragen wird und die hohe Brenntemperatur unbeschadet übersteht. Natürliches Gosu ist kein reines Kobaltoxid, sondern ein Erz mit Beimengungen von Mangan und Eisen; diese geben dem historischen Blau seinen gräulichen, oft ins Graublau gehenden Ton. Lange wurde das Material aus China eingeführt, später auch in Japan gewonnen; hinzu kam synthetisch hergestelltes Kobalt, dessen Blau klarer und kühler wirkt. Gosu ist damit das Material, Sometsuke die damit ausgeführte Dekortechnik.

Auch: Gosu-Blau, Kobaltblau-Malmittel, Kobaltpigment, Asbolit

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Guinomi ぐい呑

Ein Guinomi (ぐい呑) ist die japanische Sakeschale für den kräftigen Zug – etwas größer und tiefer als das kleine Ochoko, meist aus Keramik und selten aus Glas. Der Name spielt darauf an, dass Sake in wenigen Zügen getrunken wird; entsprechend fasst eine solche Schale nur einige Schlucke. Eingeschenkt wird aus dem Tokkuri, in Japan traditionell nicht sich selbst, sondern dem Gegenüber. Ein Guinomi ist kein Chawan im Miniaturformat, sondern auf Trinken statt auf Zubereiten gebaut: Ihm fehlt die Bodenfläche für den Teebesen. Weil sich auf kleinem Raum die Handschrift eines Töpfers zeigt, sind Guinomi bei Sammlern beliebt.

Auch: Sakeschale, japanische Sakeschale, Gui-nomi, Sake Schale

Gyōsho 行書

Gyōsho (行書) ist die Halbkursivschrift der japanischen Kalligrafie, in der einzelne Striche eines Zeichens miteinander verbunden werden, ohne dass die Grundform verloren geht. Sie entsteht aus der zügigen, nicht abgesetzten Bewegung des Pinsels und wirkt fließender und persönlicher als die Regelschrift Kaisho, bleibt aber deutlich besser lesbar als die stark abgekürzte Grasschrift Sōsho. Damit nimmt Gyōsho innerhalb der fünf klassischen Stile eine Mittelstellung ein und war historisch die gebräuchliche Schrift für Briefe und Notizen. In der Ausbildung folgt sie üblicherweise erst auf die sichere Beherrschung des Kaisho.

Auch: Gyosho, Gyōsho-tai, Halbkursivschrift, Halbkursive

H

Hagi no Nanabake 萩の七化け

Hagi no Nanabake (萩の七化け), „die sieben Wandlungen von Hagi“, bezeichnet den langsamen Farbwandel, den ein Stück Hagi-Keramik durch den Gebrauch durchläuft. Weil Glasur und Scherben porös sind und ein feines Rissnetz (Kannyū) tragen, dringen Tee oder Sake über Jahre in den Ton ein und färben die anfangs helle, rosig schimmernde Oberfläche allmählich bernsteinfarben bis bräunlich. Die Zahl sieben ist nicht wörtlich gemeint, sondern steht dafür, dass ein solches Stück im Lauf der Jahre mehrfach ein anderes Gesicht bekommt. Kenner sehen darin keine Abnutzung, sondern die eigentliche Reifung – weshalb Hagi mit klarem Wasser gereinigt wird, denn auch Spülmittel zieht in den Ton ein.

Auch: Nanabake, Sieben Wandlungen, Sieben Wandlungen von Hagi

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Hagi-yaki 萩焼

Hagi-yaki ist eine japanische Steingut-Keramik aus der Stadt Hagi in der Präfektur Yamaguchi, die 1604 von koreanischen Töpfern unter dem Feudalherrn Mōri Terumoto begründet wurde. Charakteristisch ist eine helle, transluzente Glasur mit einem feinen Rissnetz (Kannyū), durch das Tee oder Sake über Jahre hinweg in den porösen Ton einziehen und ihn allmählich dunkler färben – ein Reifeprozess, der Hagi no Nanabake heißt, die „sieben Wandlungen“. Viele Chawan tragen zudem eine Kerbe im Fußring, Kirikodai genannt. Neben Raku- und Karatsu-yaki gilt Hagi als eine der drei in der Teezeremonie am höchsten geschätzten Traditionen; anders als beim Raku wird hier auf der Scheibe gedreht.

Auch: Hagi-Yaki, Hagi-Keramik, Shira-Hagi, Hagi

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Hakogaki 箱書き

Hakogaki heißt die Pinselbeschriftung der Holzbox, in der ein japanisches Kunstwerk aufbewahrt wird. Sie folgt einer erstaunlich stabilen Ordnung: Auf Deckel oder Stirnseite steht die Objektbezeichnung, daneben der Ofen beziehungsweise der Stil, auf einer weiteren Fläche der Künstlername, abgeschlossen von einem Siegel oder einem handschriftlichen Kakihan. Geschrieben ist sie fast immer in Sōsho, der stark vereinfachten Kursive, was das Entziffern auch für Japanischkundige mühsam macht. Stammt die Beschriftung vom Künstler oder seinem Atelier selbst, spricht man von einem Tomobako. Eine Box von dritter Hand, etwa von einem Teemeister, trägt ebenfalls ein Hakogaki – sie bezeugt aber etwas anderes.

Auch: Hako-gaki, Boxbeschriftung, Kistenbeschriftung, Deckelbeschriftung

Hanko 判子

Ein Hanko ist der Siegelstempel selbst, ein kleiner Stab aus Stein, Holz, Horn oder Elfenbein, in dessen Stirnfläche ein Name seitenverkehrt geschnitten ist. In Japan ersetzt er im Alltag die Unterschrift; in der Kunst beglaubigt er Bilder, Kalligrafien und die Beschriftung von Holzboxen. Sein Abdruck entsteht mit Shuniku, roter Zinnoberpaste, liegt satt und minimal erhaben auf und hat unregelmäßige Ränder – ein bloß aufgedrucktes Siegel wirkt dagegen flach und gleichmäßig. Vom Hanko zu unterscheiden sind das Rakkan, also Signatur und Abdruck als Ganzes, und das Kakihan, das geschrieben und nicht gestempelt wird. Viele Künstler führen mehrere Hanko nebeneinander.

Auch: Inkan, Siegelstempel, Namensstempel, Japanisches Siegel, Stempel

Hannya Shingyō 般若心経

Das Hannya Shingyō (般若心経) ist die japanische Bezeichnung des Herzsutra, eines zentralen Textes des Mahayana- und besonders des Zen-Buddhismus, der die Lehre von der Leerheit (Shunyata) in 262 Schriftzeichen zusammenfasst. Es entstand vermutlich zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert im Norden Indiens und ist als Dialog zwischen dem Bodhisattva Avalokiteśvara und dem Mönch Śāriputra gestaltet; „Hannya“ gibt dabei das Sanskrit-Wort Prajñā, Weisheit, wieder. Wegen seiner Kürze und gedanklichen Tiefe ist das Herzsutra der meistkopierte Text der japanischen Kalligrafie und schmückt als Kakemono häufig häusliche Meditationsräume.

Auch: Herzsutra, Herz-Sutra, Hannya Shingyo, Prajnaparamita-Sutra, Hannya-Shingyo

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Hasami-yaki 波佐見焼

Hasami-yaki ist japanisches Porzellan aus der Stadt Hasami in der Präfektur Nagasaki, deren Öfen der Überlieferung nach 1599 auf koreanische Töpfer im Dienst des Lehens Ōmura zurückgehen; die Grabungsbefunde legen eine etwas spätere Betriebszeit nahe. Anders als die höfisch geprägten Nachbartraditionen war Hasami von Beginn an auf Gebrauchsgeschirr in großer Stückzahl ausgerichtet: auf die derben Kurawanka-Schalen für einfache Leute und auf die Compra-Flaschen, in denen Sojasauce und Sake über Nagasaki ausgeführt wurden. In der späten Edo-Zeit war Hasami der größte Produzent blau-weißen Porzellans in Japan. Weil die Ware lange über Arita vermarktet wurde, tritt sie erst seit den 2000er-Jahren unter eigenem Namen auf.

Auch: Hasami-Yaki, Hasami-Porzellan, Hasami-Keramik, Hasami

Hashira

Als Hashira (柱, „Säule“) bezeichnet man die beiden senkrechten Brokatstreifen, die bei der Montierung eines japanischen Rollbilds links und rechts neben dem Honshi verlaufen. Sie gehören zum Chūmawashi, der inneren Einfassung, und begrenzen das Werk seitlich, während die Ichimonji es waagerecht oben und unten rahmen. Für die Hashira wird üblicherweise ein ruhigerer Stoff gewählt als für die Ichimonji, damit die Einfassung das Werk nicht überspielt; ihre Breite prägt die Wirkung der ganzen Montierung mit. Wie breit sie ausfallen und aus welchem Stoff sie bestehen, hängt von der gewählten Montierungsform ab.

Auch: Hashira-Streifen, Seiteneinfassung, Seitenstreifen, Chūmawashi-Hashira

Hassō 八双

Der Hassō (八双) ist die schmale Holzleiste am oberen Ende eines japanischen Rollbilds, deren Querschnitt halbmondförmig gearbeitet ist; gebräuchlich ist dafür auch die Bezeichnung Hyōmoku. An ihm sind über zwei Metallringe (Kan) die Aufhängeschnur Kakehimo befestigt, und um ihn legt sich die Bildbahn beim Aufrollen zuletzt. Anders als der untere Rundstab Jiku, der das Kakemono durch sein Gewicht glatt zieht, ist der Hassō bewusst leicht gehalten: Er schließt die Rolle oben ab und trägt sie, ohne sie zu beschweren. Zusammen bilden Hassō und Jiku die beiden Querhölzer, zwischen denen die gesamte Montierung aufgespannt ist.

Auch: Hasso, Hachisō, Hyōmoku, obere Rollleiste

Heian-Zeit 平安時代

Die Heian-Zeit (794–1185) ist die Epoche, in der der Kaiserhof von Heian-kyō, dem heutigen Kyōto, aus regierte; Kaiser Kanmu verlegte die Hauptstadt 794 dorthin. Politisch bestimmten die Regenten der Fujiwara den Hof, kulturell entstand nach dem Ende der Gesandtschaften nach China eine betont einheimische Hofkultur. In ihr entwickelten sich die Silbenschrift Kana und mit ihr die höfische Literatur – Murasaki Shikibus Genji Monogatari ist ihr bekanntestes Werk – sowie die farbige Bildtradition Yamato-e mit den Bildrollen Emakimono. Die Epoche folgt auf die Nara-Zeit und endet 1185 mit dem Sieg der Minamoto über die Taira.

Auch: Heian-Periode, Heian-Ära, Heian Zeit

Heisei-Zeit 平成時代

Die Heisei-Zeit (1989–2019) ist die Epoche unter Kaiser Akihito, die mit dem Höhepunkt der „Bubble Economy“ begann und nach deren Kollaps in die wirtschaftlich stagnierenden „verlorenen Jahrzehnte“ mündete. Geprägt war sie zudem von schweren Katastrophen, dem Hanshin-Erdbeben 1995 und dem Tōhoku-Erdbeben mit Tsunami und Fukushima 2011. Gerade in dieser Unsicherheit gewann handgefertigtes Kunsthandwerk als Gegenpol zu kurzlebiger Massenware neu an Wertschätzung, während Wabi-Sabi und Kintsugi international bekannt wurden. Sie folgt auf die Shōwa-Zeit und endete 2019 mit der Abdankung Akihitos; seither gilt die Reiwa-Zeit. Heisei-datierte Stücke sind damit zeitgenössische Arbeiten.

Auch: Heisei-Periode, Heisei, Heisei Ära

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Hidasuki 緋襷

Hidasuki, wörtlich „Feuerschnüre“, sind die orangeroten Linien auf unglasierter Bizen-Keramik, die entstehen, wenn ein Gefäß vor dem Brand mit Reisstroh umwickelt wird. Wo das Stroh am Ton lag, reagieren seine Aschebestandteile mit dem Eisen im Scherben und hinterlassen scharf gezeichnete Bahnen auf hellem Grund. Ursprünglich war die Umwicklung ein praktischer Trick, damit gestapelte Gefäße im Ofen nicht aneinander festbacken; erst später wurde die Zeichnung bewusst gesucht. Anders als Goma oder Shizen-yū beruht Hidasuki nicht auf Ascheanflug aus der Luft, sondern auf direktem Kontakt – die Linie folgt genau dem Verlauf des Strohs.

Auch: Hi-dasuki, Feuerschnüre, Strohmuster, Reisstrohzeichnung, Hidasuki-Bizen

Hira-jawan 平茶碗

Eine Hira-jawan (平茶碗) ist die flache, sehr weit geöffnete japanische Teeschale für den Hochsommer. Ihre große Oberfläche lässt den Matcha schneller abkühlen, und der Blick fällt auf eine breite grüne Fläche, in der sich das Licht spiegelt – ein Bild, das Kühle vermittelt, bevor der erste Schluck genommen ist. Sie ist das sommerliche Gegenstück zur hohen, zylindrischen Tsutsu-jawan, die im Winter die Wärme hält. Zwischen beiden Extremen steht die gewöhnliche runde Schale, die das ganze Jahr über funktioniert. Der saisonale Wechsel der Schale gehört zu den anschaulichsten Zügen der japanischen Teekultur.

Auch: Hirajawan, Hira-chawan, flache Teeschale, Sommer-Teeschale

Hirado-yaki 平戸焼

Hirado-yaki ist die ältere Bezeichnung für das Porzellan der Öfen von Mikawachi im heutigen Sasebo, Präfektur Nagasaki, benannt nach dem Lehen Hirado, dessen Fürstenhaus Matsura die Manufaktur seit dem 17. Jahrhundert unterhielt. Gemeint ist dieselbe Ware wie Mikawachi-yaki: ein sehr weißer, feinkörniger Scherben aus Porzellanstein der Insel Hariojima und aus Amakusa, zurückhaltende Unterglasurmalerei in Kobaltblau und aufwendige Durchbruch- und Reliefarbeit. Unter diesem Namen wurde die Ware im 19. Jahrhundert auch außerhalb Japans bekannt. Vom benachbarten Arita unterscheidet sie die höfische Herkunft und der Verzicht auf dichte, flächige Farbdekore.

Auch: Hirado-Yaki, Hirado-Porzellan, Hirado-Keramik, Hirado

Hishaku 柄杓

Ein Hishaku (柄杓) ist die Bambuskelle der japanischen Teezeremonie, mit der heißes Wasser aus dem eisernen Kessel Kama in die Teeschale geschöpft und kaltes Wasser aus dem Frischwassergefäß Mizusashi nachgefüllt wird. Sie besteht aus einem ausgehöhlten Bambusstück als Schöpfbecher und einem dünnen Stiel, in dessen Mitte ein Bambusknoten sitzt. Es gibt eigene Ausführungen für die beiden Jahreshälften: Für das tragbare Kohlebecken Furo der warmen Monate ist der Stiel länger und der Schnitt am Ende nach unten gerichtet, für die eingelassene Feuerstelle Ro der kalten Monate ist er kürzer und der Schöpfbecher größer. Auch das Ablegen der Kelle folgt festen Formen.

Auch: Bambuskelle, Schöpfkelle, Wasserkelle, Hi-shaku

Hiyose ひよせ

Hiyose ist der eisenreiche Ton, aus dem die unglasierte Bizen-Keramik gefertigt wird. Gewonnen wird er im Gebiet um Imbe, dem historischen Zentrum der Tradition, vor allem aus tieferen Schichten unter den Reisfeldern – Bergton, den fließendes Wasser dorthin verlagert und abgelagert hat. Er ist feinkörnig und ausgesprochen plastisch, zugleich wenig feuerfest, was den langsamen, tagelangen Brand der Bizen-Öfen mitbestimmt. Vor der Verarbeitung lagert er Monate bis Jahre im Freien, wird geschlämmt und gemischt. Seine Verwendung in Bizen wird meist auf das Ende der Muromachi-Zeit datiert. Erst sein hoher Eisenanteil lässt im glasurlosen Brand jene Farben und Effekte entstehen, für die Bizen bekannt ist.

Auch: Hiyose-Ton, Bizen-Ton, Feldton, Hiyose-Lehm

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Honshi 本紙

Das Honshi (本紙) ist das eigentliche Kunstwerk innerhalb eines japanischen Rollbilds – die auf Papier oder Seide ausgeführte Malerei oder Kalligrafie, die in der Mitte der Montierung sitzt. Alles ringsum gehört nicht dazu: die Brokatbahnen der Einfassung, die schmale obere Leiste, der untere Rundstab. Bei der Montierung wird das Honshi vom Hyōgu-shi mit mehreren hauchdünnen Lagen Washi hinterklebt, traditionell mit Weizenstärkekleister. Wer den Zustand eines Kakemono beurteilt, betrachtet beides getrennt: Eine sich lösende Einfassung ist ein Problem der Montierung, ein Riss quer durch das Honshi betrifft das Werk selbst.

Auch: Hon-shi, Bildfeld, Bildträger, Bildmitte des Rollbilds

Hoshino-yaki 星野焼

Hoshino-yaki ist eine japanische Keramiktradition aus dem Dorf Hoshino, heute Teil der Stadt Yame in der Präfektur Fukuoka, die in der Edo-Zeit als Lehnsofen des Hauses Arima von Kurume betrieben wurde. Weil die Gegend ein Teeanbaugebiet ist, entstanden dort vor allem Teevorratsgefäße und Teegerät. Der örtliche Ton enthält viel Eisen und gilt als schwierig zu verarbeiten; berühmt ist das seltene Yūhi-yaki, dessen Wandung golden aufleuchtet, sobald Tee oder Sake eingefüllt wird. 1894 erlosch der letzte Ofen. Erst 1969 nahm Yamamoto Genta die Tradition nach rund achtzig Jahren wieder auf; seither sind weitere Werkstätten im Dorf hinzugekommen.

Auch: Hoshino-Yaki, Hoshino-Keramik, Hoshino

Hotei 布袋

Hotei ist der rundliche, stets lächelnde japanische Glücksgott, der für Zufriedenheit und Überfluss steht und im Westen oft „lachender Buddha“ genannt wird. Sein Attribut ist ein großer Stoffsack, in dem er der Legende nach Geschenke für Kinder trägt; dargestellt wird er mit entblößtem Bauch, offenem Lachen und häufig einem Fächer. Seine Wurzeln liegen im chinesischen Buddhismus, wo er auf eine wandernde Mönchsgestalt zurückgeführt wird. Hotei gehört zu den Sieben Glücksgöttern, den Shichifukujin, und ist neben Jurōjin derjenige, der in der Malerei am häufigsten allein auftritt – ohne die übrige Gruppe.

Auch: Lachender Buddha, Budai, Hotei-son, Glücksgott Hotei

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Hyōgu-shi 表具師

Ein Hyōgu-shi (表具師) ist ein japanischer Montierer – der Handwerker, der Malereien und Kalligrafien zu Rollbildern, Stellschirmen oder Schiebetüren montiert. Seine Arbeit heißt Hyōgu: Er klebt das Honshi mit mehreren hauchdünnen Lagen Washi und Weizenstärkekleister hinter, wählt die Brokatbahnen der Einfassung passend zum Motiv und setzt Leiste, Rundstab, Endstücke und Schnur ein. Auch die Neumontierung gehört dazu, bei der das Werk vollständig von seinen alten Trägerschichten gelöst, gereinigt und neu aufgebaut wird. In Japan plant man einen solchen Eingriff traditionell im Abstand von etwa hundert bis hundertfünfzig Jahren ein.

Auch: Hyogu-shi, Hyōgushi, Hyogushi, Montierer, Rollbild-Montierer

I

Ichimonji 一文字

Als Ichimonji (一文字) bezeichnet man die schmalen Querstreifen aus feinem Brokat, die bei der Montierung eines japanischen Rollbilds unmittelbar über und unter dem Honshi sitzen. Der Name stammt vom Schriftzeichen 一 für „eins“ – ein einzelner waagerechter Strich, dem die Streifen in ihrer Form entsprechen. Traditionell wird dafür der kostbarste Stoff der gesamten Montierung verwendet, häufig mit Goldfäden durchwirkt; der obere Streifen fällt dabei üblicherweise breiter aus als der untere. Die Ichimonji rahmen das Werk und vermitteln zwischen ihm und den ruhigeren Brokatbahnen ringsum – ein Detail, an dem sich die Sorgfalt einer Montierung gut ablesen lässt.

Auch: Ichi-monji, Ichimonji-jō, Ichimonji-ge, Brokatstreifen

Iga-yaki 伊賀焼

Iga-yaki ist eine japanische Steinzeugkeramik aus der Stadt Iga in der Präfektur Mie, die auf denselben hitzebeständigen Tonlagern des Ur-Biwa-Sees beruht wie das benachbarte Shigaraki. Zur eigenständigen Tradition wurde sie in der Momoyama- und frühen Edo-Zeit, als die Landesherren Tsutsui Sadatsugu und später Tōdō Takatora dort gezielt Teegerät brennen ließen: Wasserbehälter und Blumenvasen von betont schroffer, oft verzogener Form. Kennzeichnend sind der grüne Glasfluss geschmolzener Flugasche (Bidoro), schwarze Brandspuren und angesetzte, ohrenförmige Henkel. Genau daran trennt die Überlieferung beide Öfen: „Iga hat Ohren, Shigaraki hat keine.“ Seit der mittleren Edo-Zeit bestimmen feuerfeste Kochtöpfe die Produktion.

Auch: Iga-Yaki, Iga-Keramik, Ko-Iga, Iga

Ikebana 生け花

Ikebana ist die japanische Kunst des Blumenstellens, die Zweige, Blüten und Gefäß zu einer bewusst gestalteten, meist asymmetrischen Komposition verbindet. Anders als beim westlichen Strauß zählt nicht die Fülle, sondern die Linie: Stiele, Zwischenräume und die Richtung, in die ein Zweig weist, sind Teil des Entwurfs. Die Gefäßwahl folgt dem Stil – flache, weite Schalen (Suiban) für den Moribana-Stil mit Steckigel, hohe Vasen für aufrechte Arrangements. Vom Ikebana zu unterscheiden ist Chabana, die Teeblume: Sie kommt oft mit einem einzigen Zweig aus und folgt dem Leitgedanken, die Blume so zu stellen, wie sie auf dem Feld steht.

Auch: Kadō, Kado, Blumensteckkunst, japanische Blumenkunst

Imari-yaki 伊万里焼

Imari-yaki bezeichnet japanisches Porzellan aus der Region um Arita in der Präfektur Saga, das über den nahegelegenen Hafen Imari verschifft wurde – der Name benennt also den Handelsweg, nicht den Herstellungsort. Ab 1659 gelangte diese Ware in großem Umfang über die Niederländische Ostindien-Kompanie nach Europa, nachdem der chinesische Porzellanexport im Dynastiewechsel von Ming zu Qing eingebrochen war. In Europa wurde daraus zugleich ein Dekorname: dichte Bemalung aus Unterglasurblau mit Aufglasurrot und Gold, in Japan Kinrande genannt. Die historische Exportware heißt Ko-Imari. In Japan gilt heute vor allem Porzellan aus dem Stadtgebiet Imari als Imari-yaki, Ware aus Arita dagegen als Arita-yaki.

Auch: Imariyaki, Ko Imari, Imari-Keramik, Imari-Dekor

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Ishigaki-yaki 石垣焼

Ishigaki-yaki ist eine junge japanische Keramik von der Insel Ishigaki in der Präfektur Okinawa, deren Ofen 1999 von Kaneko Haruhiko eröffnet wurde. Ihr Merkmal ist ein eigens entwickeltes Verfahren, bei dem klares Glas mit einer Yuteki-Tenmoku-Glasur verschmolzen wird: Über dem schwarzen, silbrig getropften Glasurgrund liegt eine Glasschicht, die das durchscheinende Blau der umgebenden Riffe nachbildet und deshalb Ishigaki-Blau genannt wird. Anders als die alten Traditionen des Festlands beruft sich Ishigaki-yaki nicht auf einen historischen Ofen, sondern auf eine moderne Technik; Stücke davon befinden sich unter anderem im British Museum.

Auch: Ishigaki-Yaki, Ishigaki-Keramik, Ishigaki

Iwami-yaki 石見焼

Iwami-yaki ist eine japanische Steinzeugkeramik aus der Gegend um Gōtsu und Hamada im Westen der Präfektur Shimane, der früheren Provinz Iwami, deren Anfänge in die Mitte des 18. Jahrhunderts fallen. Sie ist ausgesprochene Gebrauchsware: Berühmt wurden die Handō, große Wasserkrüge, die man in der Meiji-Zeit in Menge brannte und über den Kitamae-Schiffsverkehr im ganzen Land absetzte. Der örtliche Ton verträgt hohe Brenntemperaturen und ergibt einen dichten, säure- und salzbeständigen Scherben. Als Glasur dient meist das tief rotbraune Kimachi oder ein bläulich durchscheinender Guss aus Yunotsu-Stein. Große Stücke werden in Wulsttechnik aufgebaut.

Auch: Iwami-Keramik, Iwami yaki, Gōtsu-yaki, Iwami

Izushi-yaki 出石焼

Izushi-yaki ist ein japanisches Porzellan aus dem Stadtteil Izushi von Toyooka in der Präfektur Hyōgo. Grundlage ist der 1789 bei Kakitani entdeckte Porzellanstein, der außergewöhnlich eisenarm ist; 1793 gelang mit Hilfe eines Fachmanns aus Hizen der erste Porzellanbrand, worauf der ältere Töpferofen des Ortes auf Porzellan umgestellt wurde. Das Ergebnis ist ein nahezu rein weißer Scherben, der meist unbemalt bleibt; den Schmuck übernimmt die Bearbeitung selbst, also Reliefschnitt und durchbrochenes Schnitzwerk. Genau darin liegt der Unterschied zu Arita, wo Blau- und Buntmalerei die Wirkung tragen.

Auch: Izushi-Porzellan, Izushi yaki, Izushi-Hakuji, Izushi

J

Jiki 磁器

Jiki ist die japanische Bezeichnung für Porzellan: ein aus Porzellanstein oder Kaolin gefertigter, bei etwa 1.250 bis 1.400 Grad dicht gesinterter Scherben, der weiß und wasserundurchlässig ist, an dünnen Stellen durchscheint und beim Anschlagen hell klingt. In Japan wird Jiki erst seit dem frühen 17. Jahrhundert hergestellt, zuerst in Arita; Imari, Kutani, Hirado und Nabeshima gehören zu dieser Gruppe. Vom Tōki, dem porösen, farbigen Steingut, unterscheidet es sich durch Rohstoff, Brenntemperatur und Dichte – und im Gebrauch dadurch, dass es keine Flüssigkeit aufnimmt. Beide zusammen bilden das Feld des Yakimono.

Auch: Porzellan, Jiki-Porzellan, Japanisches Porzellan, Hartporzellan

Jiku

Der Jiku (軸) ist der Rundstab am unteren Ende eines japanischen Rollbilds, um den die Bildbahn aufgerollt wird; ausführlicher heißt er Jikugi (軸木). Sein Gewicht zieht das Kakemono glatt, sodass es ruhig an der Wand hängt. Das Schriftzeichen 軸 bedeutet Achse oder Welle und steckt deshalb auch im Wort Kakejiku, der „hängenden Achse“. Vom Jiku zu unterscheiden sind die Jikusaki (軸先), seine sichtbaren Endstücke aus Knochen, Holz, Keramik oder Kunststoff: Der Stab ist das tragende Bauteil, die Jikusaki sind die dekorativen Abschlüsse an seinen beiden Enden.

Auch: Jikugi, Rundstab, Rollstab, untere Rollstange

Jikusaki 軸先

Jikusaki (軸先) sind die sichtbaren Endstücke des unteren Rundstabs eines japanischen Rollbilds – die beiden Knäufe, die links und rechts aus der Bildbahn herausragen. Gefertigt werden sie aus Knochen, gedrechseltem Holz, Keramik, Lack oder Kunststoff, und ihr Material ist ein brauchbarer Hinweis auf den Aufwand einer Montierung: Knochen, Holz und Keramik sprechen für eine sorgfältige Arbeit, glänzender Kunststoff eher für eine einfache oder spätere. Zu unterscheiden sind sie vom Jiku selbst, dem Rundstab, an dessen Enden sie sitzen. Über die Jikusaki werden auch die Kordeln der Fuchin gelegt.

Auch: Jiku-saki, Stabenden, Endstücke des Rundstabs, Rollbild-Endstücke

Jōmon-Zeit 縄文時代

Die Jōmon-Zeit ist die prähistorische Epoche Japans, die üblicherweise auf etwa 14.000 bis 300 v. Chr. datiert wird; die Angaben schwanken je nach Fundlage und Forschungsstand. Ihren Namen trägt sie nach den Schnurabdruckmustern ihrer Gefäße – Jōmon bedeutet „Schnurmuster“ –, die mit gedrehten Kordeln in den feuchten Ton gerollt wurden. Diese im offenen Feuer bei vergleichsweise niedriger Temperatur gebrannte Keramik gilt als eine der ältesten der Welt. Auf die Jōmon-Zeit folgt die Yayoi-Zeit mit dem Nassreisanbau und deutlich schlichter geformten Gefäßen; damit steht Jōmon am Anfang der japanischen Keramikgeschichte.

Auch: Jomon-Zeit, Jōmon-Periode, Jōmon-Kultur, Jomon

Jurōjin 寿老人

Jurōjin ist der japanische Gott des langen Lebens, dargestellt als alter Gelehrter mit hoher Stirn, langem weißem Bart und einem Stab. In der Malerei begleitet ihn fast immer ein Hirsch oder ein Kranich – beides Tiere, die in Japan für Langlebigkeit stehen. Er gehört zu den Sieben Glücksgöttern, den Shichifukujin, und stammt aus der chinesischen Tradition. Bilder von Jurōjin sind ein verbreitetes Geschenk zu runden Geburtstagen. Von Fukurokuju, der ebenfalls für ein langes Leben steht und dieselbe auffällig hohe Stirn trägt, lässt er sich in Darstellungen nicht immer eindeutig unterscheiden.

Auch: Jurojin, Juroujin, Gott des langen Lebens

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K

Kachō-ga 花鳥画

Kachō-ga (花鳥画, „Blumen-Vogel-Bild“) ist die japanische Gattung der Blumen- und Vogelmalerei, in der Pflanzen, Vögel und Insekten meist in einem knapp angedeuteten Naturausschnitt erscheinen. Die Gattung stammt aus der chinesischen Malerei und wurde in Japan von nahezu allen Schulen gepflegt; Araki Kanpō (1831–1915) gilt als einer ihrer bedeutendsten Vertreter der Meiji-Zeit. Kachō-ga verbindet genaue Naturbeobachtung mit einem klaren jahreszeitlichen Bezug, weshalb solche Rollbilder traditionell passend zur Saison gehängt werden. Anders als die Landschaftsmalerei Sansui, die den Blick in die Ferne führt, arbeitet Kachō-ga im Nahbereich und lebt vom einzelnen, genau beobachteten Detail.

Auch: Kachoga, Kacho-ga, Kachōga, Blumen-Vogel-Bild, Blumen- und Vogelmalerei

Kaisho 楷書

Kaisho (楷書) ist die Regelschrift der japanischen Kalligrafie: Jeder Strich wird einzeln gesetzt, sauber abgesetzt und in vorgeschriebener Reihenfolge ausgeführt, sodass die Zeichen klar und gut lesbar bleiben. Sie gilt als Grundlage der Kalligrafieausbildung, weil sich Aufbau und Proportion eines Zeichens in ihr am deutlichsten zeigen, und dient zugleich als Vorbild gedruckter Schrifttypen. Innerhalb der fünf klassischen Stile steht Kaisho zwischen der älteren Kanzleischrift Reisho und den verbundenen Formen: Gegenüber der halbkursiven Gyōsho und der stark abgekürzten Sōsho bleibt sie streng und ruhig. Sutren-Abschriften werden häufig in Kaisho ausgeführt.

Auch: Kaisho-tai, Regelschrift, Standardschrift, Kaisho-Stil

Kakehimo 掛緒

Das Kakehimo (掛緒) ist die Aufhängeschnur eines japanischen Rollbilds. Sie ist über zwei Metallringe an der schmalen oberen Leiste befestigt und wird beim Aufhängen über den Wandhaken gelegt – und zwar solange das Bild noch vollständig aufgerollt ist, denn erst danach lässt man die Bahn langsam nach unten abrollen. Beim Abhängen kehrt sich die Reihenfolge um: erst aufrollen, dann abnehmen, anschließend die Schnur ordentlich um die Rolle legen und mit dem Bindeband sichern. Fest genug, dass nichts aufgeht, aber nicht so straff, dass sich das Band in die Seide eindrückt.

Auch: Kake-himo, Aufhängeschnur, Aufhängekordel, Rollbildschnur

Kakejiku 掛軸

Ein Kakejiku (掛軸) ist ein japanisches Hängerollbild, also eine auf Papier oder Seide ausgeführte Malerei oder Kalligrafie, die in eine Stoffeinfassung montiert und um einen unteren Rundstab aufgerollt wird. Wörtlich heißt der Begriff „hängende Rolle“ beziehungsweise „hängende Achse“ und betont damit gerade die bewegliche Konstruktion aus Stäben, Brokatbahnen und Aufhängeschnur. Im heutigen Sprachgebrauch bezeichnen Kakejiku und Kakemono (掛物) weitgehend dasselbe. Kakemono ist dabei der allgemeinere Ausdruck für ein hängendes Werk, Kakejiku der fachlich engere für die montierte Rolle; in der Praxis werden beide meist synonym verwendet.

Auch: Kakemono, Kake-jiku, japanische Hängerolle, Kakejiku Rollbild

Kakemono 掛物

Ein Kakemono (掛物) ist ein japanisches Rollbild: eine Malerei oder Kalligrafie auf Papier oder Seide, umgeben von einer Einfassung aus Seidenbrokat, oben abgeschlossen von einer schmalen Leiste und unten von einem schwereren Rundstab, um den sich die Bahn aufrollen lässt. Anders als ein gerahmtes Bild hängt es nicht dauerhaft an der Wand, sondern wird zum Anlass oder zur Jahreszeit hervorgeholt – traditionell im Tokonoma – und danach wieder in seiner Holzbox verwahrt. Der Begriff bedeutet wörtlich „hängende Sache“ und wird heute weitgehend gleichbedeutend mit Kakejiku (掛軸) verwendet, das stärker die rollbare Form mit Stäben betont.

Auch: Kakejiku, Rollbild, Hängerollbild, Hängerolle, japanisches Rollbild

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Kakiemon 柿右衛門

Kakiemon ist ein Dekorstil des japanischen Porzellans aus Arita in der Präfektur Saga, benannt nach der Töpferfamilie Sakaida Kakiemon, die ihn in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ausbildete. Grundlage ist der Nigoshide genannte Scherben, ein warmes, an Reiswaschwasser erinnerndes Milchweiß. Darauf sitzt eine Aufglasurmalerei in warmen Rot- und Orangetönen, Gelb, Grün und Blau, die asymmetrisch angeordnet ist und große Flächen bewusst frei lässt; Unterglasurblau fehlt in der Regel, der Rand trägt oft einen eisenbraunen Streifen. Anders als das dicht bemalte Imari-Dekor lebt Kakiemon vom freigelassenen Weiß. 1971 wurde die Nigoshide-Technik als wichtiges immaterielles Kulturgut Japans anerkannt.

Auch: Kakiemon-yaki, Kakiemon-Stil, Kakiemon-Porzellan, Nigoshide

Kakihan 花押

Ein Kakihan ist ein handschriftliches Monogramm, das aus dem Namen seines Trägers entwickelt und in einem einzigen Zug mit dem Pinsel geschrieben wird. Man findet es vor allem im Hakogaki, der Beschriftung einer Holzbox, meist unter oder neben dem Künstlernamen, wo es die Stelle eines Siegels einnimmt. Anders als ein Hanko braucht es kein Werkzeug: Es ist gezeichnet, nicht gedruckt, und fällt deshalb bei jedem Schreiben minimal anders aus. Historisch geht die Form auf mittelalterliche Urkunden zurück, in denen sie die Unterschrift ersetzte. Für die Zuordnung eines Stücks ist ein Kakihan ein Hinweis unter mehreren, kein Echtheitsbeweis.

Auch: Kaō, Pinselmonogramm, Handzeichen, Handschriftliches Siegel

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Kama

Ein Kama (釜) ist der gusseiserne Wasserkessel der japanischen Teezeremonie, in dem das Wasser für den Matcha erhitzt und über die gesamte Zusammenkunft hinweg heiß gehalten wird; genauer heißt er Chagama, Teekessel. Je nach Jahreszeit steht er auf dem tragbaren Kohlebecken Furo oder über der in den Boden eingelassenen Feuerstelle Ro; seitlich sitzen zwei Ösen für abnehmbare Traggriffe. Als Zentren des Kesselgusses gelten seit dem 15. Jahrhundert Ashiya in der heutigen Präfektur Fukuoka, Tenmyō im heutigen Sano sowie Kyōto. Nicht zu verwechseln ist 釜 mit dem gleich ausgesprochenen 窯, dem Brennofen, wie er in Anagama oder Noborigama steckt.

Auch: Chagama, Teekessel, Wasserkessel, Kama Teezeremonie

Kamakura-Zeit 鎌倉時代

Die Kamakura-Zeit (1185–1333) ist die Epoche der ersten Kriegerherrschaft Japans: Minamoto no Yoritomo errichtete nach dem Sieg über die Taira sein Shogunat in Kamakura, während der Kaiserhof in Kyōto blieb. Für die Kunst ist sie vor allem die Zeit, in der der Zen-Buddhismus aus China nach Japan kam – Eisai brachte die Rinzai-, Dōgen die Sōtō-Linie – und in der eine ausgesprochen realistische Bildhauerei um Unkei und Kaikei entstand. Bis in diese Epoche und die vorangehende Heian-Zeit reicht auch die Produktion der Rokkoyō zurück, der sechs alten Öfen. Sie endet 1333 mit dem Sturz der Hōjō-Regenten und geht in die Muromachi-Zeit über.

Auch: Kamakura-Periode, Kamakura-Ära, Kamakura Zeit

Kana 仮名

Kana (仮名) sind die japanischen Silbenschriften, deren Zeichen anders als die Kanji keine eigene Bedeutung tragen, sondern jeweils eine Silbe wiedergeben. Es gibt zwei Reihen mit je 46 Grundzeichen: das runde Hiragana und das kantige Katakana, beide durch Vereinfachung aus Kanji entstanden. In der Kalligrafie meint Kana meist das Hiragana, das in weich verbundenen, fast malerisch wirkenden Zügen geschrieben wird und historisch besonders am kaiserlichen Hof und in der höfischen Dichtkunst gepflegt wurde. Haiku und Tanka werden bis heute traditionell im Kana-Stil kalligrafiert, häufig kombiniert mit einer reduzierten, andeutungsreichen Tuschmalerei.

Auch: Hiragana, Katakana, Kana-Schrift, Silbenschrift

Kanji 漢字

Kanji (漢字, „Han-Zeichen“) sind die aus China übernommenen Schriftzeichen des Japanischen, von denen jedes für eine Bedeutung steht und meist mehrere Lesungen besitzt – eine an das Chinesische angelehnte und eine japanische. Sie kamen mit den buddhistischen Sutren nach Japan und bilden bis heute die Grundlage der Kalligrafie: Ein einzelnes Kanji wie „Liebe“, „Glück“ oder „Ruhe“ trägt als Rollbild ein ganzes Werk. Für den Alltagsgebrauch legt eine amtliche Liste 2136 Zeichen fest. Anders als die Kana, die nur Silben wiedergeben, transportieren Kanji Bedeutung – ein Grund, warum sie auch ohne Sprachkenntnis wirken.

Auch: Kanji-Zeichen, Japanische Schriftzeichen, Chinesische Schriftzeichen, Han-Zeichen

Kannon 観音

Kannon ist die japanische Bezeichnung des Bodhisattva des Mitgefühls, der im Sanskrit Avalokiteshvara und im Chinesischen Guanyin heißt. In Japan wird Kannon überwiegend in weiblich anmutender Gestalt dargestellt: ruhiges, oft leicht geneigtes Gesicht, geschlossene oder halb geschlossene Augen, kunstvolle Kopfbedeckung. Die Figur gilt als Helferin in Not und gehört zu den am häufigsten dargestellten buddhistischen Motiven der japanischen Kunst – in der Malerei ebenso wie in der Keramik, etwa als unglasierte Bizen-Figur. Neben der schlichten Grundform sind zahlreiche Erscheinungsformen überliefert, darunter die tausendarmige Senju-Kannon und die Byakue-Kannon im weißen Gewand.

Auch: Kannon Bosatsu, Kanzeon, Guanyin, Avalokiteshvara

Kannyū 貫入

Kannyū nennt man das feine Rissnetz, das beim Abkühlen in der Glasur eines Gefäßes entsteht, weil Glasur und Scherben unterschiedlich stark schrumpfen. In Europa ist die Erscheinung als Craquelé bekannt, und sie ist kein Schaden: Die Risse durchziehen allein die Glasurschicht. Viele Traditionen suchen sie ausdrücklich – bei Hagi-Keramik gilt das Rissnetz als prägendes Merkmal, ebenso bei Seladonglasuren. Ist der Scherben porös, zieht Tee mit den Jahren in die Risse ein und färbt sie nach, sodass sich das Muster durch Gebrauch vertieft. Vom Kannyū zu unterscheiden ist ein echter Sprung, der durch Glasur und Scherben hindurchgeht.

Auch: Kannyu, Craquelé, Rissnetz, Haarrisse, Glasurrisse

Kanō-Schule 狩野派

Die Kanō-Schule (狩野派) war die einflussreichste japanische Malschule der frühen Neuzeit, über Generationen hinweg von einer einzigen Künstlerfamilie geleitet und offizielle Malschule des Shogunats. Ihr Stil verband chinesische Tuschmaltechniken mit kräftigen Farben und goldenem Hintergrund und prägte vor allem großformatige Wand-, Schiebetür- und Stellschirmmalerei. Als Begründer gilt traditionell Kanō Masanobu (1434–1530); von der Muromachi- bis in die Edo-Zeit (1603–1868) bestimmte die Familie den offiziellen Geschmack, und noch Maler der Meiji-Zeit wie Hashimoto Gahō kamen aus ihrer Ausbildung. Anders als die Rinpa-Richtung war die Kanō-Schule eine geschlossene Familien- und Werkstatttradition mit fester Lehrfolge.

Auch: Kano-Schule, Kanō-ha, Kano-ha, Kanō-Malschule

Kanzake 燗酒

Kanzake (燗酒) ist erwärmt servierter japanischer Sake. Erwärmt wird er nicht direkt auf der Flamme, sondern indem die gefüllte Flasche Tokkuri in ein heißes Wasserbad gestellt wird; üblich sind etwa 40 bis 50 Grad. Für die einzelnen Stufen kennt die japanische Trinkkultur eigene Namen: Hinatakan bezeichnet rund 30 Grad, Hitohadakan die Körpertemperatur, Nurukan etwa 40, Jōkan etwa 45, Atsukan etwa 50 Grad, und alles darüber heißt Tobikirikan. Kräftige, reisbetonte Sorten gewinnen erwärmt an Umami, während fruchtige, aromatische Premiumsorten meist gekühlt getrunken werden.

Auch: Kan-zake, erwärmter Sake, warmer Sake, Atsukan

Karatsu-yaki 唐津焼

Karatsu-yaki ist eine japanische Steinzeugkeramik aus der Region um Karatsu in der Präfektur Saga im Norden Kyūshūs, die im späten 16. Jahrhundert unter starkem Einfluss koreanischer Töpfertechnik entstand. Gearbeitet wird mit grobem, eisenhaltigem Ton und bewusst sparsamer Glasur, sodass der körnige Scherben – besonders am unglasierten Fußring – sichtbar bleibt; typisch sind erdige Braun-, Grau- und Weißtöne. Bekannte Spielarten sind das mit Eisenoxid bemalte E-Garatsu und das Chōsen-Garatsu, bei dem eine dunkle Eisen- und eine weiße Strohascheglasur ineinanderlaufen. In der überlieferten Rangfolge der Teeschalen steht Karatsu nach Raku und Hagi; vom nahen Arita trennt es der Werkstoff.

Auch: Karatsu-Yaki, Karatsu-Keramik, E-Garatsu, Chōsen-Garatsu, Karatsu

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Kasama-yaki 笠間焼

Kasama-yaki ist eine japanische Steinzeug-Keramik aus der Stadt Kasama in der Präfektur Ibaraki und gilt als ältester Keramikort der Kantō-Region. Sie entstand in der Ära An'ei (1772–1781), als der Dorfvorsteher Kuno Han'emon mit Anleitung eines Töpfers aus Shigaraki einen Ofen errichtete. Verarbeitet wird ein eisenhaltiger, sehr plastischer Ton aus verwittertem Granit, der ohne Glasur rotbraun bis dunkel ausbrennt. Bis in die Nachkriegszeit entstanden vor allem Vorratsgefäße für den Großraum Edo; danach öffnete sich der Ort für freie Studiokeramik, weshalb Kasama-yaki keinen verbindlichen Stilkanon kennt. Das benachbarte Mashiko wurde 1853 von einem in Kasama ausgebildeten Töpfer begründet.

Auch: Kasama-Yaki, Kasama-Keramik, Kasama-Ware, Kasama

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Kensui 建水

Ein Kensui (建水) ist das Abwassergefäß der japanischen Teezeremonie, in das der Gastgeber jenes Wasser gießt, mit dem er die Teeschale vorgewärmt und den Teebesen gespült hat. Gefertigt wird es meist aus Keramik, daneben aus Kupfer oder Messing, mit weit ausgestellter Mündung, damit sich der Chawan sauber darüber entleeren lässt. Es gilt als das rangniedrigste Gerät der Zusammenkunft und steht deshalb nah zur Linken des Gastgebers, außerhalb des Blickfelds der Gäste – anders als das Frischwassergefäß Mizusashi, das sichtbar aufgestellt und mitbetrachtet wird. Eine ältere Bezeichnung lautet Mizukoboshi.

Auch: Abwassergefäß, Mizukoboshi, Koboshi, Abwasserbehälter

Kenzan 剣山

Ein Kenzan (剣山, wörtlich „Schwertberg“) ist der Nadelhalter des Ikebana: eine schwere Platte, meist aus Blei, aus der dicht an dicht kurze Metallspitzen ragen und in die Zweige und Stiele gesteckt werden. Er liegt im flachen Gefäß, dem Suiban, unter der Wasseroberfläche und hält das Material in jedem gewünschten Winkel; erst dadurch wird der Moribana-Stil möglich. Allgemein heißt ein solches Hilfsmittel Hanadome, Blumenhalter; gebräuchlich wurde der Kenzan gegen Ende der Meiji- und zu Beginn der Taishō-Zeit, wobei die Erfindung mehreren Personen zugeschrieben wird und als ungeklärt gilt. Nicht zu verwechseln ist er mit Ogata Kenzan, dem Kyotoer Töpfer und Maler.

Auch: Kenzan-Nadelhalter, Nadelhalter, Steckigel, Hanadome

Keshiki 景色

Keshiki, wörtlich „Landschaft“ oder „Szenerie“, ist der japanische Begriff für alles, was sich im Brand auf der Oberfläche eines Gefäßes ereignet hat: der Lauf der geschmolzenen Glasur, der Anflug der Asche, Brandzonen, das Rissnetz, Flecken und Verfärbungen. Betrachtet wird das nicht als Fehlerliste, sondern wie ein Landschaftsbild, mit Vordergrund, Horizont und Wetter. In der Teezeremonie geht das so weit, dass die ausdrucksstärkste Stelle des Keshiki bestimmt, welche Seite als Shōmen, als Vorderseite gilt – genau diese dreht der Gastgeber seinem Gast zu. Ein Gefäß hat damit eine Schauseite, die niemand entworfen hat.

Auch: Landschaft, Szenerie, Oberflächenlandschaft, Brennlandschaft

Ki-Seto 黄瀬戸

Ki-Seto, „gelbes Seto“, ist einer der vier großen Keramikstile der Region Mino im heutigen Gifu und zeichnet sich durch eine zarte, meist dünn aufgetragene gelbe Glasur aus. Traditionell diente Ki-Seto vor allem elegantem Geschirr der Kaiseki-Küche. Wie Shino, Oribe und Setoguro entstand der Stil während der Momoyama-Zeit im Umfeld der Teezeremonie, obwohl sein Name auf das benachbarte Seto verweist – eine Zuordnung, die lange üblich war, bevor die Ausgrabungen des 20. Jahrhunderts die Momoyama-Öfen in Mino nachwiesen. Von Shino trennt Ki-Seto der dünne, gelbliche Glasurauftrag gegenüber dessen dicker, milchig-weißer Feldspatglasur.

Auch: Kiseto, Ki-Seto-yaki, Gelbes Seto, Ki Seto, Kizeto-yaki

Kinrande 金襴手

Kinrande, die „Goldbrokat-Art“, ist ein Porzellandekor aus Unterglasurblau, roter Aufglasurmalerei und Gold, benannt nach den mit Goldfäden durchwirkten Seidenstoffen, denen er nachempfunden ist. Er entsteht in zwei Bränden: Zuerst wird der Scherben mit kobalthaltigem Gosu bemalt, glasiert und bei rund 1.300 Grad gebrannt, dann kommen Eisenrot und Gold auf die fertige Glasur und werden kühler eingebrannt. Fassbar wird der Stil in Arita gegen Ende des 17. Jahrhunderts, in Anlehnung an ältere chinesische Goldbrokat-Porzellane der Ming-Zeit. In Europa ist er als Imari-Dekor bekannt – die dichte, flächendeckende Bemalung entstand vor allem für den Exportmarkt.

Auch: Kinran-de, Goldbrokat-Dekor, Golddekor, Imari-Dekor, Kinrande-Porzellan

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Kintsugi 金継ぎ

Kintsugi, wörtlich „Goldverbindung“, ist die japanische Technik, Bruchstellen an Keramik mit Urushi-Lack zu kitten und die Naht anschließend mit Gold-, Silber- oder Zinnpulver zu bestäuben. Die Reparatur wird also nicht versteckt, sondern hervorgehoben: Die Bruchlinie bleibt als feiner Zug sichtbar und gehört fortan zur Geschichte des Stücks. Traditionell ausgeführt dauert das Wochen, weil jede Lackschicht in feuchter Wärme aushärten muss; die im Handel verbreiteten Sets mit Kunstharz sind eine Abkürzung und für Trinkgefäße nicht ohne Weiteres geeignet. In der Wabi-Sabi-Ästhetik gilt eine solche Naht nicht als Makel, sondern als Beleg dafür, dass ein Objekt gelebt hat.

Auch: Kintsukuroi, Goldverbindung, Goldreparatur, Kintsugi-Reparatur, Goldkitt

Kiri

Kiri (桐) ist das Holz des Blauglockenbaums, im Deutschen meist Paulownie genannt – das klassische Material für Aufbewahrungskisten japanischer Kunstobjekte. Es ist außergewöhnlich leicht und zugleich formstabil, leitet Wärme schlecht und puffert Schwankungen der Luftfeuchtigkeit ab, weshalb in Japan seit jeher auch Kimono, Dokumente und Musikinstrumente darin lagern. In Japan war es früher üblich, bei der Geburt eines Mädchens einen Paulownienbaum zu pflanzen und ihn zur Hochzeit zu einem Möbelstück für die Aussteuer zu verarbeiten. Der Begriff meint das Material, nicht den Behälter: Die Kiste aus diesem Holz heißt Kiribako.

Auch: Paulownie, Paulownia, Paulownia-Holz, Kiri-Holz, Blauglockenbaum

Kiribako 桐箱

Eine Kiribako (桐箱) ist eine Aufbewahrungsbox aus Kiri, dem Holz des Blauglockenbaums (Paulownia), wie sie in Japan für Keramik, Rollbilder, Kimono und Dokumente verwendet wird. Kiri ist ausgesprochen leicht und formstabil, puffert Feuchtigkeitsschwankungen ab und enthält Inhaltsstoffe, die Insekten fernhalten – daher seine lange Tradition als Lagerholz. Der Begriff benennt zunächst nur das Material: Eine Kiribako ist eine schlichte Kiste aus Paulownienholz. Trägt sie dagegen die kalligrafische Bezeichnung und das Siegel des Künstlers, spricht man von einer Tomobako (共箱). In der Praxis werden beide Begriffe häufig synonym verwendet.

Auch: Paulownia-Box, Kiri-Box, Paulownienkiste, Box aus Paulownienholz

Kirikodai 切高台

Kirikodai (切高台) nennt man die kleine, meist keilförmige Kerbe, die in den Fußring einer japanischen Teeschale geschnitten ist. Am engsten ist sie mit der Hagi-Keramik verbunden, wo sehr viele Chawan sie tragen. Über ihren Ursprung gibt es mehrere Erklärungen; am verbreitetsten ist die, dass Hagi-Ware in der Edo-Zeit dem Lehnshaus Mōri vorbehalten war und die Töpfer Stücke durch eine bewusst angebrachte „Beschädigung“ am Fuß für den freien Verkauf freigaben. Vom Kirikodai zu unterscheiden ist das Warikodai, der durch mehrere Schnitte geteilte Fußring. Heute ist die Kerbe ein gestalterisches Detail, in dem sich die Handschrift des Töpfers zeigt.

Auch: Kiri-kodai, Kirikōdai, gekerbter Fußring, Kerbe im Fußring

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Kiyomizu-yaki 清水焼

Kiyomizu-yaki ist die Keramik aus den Öfen an den Hängen unterhalb des Kyotoer Tempels Kiyomizu-dera und damit streng genommen eine Teilmenge des Kyō-yaki, der Keramik der gesamten Stadt. Ursprünglich bezeichnete der Name allein die Ware aus dem Gebiet um den Gojōzaka, die steile Gasse zum Tempel hinauf. Weil die übrigen Kyotoer Brennlagen im Lauf der Zeit eingingen, blieb dieser eine Name übrig und wird heute meist gleichbedeutend mit Kyō-yaki verwendet; staatlich anerkannt ist das Handwerk seit 1977 unter dem Doppelnamen Kyō-yaki · Kiyomizu-yaki. Seit den 1960er-Jahren arbeiten viele Werkstätten im Bezirk Yamashina, der bis heute Kiyomizu-yaki-Danchi heißt.

Auch: Kiyomizu-Yaki, Kiyomizu Keramik, Kiyomizu-Ware, Kiyomizu

Ko-Imari 古伊万里

Ko-Imari, „altes Imari“, bezeichnet das historische Porzellan der Edo-Zeit aus dem Hizen-Raum um Arita, im engeren Sinn die Exportware des 17. und 18. Jahrhunderts, die über den Hafen Imari verschifft wurde. Der Begriff ist eine Sammler- und Datierungskategorie, keine Herkunfts- oder Werkstattangabe: Die Öfen signierten ihre Exportware in aller Regel nicht, weshalb große, geschlossene Bestände wie die Shibata-Sammlung des Kyūshū-Keramikmuseums für die Einordnung entscheidend sind. Auf dem europäischen Markt wird Ko-Imari oft großzügiger gebraucht als in der japanischen Fachliteratur und meint dort meist nur ein Stück im alten Exportdekor.

Auch: Koimari, Altes Imari, Ko-Imari-Porzellan, Ko-Imari-Ware

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Ko-Kutani 古九谷

Ko-Kutani, „altes Kutani“, bezeichnet die farbig aufglasurbemalten Porzellane der Mitte des 17. Jahrhunderts, die überliefert dem ersten Ofen im Dorf Kutani zugeschrieben werden. Kennzeichnend ist eine kräftige, oft flächendeckende Malerei mit Landschaften, Vögeln und Pflanzen im Fünf-Farben-Stil Gosai-de sowie die Variante Aote, die auf Rot verzichtet und die Fläche vollständig zudeckt. Nach etwa fünfzig Jahren erlosch dieser Ofen aus bis heute nicht abschließend geklärten Gründen; erst im frühen 19. Jahrhundert setzte mit dem Saiko-Kutani die Wiederbelebung ein. Die Zuschreibung selbst ist umstritten: Grabungsbefunde sprechen dafür, dass ein erheblicher Teil dieser Stücke in Arita entstand.

Auch: Kokutani, Altes Kutani, Ko-Kutani-Stil, Ko-Kutani-Porzellan

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Kōan 公案

Ein Kōan ist eine paradoxe Übungsaufgabe des Zen-Buddhismus – eine Frage, ein Ausspruch oder eine kurze Begebenheit, die der Lehrer dem Schüler stellt und die sich mit logischem Denken nicht auflösen lässt. Der Ausdruck stammt aus der chinesischen Amtssprache und meinte ursprünglich das Aktenstück einer Behörde, also einen verbindlichen Präzedenzfall. Überliefert sind die Kōan in Sammlungen wie dem Mumonkan des Mönchs Mumon Ekai (1183–1260), dessen erster Fall das berühmte „Mu“ des Meisters Jōshū ist; traditionell spricht man von rund 1700 Fällen. Mit Kōan arbeitet vor allem die Rinzai-Schule, während die Sōtō-Schule die ziellose Sitzmeditation Shikantaza in den Mittelpunkt stellt.

Auch: Koan, Zen-Kōan, Zen-Rätsel, Kōan-Übung

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Kobori Enshū 小堀遠州

Kobori Enshū (小堀遠州, 1579–1647) war ein japanischer Daimyō, Baumeister und Teemeister der frühen Edo-Zeit und ein Schüler Furuta Oribes. Sein Teeideal wird oft als kirei-sabi beschrieben, eine klarere, elegantere Auffassung als die strenge Schlichtheit Sen no Rikyūs. Überliefert ist, dass er auf die Produktion im Töpferdorf Tachikui Einfluss nahm; die dort entstandenen Chaire, Mizusashi und Chawan wurden als Enshū-Tamba bekannt und standen bei den Teeleuten der Zeit hoch im Kurs. Wie eng dieser Kontakt tatsächlich war, lässt sich heute nicht mehr im Einzelnen nachweisen – die Zuschreibung gehört zur Überlieferung.

Auch: Enshū, Kobori Enshu, Enshu, Kobori Masakazu

Kobushi-yaki こぶ志焼

Kobushi-yaki ist eine japanische Keramik aus Iwamizawa auf Hokkaidō, die Yamaoka Sanshū dort 1946 begründete; sie gilt als der älteste noch arbeitende Ofen der Insel und wird inzwischen in dritter Generation geführt. Der Name geht auf die Kobushi-Magnolie zurück, die zur Zeit des ersten Brandes blühte. Die Werkstatt bereitet Ton und Glasuren selbst und stellt vor allem Gebrauchsgeschirr her; als Erkennungszeichen gilt die blau-weiß verlaufende Namako-Glasur, daneben stehen grüne, eisenbraune, zinnoberrote und weiße Glasuren. Anders als die alten Öfen Honshūs steht Kobushi-yaki für eine erst im 20. Jahrhundert entstandene Keramiklandschaft.

Auch: Kobushi-Yaki, Kobushi-Keramik, Kobu-shi-yaki, Kobushi

Kochi-yaki 交趾焼

Kochi-yaki, genauer Kōchi-yaki, bezeichnet niedrig gebrannte, bunt bleiglasierte Keramik, wie sie im späten Südchina der Ming-Zeit entstand und über den Handel nach Japan gelangte. Der Name verweist auf Kōchi, den alten chinesischen Namen für das nördliche Vietnam, über dessen Route die Ware kam. Kennzeichnend sind kräftige, fein gecrackelte Farbglasuren in Türkisgrün, Gelb, Violett und Blau, die durch aufgelegte Stege, Ritzlinien oder Reliefs voneinander getrennt werden. Im Teeweg zählen die kleinen Kōchi-Weihrauchdosen zu den höchstgeschätzten Stücken. Seit der Edo-Zeit wird der Stil in Japan nachgeahmt, vor allem im Kyō-yaki durch die Familie Eiraku sowie in Kutani.

Auch: Kōchi-yaki, Kochi-Yaki, Kōchi-Keramik, Kochi-Keramik

Kōdai 高台

Der Kōdai ist der Fußring auf der Unterseite einer japanischen Schale, jener schmale Ring, auf dem sie steht. Er entsteht zuletzt: Ist der Ton lederhart, wird das Gefäß umgekehrt auf die Scheibe gesetzt und der überschüssige Ton mit dem Drehmesser, dem Kanna, herausgeschnitten. Meist bleibt er unglasiert, weil das Stück dort im Ofen steht – so liegt der Scherben offen und zeigt Tonfarbe, Körnung und Werkzeugspuren. Für Sammler ist er deshalb die aufschlussreichste Stelle am ganzen Gefäß, zumal Signaturen fast immer hier sitzen. In der Teekultur wird der Fuß eigens betrachtet; eine Tenmoku-Schale etwa erkennt man an ihrem auffallend kleinen Kōdai.

Auch: Kodai, Fußring, Standring, Fuß einer Teeschale

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Kōgō 香合

Ein Kōgō ist ein kleines japanisches Deckelgefäß, in dem Räucherwerk für die Teezeremonie aufbewahrt wird. Es misst meist nur wenige Zentimeter und entsteht aus Keramik, Holz oder Urushi-Lack, häufig mit sorgfältig gearbeitetem Dekor. Nach verbreiteter Konvention gehören lackierte Kōgō zum Gebrauch mit duftendem Räucherholz, keramische zu weichem, geknetetem Räucherwerk. Im Verlauf einer Teezusammenkunft wird das Gefäß den Gästen zur Betrachtung gereicht, weshalb es trotz seiner geringen Größe als eigenes Sammelgebiet gilt. Vom Kōgō zu unterscheiden ist das Kōro, das Räuchergefäß, in dem das Räucherwerk verglüht – das Kōgō bewahrt es lediglich auf.

Auch: Kogo, Räucherdose, Weihrauchdose, Räucherwerkbehälter

Kohiki 粉引

Kohiki ist eine Dekortechnik, bei der ein dunkler, eisenhaltiger Scherben vollständig mit einem weißen Schlicker überzogen und anschließend transparent glasiert wird. Der Name bedeutet sinngemäß „mit Puder bestäubt“ und beschreibt die matte, leicht wolkige weiße Oberfläche, durch die der dunkle Ton an Kanten und Fußring hindurchschimmert. Die Technik geht auf koreanische Vorbilder zurück und wurde in Japan vor allem in den Öfen von Karatsu aufgegriffen. Mit der Zeit nimmt der poröse Überzug Tee auf und verfärbt sich fleckig – was als gewollter Reiz gilt.

Auch: Kohiki-Technik, Weißschlicker, Ko-hiki, Kohiki-Glasur

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Koicha 濃茶

Koicha (濃茶, dicker Tee) ist die feierliche Zubereitung von Matcha: die mehrfache Menge Pulver auf wenig Wasser, mit dem Chasen langsam durchgeknetet statt geschlagen, sirupartig und ohne Schaumdecke. Traditionell wird eine einzige Schale in der Runde weitergereicht, was Koicha zum ernstesten Teil einer Teezusammenkunft macht. Bevorzugt wird dafür eine etwas tiefere Schale mit glatter, gut deckender Innenglasur, damit der zähe Tee sich sammeln lässt und nicht in einer rauen Oberfläche hängen bleibt; das Pulver kommt klassisch aus einem keramischen Chaire. Die alltägliche Gegenform ist der dünne, geschäumte Usucha.

Auch: dicker Matcha, dicker Tee, Koi-cha, Usucha

Koishiwara-yaki 小石原焼

Koishiwara-yaki ist eine japanische Gebrauchskeramik aus dem Dorf Tōhō im Landkreis Asakura der Präfektur Fukuoka. Als Beginn gilt das Jahr 1662, als Fürst Kuroda Mitsuyuki Töpfer aus Imari holte; im weiteren Verlauf prägte der Austausch mit dem benachbarten Takatori-Ofen die Ware. Charakteristisch sind gleichmäßige geometrische Muster, die auf der laufenden Scheibe entstehen, unter ihnen Tobi-kanna, Hakeme sowie Kamm- und Fingerzug, meist in weißem Schlicker auf rotem Ton. 1954 lobten Yanagi Sōetsu und Bernard Leach die Werkstätten; 1975 wurde Koishiwara als erste Keramik Japans zum traditionellen Kunsthandwerk erklärt. Onta ist der Tochterofen dieser Tradition.

Auch: Koishiwarayaki, Koishiwara-Keramik, Nakano-yaki, Koishiwara

Kurinuki 刳り貫き

Kurinuki ist eine Formgebungstechnik, bei der ein Gefäß aus einem massiven Tonblock herausgeschnitten und ausgehöhlt wird, statt es auf der Scheibe zu drehen oder aus Wülsten aufzubauen. Der Töpfer arbeitet mit Schlaufe und Spatel von innen nach außen, wodurch die Wandstärke bewusst ungleichmäßig bleibt und die Werkzeugspuren sichtbar sind. Erkennbar ist die Technik meist an kantigen, leicht unregelmäßigen Formen und am Fehlen konzentrischer Drehrillen. Beliebt ist sie besonders bei Guinomi und Teeschalen, wo eine kräftige, skulpturale Wirkung gesucht wird.

Auch: Kurinuki-Technik, Aushöhltechnik, Kuri-nuki

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Kuro-Raku 黒楽

Kuro-Raku, das „schwarze Raku“, ist der tiefschwarze Grundtyp der Raku-Teeschale und geht auf den Töpfer Chōjirō im 16. Jahrhundert zurück. Die Glasur wird traditionell aus eisenreichem Gestein des Kamo-Flusses in Kyōto gewonnen; sie schmilzt bei höherer Temperatur als die Aka-Raku-Glasur, meist um 1.000 Grad und darüber. Sobald sie geschmolzen ist, wird die Schale glühend aus dem Ofen gezogen und an der Luft schockartig abgekühlt – so erstarrt das Eisen zu sattem Schwarz. Gegenüber dem wärmeren Aka-Raku wirkt Kuro-Raku streng und lässt das Grün des Matcha besonders leuchten.

Auch: Kuroraku, Kuro Raku, Schwarzes Raku, Kuro-Raku-Chawan

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Kutani Gosai 九谷五彩

Kutani Gosai, die „fünf Farben von Kutani“, ist die klassische Palette der Aufglasurmalerei auf Kutani-Porzellan aus der Präfektur Ishikawa: Grün, Gelb, Purpur, Blau und Rot. Die Farben werden als dickflüssige, glasartige Schmelzfarben auf die fertig gebrannte Glasur gesetzt und in einem zweiten, deutlich kühleren Brand eingebrannt; deshalb liegen sie erhaben auf und gewinnen im Licht ihre Tiefe. Auf diese Palette geht der Name des Fünf-Farben-Stils zurück, für den Kutani bekannt ist. Von ihm zu unterscheiden ist Aote, bei dem das Rot fortgelassen und die Fläche mit den übrigen Farben vollständig zugedeckt wird.

Auch: Kutani-Gosai, Gosai, Kutani-Fünf-Farben-Stil, Fünf Farben von Kutani

Kutani-yaki 九谷焼

Kutani-yaki ist japanisches Porzellan aus der Präfektur Ishikawa, benannt nach dem Dorf Kutani, wo Mitte des 17. Jahrhunderts der Töpfer Gotō Saijirō den ersten Ofen gründete. Sein Erkennungszeichen ist die kräftige, oft flächendeckende Aufglasurmalerei im Gosai-de-Stil mit Grün, Gelb, Purpur, Blau und Rot. Nach etwa fünfzig Jahren stellte der ursprüngliche Ofen den Betrieb ein – die Gründe sind bis heute nicht abschließend geklärt; die Stücke jener Phase heißen Ko-Kutani. Erst im frühen 19. Jahrhundert lebte die Tradition als Saiko-Kutani wieder auf. Anders als Arita und Imari, die auf Kobaltblau, Rot und Gold setzen, arbeitet Kutani mit breiterer Palette und starkem Grün- und Purpuranteil.

Auch: Kutaniyaki, Kutani-Keramik, Gosai-de

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Kyō-yaki 京焼

Kyō-yaki, wörtlich „in der Hauptstadt Gebranntes“, ist der Sammelbegriff für alle Keramik und Porzellanware, die in Kyoto entsteht. Anders als Bizen oder Hagi bezeichnet der Begriff keinen Ofenstil, sondern einen Herstellungsort: Zu ihm zählen historisch die Ofenbezirke Awataguchi, Omuro, Yasaka, Mizoro und Kiyomizu. Da Kyoto keine nennenswerten eigenen Tonlager besitzt, liegt der Schwerpunkt seit jeher auf Verarbeitung und Dekor – auf sauber gedrehten Wandungen, exakt geschnittenen Fußringen und aufgemalter Farbe. Prägend wurden im 17. Jahrhundert Nonomura Ninsei und sein Schüler Ogata Kenzan. Kiyomizu-yaki ist streng genommen eine Teilmenge des Kyō-yaki.

Auch: Kyo-yaki, Kyoyaki, Kyoto-Porzellan, Kyō-yaki · Kiyomizu-yaki, Kyoto-yaki

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M

Ma

Ma ist der japanische Begriff für den gestalteten Zwischenraum – den Abstand zwischen zwei Dingen, die Pause zwischen zwei Tönen, die freie Fläche, die einem Gegenstand erst seine Wirkung gibt. Das Schriftzeichen bezeichnet räumliche und zeitliche Zwischenräume gleichermaßen, weshalb der Begriff in Architektur, Musik, Theater und Malerei verwendet wird. In der Tuschmalerei ist der unbemalte Grund kein Rest, sondern Teil der Komposition; im Tokonoma trägt die leere Fläche das Rollbild. Ma meint deshalb nicht einfach Leere, sondern bewusst freigehaltenen Raum: Was allein steht, wird betrachtet, was in einer Ansammlung steht, wird gezählt.

Auch: Zwischenraum, Ma-Raum, Leerraum, gestalteter Zwischenraum

Maki-e 蒔絵

Maki-e (蒔絵, wörtlich Streubild) ist die japanische Lacktechnik, bei der ein Motiv mit feuchtem Urushi gemalt und anschließend Gold- oder Silberpulver darauf gestreut wird, das im aushärtenden Lack haften bleibt. Je nach Verfahren wird die Fläche danach überlackiert und wieder blank poliert, sodass das Metall in der Tiefe des Lacks zu schweben scheint. Typische Träger sind Teedosen wie der Natsume, Schreibkästen und Schalen. Von Raden unterscheidet sich Maki-e im Material: Dort wird Perlmutt in Stücken eingelegt, hier trägt gestreutes Metallpulver das Bild. Beide Techniken erscheinen häufig auf demselben Objekt.

Auch: Makie, Maki-e Lack, Streugold, Goldlack, Streubild

Makuri まくり

Ein Makuri (まくり) ist ein unmontiertes Blatt japanischer Malerei oder Kalligrafie: das fertige Werk, aber ohne Einfassung, ohne Stäbe und ohne Aufhängeschnur. In Japan war das lange der übliche Zustand, in dem eine Arbeit das Atelier verließ – montiert wurde später und je nachdem, wozu das Blatt dienen sollte. Ein Makuri ist deutlich günstiger als ein fertiges Rollbild, braucht kaum Platz und lässt sich beim Fachbetrieb jederzeit zum Kakemono aufziehen. Gelagert wird es flach und trocken, am besten zwischen säurefreiem Papier. Anders als Shikishi oder Tanzaku ist ein Makuri kein eigenes Format, sondern ein Montierungszustand.

Auch: unmontiertes Blatt, Makuri-Blatt, unmontierte Malerei, Rollbild ohne Montierung

Mashiko-yaki 益子焼

Mashiko-yaki ist eine japanische Steingut-Keramik aus der Stadt Mashiko in der Präfektur Tochigi, die 1853 auf den im benachbarten Kasama ausgebildeten Töpfer Ōtsuka Keizaburō zurückgeht. Der örtliche Ton ist sandig, kiesel- und eisenhaltig und lässt sich kaum dünn ausziehen; Mashiko-Ware fällt deshalb dickwandig und schwer aus. Charakteristisch sind kräftige Glasuren aus regionalen Rohstoffen: die rotbraune Kaki-Glasur, das milchige Nuka aus Reisspelzenasche und das toffeebraune Ame. Anders als das stilistisch offene Kasama hat Mashiko eine klare Prägung erhalten – ab 1924 machte der Töpfer Hamada Shōji den Ort zum Zentrum der Mingei-Bewegung.

Auch: Mashiko-Yaki, Mashiko-Keramik, Mashiko-Ware, Mashiko

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Masu

Ein Masu ist ein quadratisches Holzgefäß, das in Japan jahrhundertelang als amtliches Hohlmaß für Reis diente und traditionell aus Hinoki-Zypresse gefertigt wird. Das gängige Format fasst ein Gō, also rund 180 Milliliter – dieselbe Menge, die auch als Bemessungsgrundlage für Sake gilt. Bei festlichen Anlässen wird Sake bis heute aus dem Masu getrunken, wobei das Holz einen deutlichen Eigengeruch beisteuert. Vom Guinomi unterscheidet es sich damit grundlegend: Das Masu ist ein Maß, keine Trinkschale, und kommt ohne Töpferhand aus.

Auch: Sakebox, Holzmaß, Sake-Masu, Masu-Box

Matcha 抹茶

Matcha (抹茶) ist fein gemahlener japanischer Grüntee, der nicht aufgegossen und abgeseiht, sondern als Pulver vollständig mit dem Wasser getrunken wird. Die Teesträucher werden vor der Ernte einige Wochen beschattet, was den Blättern ihr kräftiges Grün und einen milden, umamibetonten Geschmack gibt; anschließend werden sie gedämpft, getrocknet und traditionell auf Steinmühlen zu Pulver vermahlen. Zubereitet wird Matcha in der Teeschale mit dem Bambusbesen, in der dünnen Alltagsform Usucha oder der dickflüssigen, feierlichen Form Koicha. Weil das Pulver leicht klumpt, lohnt sich vor dem Aufschlagen ein feines Sieb.

Auch: Matcha-Tee, Matchapulver, Grünteepulver, Maccha

Meiji-Zeit 明治時代

Die Meiji-Zeit (1868–1912) ist die Epoche, in der Kaiser Mutsuhito nach dem Ende des Tokugawa-Shogunats die tatsächliche Regierungsgewalt zurückerlangte und Japan sich binnen weniger Jahrzehnte nach westlichem Vorbild modernisierte. Für die Kunst war das ein Umbruch mit zwei Gesichtern: Die Konfrontation mit der westlichen Ölmalerei (Yōga) führte zur bewussten Abgrenzung der einheimischen Maltradition als Nihonga, und japanische Exporte lösten in Europa den Japonismus aus, von dem Keramikzentren wie Arita und Kutani stark profitierten. Zugleich verloren viele lokale Töpferöfen mit der Feudalherrschaft ihre Förderung. Die Meiji-Zeit folgt auf die Edo-Zeit und endet 1912 mit dem Beginn der Taishō-Zeit.

Auch: Meiji-Periode, Meiji, Meiji Ära

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Mikawachi-yaki 三川内焼

Mikawachi-yaki ist ein japanisches Porzellan aus dem Stadtteil Mikawachi von Sasebo in der Präfektur Nagasaki. Es geht auf koreanische Töpfer zurück, die der Fürst von Hirado nach den Korea-Feldzügen um 1598 ansiedelte; ab 1637 arbeitete der Ofen als Lehnsmanufaktur des Hauses Matsura. Kennzeichnend sind ein besonders reines Weißporzellan, sehr feine Unterglasurmalerei in Kobaltblau sowie Durchbrucharbeit, Reliefauflagen und dünnwandige Stücke. Das bekannteste Motiv ist Karako-e, spielende chinesische Knaben; die Zahl der dargestellten Kinder unterschied früher Hofgeschenke von Ware für den freien Verkauf. Mikawachi-yaki und Hirado-yaki bezeichnen dieselbe Tradition.

Auch: Mikawachi-Yaki, Mikawachi-Porzellan, Mikawachi-Keramik, Mikawachi

Mingei 民藝

Mingei ist der 1925 vom Philosophen Yanagi Sōetsu gemeinsam mit den Töpfern Hamada Shōji und Kawai Kanjirō geprägte Begriff für das japanische Volkshandwerk, eine Kurzform von minshūteki kōgei. Dahinter steht die These, dass die schönsten Dinge nicht die Prunkstücke berühmter Künstler seien, sondern die namenlos hergestellten Gebrauchsgegenstände einfacher Handwerker; Yanagi fasste das in den Begriff yō no bi, die „Schönheit des Gebrauchs“. Die Bewegung verstand sich als Antwort auf die rasche Industrialisierung Japans und wertete Ofenorte wie Mashiko, Tamba und Tobe grundlegend neu auf. 1936 eröffnete in Tokio das Nihon Mingeikan, das Japanische Volkskunstmuseum.

Auch: Mingei-Bewegung, Volkshandwerk, japanische Volkskunstbewegung, Mingei

Mino-yaki 美濃焼

Mino-yaki ist der Sammelbegriff für Keramik aus der historischen Provinz Mino im heutigen südlichen Gifu, insbesondere aus den Städten Toki, Tajimi, Mizunami und Kani. Der Begriff bezeichnet keinen einzelnen Stil, sondern über fünfzehn als traditionelles Kunsthandwerk anerkannte Untertypen. Die vier bekanntesten – das weiße Shino, das grüne Oribe, das gelbe Ki-Seto und das schwarze Setoguro – entstanden während der Momoyama-Zeit im Umfeld der Teezeremonie und des Teemeisters Furuta Oribe. Anders als das benachbarte Seto, aus dem die Begründer dieser Stile stammten, ist Mino heute mit geschätzt 50 bis 60 Prozent die mengenmäßig größte Keramikregion Japans.

Auch: Minoyaki, Mino Keramik, Mino-Keramiken, Mino-yaki Gifu

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Mishima 三島

Mishima ist eine Einlegetechnik, bei der Muster in den lederharten Ton gestempelt oder geritzt und die Vertiefungen anschließend mit andersfarbigem Schlicker gefüllt werden; nach dem Abschaben bleibt eine bündige, meist weiße Zeichnung im dunklen Scherben zurück. Typisch sind dicht gesetzte Blüten-, Punkt- und Bandmuster. Die Technik stammt aus Korea und wurde in Japan von mehreren Öfen übernommen. Ihr Name geht der Überlieferung nach auf die Ähnlichkeit der Musterzeilen mit dem gedruckten Kalender des Mishima-Schreins zurück.

Auch: Mishima-Technik, Zōgan, Einlegetechnik, Mishima-Dekor

Mizusashi 水指

Ein Mizusashi (水指) ist das Frischwassergefäß der japanischen Teezeremonie – ein meist deckelverschlossener Behälter aus Keramik, aus dem der Gastgeber mit der Bambuskelle kaltes Wasser in den Kessel nachfüllt und die Geräte spült. Es steht während der gesamten Zubereitung sichtbar im Raum und zählt deshalb zu den Stücken, die mitbetrachtet werden; entsprechend sorgfältig wird es zum übrigen Gerät ausgewählt. Mizusashi entstehen in vielen Öfen, etwa in Tamba, Ōhi oder Shigaraki. Nicht zu verwechseln ist das Frischwassergefäß mit dem Kensui, dem Abwassergefäß, in das gebrauchtes Wasser gegossen wird.

Auch: Frischwassergefäß, Wassergefäß, Frischwasserbehälter, Mizusashi Teezeremonie

Momiji 紅葉

Momiji bezeichnet das rot verfärbte Herbstlaub des japanischen Ahorns und ist das Leitmotiv der Herbstbilder in der japanischen Malerei. Der Reiz des Motivs liegt in der Farbabstufung: Ein einzelner Zweig zeigt gleichzeitig grüne, gelbe und tiefrote Blätter. Besonders häufig wird Momiji mit fließendem Wasser kombiniert – rote Blätter auf dunkler Strömung sind ein Bildgedanke, der seit Jahrhunderten wiederholt wird. Das Betrachten der Herbstfärbung hat als Momijigari einen ähnlichen Rang wie die Kirschblütenschau im Frühjahr. Anders als Kranich oder Kiefer ist Momiji kein Glückssymbol für festliche Anlässe, sondern ein Jahreszeitenmotiv, das man nur für wenige Wochen aufhängt.

Auch: Ahorn, Herbstlaub, Momijigari, japanischer Ahorn

Mono no aware 物の哀れ

Mono no aware ist ein Begriff der japanischen Ästhetik, der die stille Rührung bezeichnet, die das Bewusstsein der Vergänglichkeit aller Dinge auslöst. Wörtlich etwa das Pathos der Dinge, wurde er im 18. Jahrhundert vom Gelehrten Motoori Norinaga geprägt, der ihn aus der höfischen Literatur der Heian-Zeit herleitete, insbesondere aus dem Genji Monogatari. Das klassische Bild dafür ist die fallende Kirschblüte: schön gerade deshalb, weil sie nicht bleibt. Anders als Wabi-Sabi, das eine Haltung gegenüber Material und Form beschreibt, meint Mono no aware ein Gefühl des Betrachters – die Wehmut angesichts des Schönen, das vergeht.

Auch: Mono-no-aware, Mononoaware, Mono no Aware, Pathos der Dinge

Moribana 盛花

Moribana (盛花, „aufgehäufte Blumen“) ist ein Ikebana-Stil, bei dem das Pflanzenmaterial in einem flachen, weiten Gefäß, dem Suiban, angeordnet und mit einem Nadelhalter, dem Kenzan, fixiert wird. Der Name beschreibt die Wirkung: Zweige und Blüten wirken in die Fläche gehäuft, das Arrangement breitet sich landschaftsartig aus und wird auch von oben gelesen. Entwickelt wurde die Form in der Meiji-Zeit von Ohara Unshin, der die neu eingeführten westlichen Gartenblumen in weiten Schalen unterbrachte; sie gilt als Beginn des modernen Ikebana. Vom Nageire unterscheidet sich Moribana durch Gefäß und Halterung: dort die hohe Vase ohne Kenzan, hier die flache Schale mit ihm.

Auch: Mori-bana, Moribana-Stil, aufgehäufte Blumen, Schalensteckform

Mosha 模写

Mosha (模写) ist die getreue Nachbildung eines vorhandenen Bildes oder einer Kalligrafie. Über Jahrhunderte war sie in Japan der Kern der Malerausbildung: Wer malen lernte, kopierte zuerst jahrelang, bevor er etwas Eigenes entwarf. Daneben dient Mosha bis heute der Bewahrung – von fragilen Wandmalereien und Rollbildern werden Kopien angefertigt, damit das Original geschont werden kann. Eine besondere Form ist das Genjō-Mosha (現状模写), das den gegenwärtigen Zustand samt Fehlstellen und abgeblätterter Farbe mitkopiert, während andere Kopien den ursprünglichen Zustand rekonstruieren. Beim Rinmo (臨模) liegt die Vorlage während der Arbeit daneben. Vom Utsushi unterscheidet sich Mosha durch die Absicht: Hier geht es um Genauigkeit, dort um Aneignung.

Auch: Mo-sha, getreue Kopie, Nachbildung, Genjō-Mosha, Rinmo

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Mujō 無常

Mujō ist der buddhistische Begriff für die Vergänglichkeit: die Einsicht, dass alles Zusammengesetzte entsteht, sich verändert und wieder vergeht und nichts von Dauer ist. In der Formel Shogyō mujō zählt der Gedanke zu den Grundlehren des Buddhismus; in die japanische Literatur trug ihn der berühmte Anfang des Heike Monogatari. Für die Kunst ist Mujō die Voraussetzung der Wabi-Sabi-Ästhetik: Gebrauchsspuren, verwitterte Oberflächen und die kurze Blüte einer Jahreszeit gelten dort nicht als Mangel. Anders als Mono no aware, das die Rührung des Betrachters bezeichnet, benennt Mujō den Sachverhalt selbst.

Auch: Mujo, Vergänglichkeit, Shogyō mujō, Unbeständigkeit

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Muromachi-Zeit 室町時代

Die Muromachi-Zeit (1333–1573) ist die Epoche, in der das Ashikaga-Shogunat von Kyoto aus regierte; ihren Namen trägt sie nach dem dortigen Stadtviertel Muromachi. Für die japanische Kunst ist sie eine der folgenreichsten Perioden überhaupt: In ihr entstehen das Nō-Theater, die Tuschmalerei nach chinesischem Vorbild, der Shoin-Wohnstil mit dem Tokonoma und die Anfänge der Teezeremonie im Sinne des Wabi. Sie folgt auf die Kamakura-Zeit und geht in die Azuchi-Momoyama-Zeit über, in der die Teekeramik ihre erste große Blüte erlebt.

Auch: Muromachi-Periode, Ashikaga-Zeit, Muromachi Zeit

Mushiboshi 虫干し

Mushiboshi (虫干し) ist das regelmäßige Lüften von Rollbildern, Büchern und Textilien, das in japanischen Tempeln und Sammlungen seit Jahrhunderten zum Jahresablauf gehört. An trockenen, klaren Tagen – traditionell im Herbst – werden die Stücke aus ihren Kästen geholt, im Schatten aufgehängt und einige Stunden gelüftet. Der Gedanke dahinter ist einfach: Feuchtigkeit, die sich im geschlossenen Behältnis gesammelt hat, entweicht, und Insekten finden keine ungestörte Umgebung mehr vor. Für eine Privatsammlung genügt es, jedes Rollbild ein- bis zweimal im Jahr für einige Stunden aufzuhängen, an einem trockenen Tag, ohne direkte Sonne und ohne Zug.

Auch: Mushi-boshi, Rollbilder lüften, Lüften der Sammlung, Mushiboshi-Lüftung

Mushin 無心

Mushin, wörtlich „Nicht-Geist“, bezeichnet im Zen-Buddhismus einen Zustand des Handelns ohne anhaftendes Denken: Der Geist bleibt an keinem Gedanken und keiner Absicht hängen und kann deshalb frei auf den Augenblick antworten. Ausführlich beschrieben hat ihn der Zen-Mönch Takuan Sōhō in der Schrift Fudōchi Shinmyōroku, die er dem Schwertmeister Yagyū Munenori widmete; von dort wirkte der Begriff in die Kampf- und Kunstwege hinein. In Kalligrafie und Tuschmalerei meint Mushin den Pinselzug, der weder überlegt noch korrigiert wird – das Enso gilt als sein bekanntestes Zeugnis. Anders als Satori ist Mushin keine einmalige Erfahrung, sondern eine Haltung im Tun.

Auch: Mushin no shin, Nicht-Geist, Nichtanhaften, Mu-shin

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N

Nabeshima-yaki 鍋島焼

Nabeshima-yaki ist japanisches Porzellan, das das Fürstenhaus Nabeshima des Lehens Saga vom späten 17. Jahrhundert bis zur Meiji-Zeit in einer eigenen Lehnsmanufaktur herstellen ließ – nicht für den Verkauf, sondern als Geschenk an das Shōgunat und an andere Fürstenhäuser. Die Öfen standen in Ōkawachiyama, einem von Bergen umschlossenen Talkessel im heutigen Imari, was die Geheimhaltung der Techniken erleichterte. Erkennbar ist die Ware an standardisierten Tellergrößen, einem hohen Fußring mit exakt gezeichnetem Kammzahnmuster und rein japanischen Motiven. Neben dem farbig bemalten Iro-Nabeshima stehen Unterglasurblau und Seladon. Anders als das für den Handel bestimmte Arita- und Imari-Porzellan entstand Nabeshima ohne Rücksicht auf Kosten.

Auch: Nabeshima-Yaki, Nabeshima-Porzellan, Nabeshima-Keramik, Nabeshima

Nageire 投入

Nageire (投入, „hineingeworfen“) ist der Ikebana-Stil, bei dem die Zweige in ein hohes Gefäß gestellt werden – eine Vase, einen Krug, ein Bambusrohr – und sich allein am Gefäßrand und aneinander abstützen; ein Nadelhalter kommt nicht zum Einsatz, allenfalls ein eingeklemmtes Hölzchen. Der Name spielt auf den scheinbar beiläufigen Griff an, mit dem die Blumen ins Gefäß gegeben werden: Ungezwungen wirken soll das Ergebnis, nicht die Arbeit an Neigung und Halt. Die Form entwickelte sich zwischen Muromachi- und Edo-Zeit neben dem aufwendigen Rikka und steht der schlichten Teeblume Chabana nahe. Ihr Gegenstück ist das Moribana in der flachen Schale.

Auch: Nage-ire, Nageirebana, Nageire-Stil, geworfene Form

Natsume

Ein Natsume (棗) ist die japanische Teedose aus Holz mit Lacküberzug, in der das Matcha-Pulver für dünnen Tee aufbewahrt wird. Der Name stammt von der Jujube, der japanischen Brustbeere, deren Frucht die gedrungene Form mit dem flach gewölbten Deckel ähnelt. Klassisch ist schlichtes Schwarz, häufig sind aber auch Dekore in Maki-e, der Streubild-Technik mit Gold- und Silberpulver. Für dicken Tee wird traditionell kein Natsume verwendet, sondern ein Chaire, die kleinere Teedose aus Keramik mit Elfenbeindeckel. Als kleines Lackobjekt steht ein Natsume auch außerhalb der Teezeremonie gut in einer Nische.

Auch: Teedose, Matcha-Dose, japanische Teedose, Natsume Teedose, Lack-Teedose

Netsuke 根付

Ein Netsuke ist ein kleiner geschnitzter Gegenstand, der in der japanischen Kleidung als Gegenhalt diente: Weil der Kimono keine Taschen hat, wurden Beutel, Tabakdosen oder Inrō an einer Schnur getragen, die über den Gürtel Obi geführt und mit dem Netsuke am oberen Ende gegen das Durchrutschen gesichert wurde. Es misst meist drei bis vier Zentimeter, besteht traditionell aus Buchsbaum, Ebenholz oder Elfenbein und hat immer Löcher für die Schnur, das Himotoshi. Weil es in der Hand gedreht wird, ist es von allen Seiten durchgearbeitet. Anders als das rein dekorative Okimono ist das Netsuke ein Gebrauchsgegenstand; mit der westlichen Kleidung verlor es seine Funktion.

Auch: Ne-tsuke, Gürtelknebel, Netsuke-Schnitzerei, Netsuke-Figur

Nezumi-Shino 鼠志野

Nezumi-Shino, „Maus-Shino“, ist der graue Untertyp der Shino-Keramik aus der Region Mino. Der geformte Scherben wird zunächst flächig mit einem eisenreichen Engobe, dem Oniita, überzogen; in diese Schicht kratzt der Töpfer sein Muster, sodass der helle Ton wieder freiliegt. Darüber kommt die typische weiße Feldspatglasur. Im Brand färbt sich der verbliebene Engobe mausgrau bis rötlich-braun, während die ausgekratzten Linien hell stehen bleiben – die Zeichnung erscheint also hell auf dunklem Grund. Genau umgekehrt verhält es sich beim E-Shino, wo das Motiv direkt mit Eisenfarbe aufgemalt wird.

Auch: Nezumishino, Nezumi Shino, Maus-Shino, Graues Shino

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Nihonga 日本画

Nihonga (日本画, „japanisches Bild“) ist der Sammelbegriff für die klassische japanische Malerei, ausgeführt mit natürlichen Pigmenten, feinen Pinseln und traditionellen Bildträgern wie Papier, Seide oder Holz. Geprägt wurde der Begriff erst in der Meiji-Zeit, um die einheimische Maltradition von der zeitgleich aus dem Westen importierten Ölmalerei (Yōga) abzugrenzen. Nihonga umfasst deshalb sehr unterschiedliche Stile und Schulen – von der monochromen Tuschmalerei Sumi-e über das höfische Yamato-e bis zu Kanō- und Rinpa-Malerei. Es ist also keine Technik und kein Stil, sondern eine rückblickend gebildete Sammelbezeichnung für die japanische Malerei als Ganzes.

Auch: Nihon-ga, Japanische Malerei, Nihonga-Malerei, Klassische japanische Malerei

Ningen Kokuhō 人間国宝

Ningen Kokuhō, wörtlich „Lebender Nationalschatz“, ist die gebräuchliche Bezeichnung für Personen, die in Japan als Träger eines wichtigen immateriellen Kulturguts anerkannt sind. Die Auszeichnung geht auf das Kulturgüterschutzgesetz von 1950 zurück und wird seit 1955 vergeben; der amtliche Titel ist deutlich sperriger als der populäre. Anerkannt wird nicht ein einzelnes Werk, sondern die Beherrschung einer Technik – einer Glasur, eines Brandes, einer Dekorweise – verbunden mit der Aufgabe, sie weiterzugeben. Unter Keramikern trifft man den Titel häufig bei jenen, die verloren geglaubte Verfahren rekonstruiert haben, etwa Arakawa Toyōzō für Shino 1955 oder Kaneshige Tōyō für Bizen 1956.

Auch: Lebender Nationalschatz, Ningen Kokuho, Lebendes Nationalgut, Nationalschatz Japan

Noborigama 登り窯

Ein Noborigama ist ein an einen Hang gebauter Kammerofen, in dem mehrere Brennkammern treppenartig hintereinander aufsteigen. Die Abwärme jeder Kammer heizt die nächste vor, was Brenndauer und Holzverbrauch senkt und deutlich gleichmäßigere Temperaturen erlaubt als der einkammrige Anagama. Die Bauform koreanischer Herkunft verbreitete sich in Japan um die Wende zum 17. Jahrhundert und machte glasierte Ware in größerer Menge überhaupt erst möglich; in Tamba etwa wird ihre Einführung um 1611 angesetzt. Gleichmäßiger heißt dabei nicht gleich: Jede Kammer und jeder Standplatz darin brennt anders, weshalb die Ergebnisse von Stück zu Stück verschieden ausfallen.

Auch: Nobori-gama, Kammerofen, Steigofen, Hangofen, Kletterofen

O

Obori-Sōma-yaki 大堀相馬焼

Obori-Sōma-yaki ist eine japanische Keramiktradition aus dem Ortsteil Ōbori von Namie in der Präfektur Fukushima, deren Gründung auf 1690 datiert wird und die unter dem Schutz des Sōma-Lehens stand. Sie trägt drei Erkennungszeichen: ein aufgemaltes laufendes Pferd nach dem Wappen des Hauses Sōma, ein bewusst erzeugtes blaues Rissnetz in der Glasur und die doppelwandige Bauweise, bei der ein Becher aus zwei ineinander gesetzten Schalen besteht und außen kühl bleibt. Nach dem Reaktorunglück von 2011 musste der gesamte Ort geräumt werden; ein Teil der Werkstätten arbeitet seither an anderen Orten in Fukushima weiter.

Auch: Obori-Soma-yaki, Ōbori-Sōma-yaki, Sōma-yaki, Obori-Soma-Keramik

Ochoko お猪口

Ein Ochoko (お猪口) ist der kleine, klassische japanische Sakebecher, wie man ihn aus Sake-Sets kennt – niedrig, leicht konisch und für wenige Schlucke gedacht. Gefüllt wird er aus dem Tokkuri, der bauchigen Sakeflasche, wobei es als höflich gilt, dem Gegenüber einzuschenken und sich selbst einschenken zu lassen. Vom Guinomi unterscheidet ihn vor allem die Größe: Das Guinomi ist die etwas größere, tiefere Schale, die Töpfern und Sammlern als kleine künstlerische Fläche dient. Das flache, weit geöffnete Sakazuki wiederum gehört zu zeremoniellen Anlässen. Ochoko werden häufig als Satz mit passendem Tokkuri angeboten.

Auch: Sakebecher, O-choko, Choko, kleiner Sakebecher, Sake Becher

Ohi-yaki 大樋焼

Ohi-yaki ist eine japanische Teekeramik aus Kanazawa in der Präfektur Ishikawa, die 1666 entstand, als der Töpfer Chōzaemon den Teemeister Senso Sōshitsu von Kyoto an den Hof des Kaga-Fürsten Maeda Tsunanori begleitete. Technisch ist sie ein Zweig der Raku-Tradition: Die Gefäße werden ohne Töpferscheibe von Hand aufgebaut, mit Spateln überarbeitet und einzeln bei niedriger Temperatur gebrannt. Ihr Erkennungszeichen ist die bernsteinfarbene, eisenhaltige Ame-Glasur, die von hellem Honigton bis ins tiefe Rotbraun reicht. Genau darin liegt der Unterschied zum Kyotoer Raku-yaki, das mit Schwarz und gedecktem Rot arbeitet; hinzu kommt eine gedrungenere, schwerere Formensprache.

Auch: Ōhi-yaki, Ohi-Keramik, Ohi-Ware, Ohi-Chawan

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Okimono 置物

Ein Okimono ist ein freistehendes Zierobjekt ohne Gebrauchsfunktion, das in Japan traditionell in der Bildnische Tokonoma, auf einem Regal oder auf einem Hausaltar aufgestellt wird; der Name bedeutet wörtlich „hingestelltes Ding“. Ausgeführt sind Okimono in Holz, Elfenbein, Keramik, Bronze oder Cloisonné, die Motive reichen von Tieren und Fabelwesen über Gottheiten bis zu Alltagsszenen. In der Meiji-Zeit entstanden zahlreiche, oft sehr aufwendig gearbeitete Okimono für den westlichen Markt, viele davon von Schnitzern, die zuvor Netsuke gefertigt hatten. Vom Netsuke unterscheidet sich das Okimono grundlegend: Es hat keine Schnurlöcher und wird nicht getragen, sondern betrachtet.

Auch: Oki-mono, Zierfigur, Stellfigur, Ziergegenstand

Onta-yaki 小鹿田焼

Onta-yaki ist eine japanische Töpferware aus dem Weiler Sarayama bei Hita in der Präfektur Ōita, die 1705 entstand, als Töpfer aus dem nahen Koishiwara dorthin geholt wurden. Bis heute arbeiten dort nur wenige Familien, die den Ton mit wasserbetriebenen Stampfwerken, Karausu genannt, aufbereiten und ihre Stücke nicht signieren. Kennzeichnend sind rhythmische Muster in weißem Überzug auf rötlichem Scherben: gehackte Kerben (Tobi-kanna), Pinselzüge (Hakeme) und aufgegossene Glasurbahnen. Yanagi Sōetsu pries den Ort 1931 als vorbildliches Volkshandwerk, Bernard Leach arbeitete 1954 dort. 1995 wurde die Technik als wichtiges immaterielles Kulturgut anerkannt.

Auch: Ontayaki, Onta-Keramik, Ontagawa-yaki, Onta

Oribe-yaki 織部焼

Oribe-yaki ist eine japanische Steinzeugkeramik aus der Region Mino im heutigen Gifu, die vor allem zwischen etwa 1600 und den 1630er-Jahren entstand. Ihr Erkennungszeichen ist eine kupferhaltige, tiefgrüne Glasur, die nicht flächig aufgetragen, sondern partienweise über das Gefäß gegossen wird und in Bahnen abläuft; daneben stehen helle Zonen mit geometrischer Unterglasurmalerei in Eisenoxid und bewusst verzogene, asymmetrische Formen. Benannt ist der Stil nach dem Teemeister Furuta Oribe (1544–1615), dessen Geschmack ihn prägte. Damit ist Oribe der auffälligste der vier Mino-Stile und der Gegenentwurf zur Zurückhaltung des Shino. Nach Oribes erzwungenem Suizid 1615 verlor er rasch an Bedeutung.

Auch: Oribe-Yaki, Oribe-Keramik, Ao-Oribe, Oribe

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Otani-yaki 大谷焼

Otani-yaki ist eine japanische Steinzeugkeramik aus dem Stadtteil Ōasa von Naruto in der Präfektur Tokushima auf Shikoku, deren Anfänge auf 1780 datiert werden. Ihren Aufschwung verdankt sie dem Indigoanbau der Region: Für die Gärbottiche der Färber wurden mannshohe Krüge gebrannt. Solche Großgefäße entstehen in der ungewöhnlichen Technik des Ne-rokuro, bei der ein Töpfer liegend die Scheibe mit den Füßen dreht, während ein zweiter formt. Der eisenreiche Ton ergibt eine raue Oberfläche mit metallischem Schimmer. Der Kammerofen des Ortes gilt als einer der größten Japans.

Auch: Ōtani-yaki, Otani-Keramik, Otani yaki, Otani

R

Raden 螺鈿

Raden (螺鈿) ist die japanische Technik der Perlmutteinlage: Dünn geschliffene Plättchen aus Muschel- oder Schneckenschale werden zugeschnitten, in den Lackgrund eingelegt oder in eine Vertiefung eingesetzt, überlackiert und wieder freigeschliffen. Das Ergebnis schillert je nach Lichteinfall in Blau, Grün und Rosa und hebt sich als kühler Glanz vom tiefen Schwarz des Urushi ab. Verziert werden damit Kästchen, Schalen, Teedosen und Möbel. Anders als Maki-e, wo gestreutes Gold- oder Silberpulver das Motiv bildet, arbeitet Raden mit festen, eingelegten Materialstücken; beide Techniken werden oft auf einem Objekt kombiniert.

Auch: Perlmutteinlage, Perlmutt-Einlage, Raden-Technik, Perlmutt

Rakkan 落款

Ein Rakkan ist die Beglaubigung eines japanischen Bildes oder einer Kalligrafie aus handschriftlicher Signatur und rotem Siegelabdruck, meist am Rand der Komposition gesetzt. Der Begriff meint streng genommen beide Teile zusammen; im Kunsthandel steht er häufig auch für den Siegelabdruck allein. Gedruckt wird mit Shuniku, zinnoberroter Siegelpaste, und das Siegel trägt meist den Künstlernamen in der archaischen Siegelschrift Tensho. Zu unterscheiden ist das Rakkan vom Hanko, dem Stempel als Gegenstand, und vom Kakihan, einem mit dem Pinsel geschriebenen Monogramm ohne Stempel. Für den Betrachter ist das Rakkan nie nur Beleg, sondern ein bewusst gesetzter roter Akzent im Bildaufbau.

Auch: Namenssiegel, Signatur und Siegel, Rakkan-in, Siegelabdruck, Rotes Siegel

Raku-yaki 楽焼

Raku-yaki ist eine japanische Keramiktradition, die im 16. Jahrhundert aus der Zusammenarbeit des Töpfers Chōjirō mit dem Teemeister Sen no Rikyū hervorging und vor allem Chawan für die Teezeremonie hervorbringt. Die Schalen werden ohne Töpferscheibe von Hand geformt, bei vergleichsweise niedriger Temperatur gebrannt und rasch abgekühlt; dabei entstehen die charakteristischen feinen Risse und nie reproduzierbaren Glasurverläufe. Verbreitete Grundtypen sind das schwarze Kuro-Raku und das rote Aka-Raku. Der Name geht auf eine Ehrung durch Toyotomi Hideyoshi zurück; die Raku-Familie führt die Tradition in Kyōto bis heute fort. In der überlieferten Rangfolge der Teeschalen steht Raku vor Hagi und Karatsu.

Auch: Raku-Yaki, Raku-Keramik, Aka-Raku, Raku

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Reisho 隷書

Reisho (隷書) ist die Kanzleischrift, der zweitälteste der fünf klassischen Schriftstile der ostasiatischen Kalligrafie. Sie entstand im China der Qin-Zeit als vereinfachte, rascher schreibbare Form der Siegelschrift Tensho und wurde unter der Han-Dynastie zur amtlichen Schrift für Urkunden und Steininschriften. Kennzeichnend sind breit gelagerte, eher flache Zeichen und der schwungvoll auslaufende waagerechte Abschlussstrich, japanisch Hataku genannt. Aus Reisho gingen die jüngeren Stile hervor: die Regelschrift Kaisho, die Halbkursive Gyōsho und die Grasschrift Sōsho. In Japan ist Reisho bis heute dort zu sehen, wo Schrift Würde ausstrahlen soll – auf Banknoten, Zeitungsköpfen, Namensschildern und Siegeln.

Auch: Reisho-tai, Kanzleischrift, Clerical Script, Kanzleistil

Reiwa-Zeit 令和時代

Die Reiwa-Zeit ist die seit 2019 laufende japanische Ära, die mit dem Thronwechsel zu Kaiser Naruhito begann und auf die Heisei-Zeit folgt. Da japanische Kunstobjekte üblicherweise nach Ären datiert werden, bezeichnet die Angabe schlicht ein zeitgenössisch entstandenes Stück. Für Keramik heißt das in der Regel: von einem heute arbeitenden Töpfer gefertigt, häufig mit signierter Holzbox und dokumentierter Werkstatt. Anders als bei älteren Ären steht hinter der Datierung also kein Stilbegriff, sondern nur der Hinweis auf die Gegenwart.

Auch: Reiwa, Reiwa-Ära, Reiwa-Periode

Rinpa 琳派

Rinpa (琳派) bezeichnet eine dekorative Richtung der japanischen Malerei, die stark stilisierte Naturmotive – Gräser, Blüten, Wellen, Vögel – häufig auf Goldgrund ins Bild setzt. Der Name geht auf den Maler Ogata Kōrin zurück, „ha“ bedeutet Schule. Anders als die Kanō-Schule wurde Rinpa nicht als Familienbetrieb weitergegeben, sondern durch das Studium der Vorbilder: Sakai Hōitsu (1761–1829) etwa war nie Schüler Kōrins, erschloss dessen Werk im Selbststudium und begründete den Edo-Rinpa. Die flächige, ornamentale Bildsprache mit ihren klaren Silhouetten beeinflusste im 19. Jahrhundert auch die europäische Kunst des Jugendstils.

Auch: Rimpa, Rinpa-Schule, Rimpa-Schule, Kōrin-Schule

Rokkoyō 六古窯

Rokkoyō, die „Sechs Alten Öfen“, ist die Sammelbezeichnung für sechs japanische Keramikzentren, die seit dem Mittelalter durchgehend produzieren: Seto, Tokoname, Shigaraki, Bizen, Echizen und Tamba. Alle sechs brannten zunächst grobes, ungeglasiertes Steinzeug für den täglichen Bedarf – Vorratskrüge, Reibschalen, Gefäße für Wasser und Getreide – und galten erst viel später als Kunsthandwerk; Seto ist insofern die Ausnahme, als dort früh glasierte Ware entstand. Der Begriff selbst ist jünger als die Sache: Geprägt wurde er um 1948 vom Keramikhistoriker Koyama Fujio. 2017 wurden die Sechs Alten Öfen gemeinsam als Japanisches Kulturerbe ausgewiesen.

Auch: Rokkoyo, Sechs Alte Öfen, Six Ancient Kilns, Sechs alte Brennöfen

Rokuro 轆轤

Rokuro ist die japanische Töpferscheibe und zugleich die Bezeichnung für die Arbeit an ihr. Verbreitet sind die mit dem Fuß angetretene Keri-rokuro, die von Hand in Schwung gebrachte Te-rokuro und heute die elektrische Scheibe. Wer auf der Scheibe arbeitet, zieht die Wand mit den Fingern nach oben; dabei entstehen die feinen, spiralig ansteigenden Drehrillen, an denen sich gedrehte Ware erkennen lässt. In fast ganz Japan läuft die Scheibe im Uhrzeigersinn – das Töpferdorf Tachikui in Tamba ist eine der wenigen Ausnahmen. Vom Rokuro zu unterscheiden ist Tebineri, das Aufbauen von Hand ganz ohne Scheibe.

Auch: Töpferscheibe, Keri-rokuro, Drehscheibe, Kerokuro, Rokuro-Technik

Ryū

Ryū ist der japanische Drache: ein flügelloses, schlangenartiges Wesen, das über Wasser, Regen und Himmel herrscht und in der Mythologie meist als wohlwollender Beschützer gilt. Seine Ikonografie entstand aus einer Verschmelzung chinesischer, indischer und einheimischer Shintō-Vorstellungen. Von seinen chinesischen Verwandten unterscheidet er sich traditionell durch die Zahl der Zehen: drei statt vier oder fünf. Anders als der westliche Drache speit er kein Feuer und braucht keine Flügel; für das geflügelte, feuerspeiende Wesen europäischer Prägung hat sich im modernen Japanisch das Lehnwort Doragon eingebürgert. In Kakemono steht der Drache für Macht, Weisheit und Schutz vor bösen Geistern.

Auch: Drache, Tatsu, japanischer Drache, Ryu

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S

Sakazuki

Ein Sakazuki (盃) ist die flache, weit geöffnete japanische Sakeschale, die traditionell vor allem bei zeremoniellen Anlässen verwendet wird – etwa beim San-san-kudo, dem rituellen Austausch von Sakeschalen bei einer Shintō-Hochzeit, sowie bei Neujahrs- und Festtagen. Gefertigt wird sie aus Keramik oder aus lackiertem Holz, oft rot lackiert und mit Gold dekoriert. Von den Alltagsgefäßen unterscheidet sie vor allem die Form: Wo Ochoko und Guinomi becherartig und tief sind, ist das Sakazuki breit und niedrig, sodass die Flüssigkeit als Spiegel sichtbar bleibt. Für den täglichen Sakegenuss ist es die unpraktischste, für den festlichen die passende Form.

Auch: flache Sakeschale, zeremonielle Sakeschale, Sakazuki-Schale

Sakoku 鎖国

Sakoku (鎖国, „Landesabschließung“) ist die Politik des Tokugawa-Shogunats, die Japan während der Edo-Zeit weitgehend von der Außenwelt abschottete. Ab 1624 wurden Handel und Reiseverkehr drastisch eingeschränkt: Japanern war das Verlassen des Landes untersagt, das Christentum verboten, und Nagasaki blieb nahezu einziger Handelshafen, in dem niederländische und chinesische Schiffe anlegen durften. Das Wort selbst ist jünger als die Sache – es entstand erst 1801, als der Übersetzer Shizuki Tadao einen Text Engelbert Kaempfers ins Japanische übertrug. Beendet wurde die Abschließung mit der erzwungenen Öffnung Japans ab 1853; gerade in dieser Isolation formten sich viele Traditionen des japanischen Kunsthandwerks.

Auch: Landesabschließung, Abschließungspolitik, Sakoku-Politik, Isolationspolitik

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Sanadahimo 真田紐

Sanadahimo ist ein schmales, flach gewebtes japanisches Band, mit dem vor allem Holzkisten wie die Tomobako oder Kiribako verschlossen werden. Anders als eine runde Flechtkordel entsteht es auf dem Webstuhl aus Kette und Schuss und ist dadurch dicht, sehr zugfest und kaum dehnbar – ursprünglich wurde es deshalb für Schwertgehänge, Rüstungsteile und das Verzurren von Lasten verwendet. Gewebt wird es meist aus Baumwolle oder Seide, oft in feinen Streifen- oder Karomustern, die je nach Teeschule, Werkstatt oder Familie unterschiedlich ausfallen und so als Erkennungszeichen dienen. Der Name wird traditionell mit dem Kriegerhaus Sanada verbunden; diese Herleitung gilt als Legende.

Auch: Sanada-Himo, Sanada-Band, Sanadahimo-Kordel, Webband

Sangiri 桟切

Sangiri ist einer der klassischen Brenneffekte der unglasierten Bizen-Keramik: graue, blaugraue bis fast schwarze Zonen, die dort entstehen, wo ein Gefäß im Ofen von Asche und glimmender Holzkohle bedeckt wird. Unter dieser Decke fehlt Sauerstoff, das Eisen im Scherben wird reduziert und schlägt vom sonst üblichen Rotbraun in kühle Grautöne um; die Übergänge verlaufen weich und wolkig. Ergibt sich die Bedeckung von selbst aus der Lage im Ofen, spricht man von natürlichem Sangiri; wird gegen Ende des Brands gezielt Holzkohle angehäuft, von künstlichem. Anders als Goma und Bidoro beruht Sangiri nicht auf geschmolzener Asche, sondern auf der Brennatmosphäre.

Auch: San-giri, Sangiri-Effekt, Sumi-Sangiri, Sangiri-Bizen

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Sansui 山水

Sansui (山水, wörtlich „Berg und Wasser“) ist die japanische Landschaftsmalerei – ein Wasserfall zwischen Felsen, ein Fischerdorf im Morgennebel, ein Kiefernhügel vor fernen Bergketten. Sie lebt von Tuschabstufungen und von viel leerem Grund, der als Nebel, Wasser oder Himmel gelesen wird, und erschließt sich ohne Vorwissen: Man betrachtet ein solches Bild wie ein Fenster und entdeckt bei jedem Hinsehen ein Detail mehr. Technisch gelten Landschaften als dankbar, weil unbemalter Grund altersbedingte Vergilbung besser verträgt als flächige Kolorierung. Anders als Zen-Kalligrafie legt sich ein Sansui auf keine bestimmte Symbolik fest.

Auch: Sansui-ga, Sansuiga, Japanische Landschaftsmalerei, Landschaftsmalerei, Landschaftsbild

Satori 悟り

Satori ist im Zen-Buddhismus die Erfahrung des plötzlichen Erwachens, ein Umschlagen der Wahrnehmung, in dem die gewohnte Trennung zwischen Betrachter und Welt für einen Moment aufgehoben erscheint. Sie gilt als nicht planbar und nicht in Worte fassbar; überliefert wird sie deshalb in Anekdoten und paradoxen Kōan statt in Lehrsätzen. Für die Kunst ist der Begriff wichtig, weil Zen-Kalligrafie und Tuschmalerei gerade nicht ein Ergebnis abbilden, sondern einen Geisteszustand im Moment des Pinselzugs – ein Enso ist dafür das bekannteste Beispiel.

Auch: Erwachen, Erleuchtung, Kenshō, Satori-Erfahrung

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Satsuma-yaki 薩摩焼

Satsuma-yaki ist eine japanische Steingut-Tradition aus der ehemaligen Provinz Satsuma im Süden der heutigen Präfektur Kagoshima, begründet von koreanischen Töpfern, die Ende des 16. Jahrhunderts nach Kyūshū kamen. Unterschieden werden zwei Linien: Shiro-Satsuma mit elfenbeinfarbenem Scherben, fein craquelierter Klarglasur und dichter Aufglasurmalerei mit Gold, ursprünglich dem Fürstenhaus Shimazu vorbehalten, sowie Kuro-Satsuma aus eisenreichem Ton mit dunkler Glasur als Alltagsgeschirr. Die wichtigste Abgrenzung: Satsuma ist kein Porzellan, sondern Steingut – der Scherben bleibt undurchsichtig, klingt dumpf und trägt fast immer das Craquelé. Ähnlich üppig bemaltes Porzellan stammt meist aus Kutani.

Auch: Satsumayaki, Satsuma-Steingut, Shiro Satsuma, Kuro Satsuma, Nishikide

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Seiza 正座

Seiza (正座, wörtlich „richtiges Sitzen“) ist die formelle japanische Sitzhaltung: kniend auf dem Boden, das Gesäß auf den Fersen, der Rücken aufrecht, die Hände im Schoß. Als verbindliche Form für förmliche Anlässe setzte sie sich in der Edo-Zeit im Umfeld der Krieger durch und wurde später allgemein üblich. Im Teeraum ist sie die Grundhaltung von Gastgeber und Gästen: Aus ihr heraus werden die Geräte geführt und wird das Rollbild im Tokonoma betrachtet, weshalb sich Blickhöhe und Proportionen des Raums an ihr ausrichten. Auch in der Kalligrafie und in den Kampfkünsten gilt Seiza als die klassische Haltung.

Auch: Sei-za, Fersensitz, formelle Sitzhaltung, japanischer Kniesitz

Seladon 青磁

Seladon bezeichnet eine durchscheinende, grünlich bis blaugrün schimmernde Glasur ostasiatischer Herkunft sowie die damit überzogene Keramik. Ihre Farbe stammt von einem geringen Eisenanteil in der Glasur, der im Reduktionsbrand – also unter gezieltem Sauerstoffentzug im Ofen – von Rotbraun nach Grün umschlägt; schon kleine Schwankungen der Ofenführung verändern den Ton. Entwickelt wurde sie in China, wo die Öfen von Longquan als Höhepunkt gelten; in Japan heißt sie Seiji. Häufig zeigt die Glasur ein feines Rissnetz, das Kannyū. Der europäische Name geht auf die Romanfigur Céladon aus Honoré d’Urfés „L’Astrée“ zurück, deren blassgrünes Gewand im frühen 17. Jahrhundert in Mode kam.

Auch: Celadon, Seiji, Seladonglasur, Seladon-Keramik

Sen no Rikyū 千利休

Sen no Rikyū (千利休, 1522–1591) war der einflussreichste Teemeister Japans und prägte die Ästhetik der Teezeremonie bis heute. Er trieb das Ideal des Wabi-Cha auf die Spitze: winzige Teeräume, ein Eingang so niedrig, dass jeder Gast sich bücken musste, schlichtes Gerät aus Holz und einfachem Ton statt kostbarer chinesischer Importware. Aus seiner Zusammenarbeit mit dem Töpfer Chōjirō ging die Raku-Keramik hervor, und seit er im Daitoku-ji verkehrte, stammen die Schriftrollen für das Tokonoma des Teeraums traditionell aus diesem Kloster. Rikyū starb 1591 durch erzwungenen Suizid; sein Schüler Furuta Oribe galt danach als führender Teemeister.

Auch: Rikyū, Rikyu, Sen no Rikyu, Sen Rikyū

Sencha 煎茶

Sencha ist der meistgetrunkene japanische Grüntee: gedämpfte, gerollte und getrocknete Blätter, die mit heißem Wasser aufgegossen und nicht wie Matcha als Pulver aufgeschlagen werden. Getrunken wird er aus dem Yunomi, dem höheren henkellosen Becher, nicht aus der weiten Teeschale. Neben der pulverbasierten Teezeremonie hat sich in Japan mit dem Senchadō eine eigene, weniger formalisierte Aufgusstradition entwickelt. Für das Verständnis japanischen Teegeschirrs ist die Unterscheidung zentral: Aufguss und Aufschlagen verlangen unterschiedliche Gefäße.

Auch: Blatttee, japanischer Grüntee, Sen-cha

Seto-yaki 瀬戸焼

Seto-yaki ist eine japanische Keramiktradition aus Seto und Owariasahi in der Präfektur Aichi und die Ausnahme unter den sechs alten Öfen Japans: Während die übrigen fünf unglasiertes Steinzeug brannten, war Seto über Jahrhunderte das einzige japanische Zentrum für glasierte Ware. Der Überlieferung nach geht die Tradition auf Katō Shirozaemon zurück, der im 13. Jahrhundert in China lernte; chinesisches Seladon und Tenmoku prägten die frühe Produktion. Statt eines einheitlichen Aussehens kennzeichnet Seto eine große Glasurvielfalt sowie der Sometsuke-Stil mit kobaltblauer Unterglasurmalerei. Nach Mino geflohene Seto-Töpfer begründeten dort später Shino, Oribe und Ki-Seto.

Auch: Seto-Keramik, Seto-Keramiken, Seto Keramik, Setomono Keramik

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Setoguro 瀬戸黒

Setoguro, „schwarzes Seto“, ist einer der vier großen Keramikstile der Region Mino im heutigen Gifu und steht für ein tiefes, samtiges Schwarz. Es entsteht durch ein besonderes Verfahren: Die Stücke werden noch glühend heiß aus dem Ofen gezogen und schockartig abgekühlt, wodurch die eisenhaltige Glasur schwarz erstarrt – daher auch der Name Hikidashi-guro, „herausgezogenes Schwarz“. Wie Shino, Oribe und Ki-Seto entstand Setoguro in der Momoyama-Zeit, obwohl der Name auf das benachbarte Seto verweist. Dieselbe Abschrecktechnik nutzen die Oribe-Varianten Kuro-Oribe und Oribe-guro; anders als beim handgeformten Raku-yaki wird hier auf der Töpferscheibe gearbeitet.

Auch: Seto-guro, Hikidashi-guro, Schwarzes Seto, Setoguro-Chawan

Shakyō 写経

Shakyō (写経, „Sutra-Kopieren“) ist das handschriftliche Abschreiben buddhistischer Sutren mit Pinsel und Tusche, in Japan seit Jahrhunderten als meditative Praxis verbreitet. Am häufigsten kopiert wird das Herzsutra (Hannya Shingyō), dessen 262 Schriftzeichen sich für die Übung besonders eignen. Im Zen gilt Shakyō nicht nur als Akt der Verehrung, sondern vor allem als Konzentrationsübung: Das achtsame Nachzeichnen jedes einzelnen Kanji richtet den Schreibenden auf den gegenwärtigen Moment aus, wobei schon das Anreiben der Tuschestange dazugehört. Eine fertige Abschrift kann im Tempel als Opfergabe dargebracht oder zu Hause aufbewahrt werden.

Auch: Shakyo, Sutra-Abschrift, Sutrenabschrift, Sutra-Kopieren

Shasei 写生

Shasei (写生) ist das Malen und Zeichnen nach direkter Beobachtung, also das Studium am lebenden Vogel und an der wirklichen Pflanze statt an der Werkstattvorlage. In Japan setzte Maruyama Ōkyo (1733–1795) diese Arbeitsweise im 18. Jahrhundert gegen die vorherrschende Ausbildung am Funpon durch; aus seinem Kreis ging die Maruyama-Shijō-Schule hervor, deren genaue Naturbeobachtung bis in die Meiji-Zeit nachwirkte. Dass Shasei damals als Neuerung galt, zeigt umgekehrt, wie selbstverständlich das Kopieren bis dahin der Normalfall war. Der Gegensatz ist allerdings keiner der Technik: Auch ein nach der Natur gearbeitetes Bild bleibt in Pinselführung und Bildaufbau der überlieferten Formensprache verpflichtet.

Auch: Sha-sei, Naturstudium, Zeichnen nach der Natur, Shasei-ga, Maruyama-Shijō

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Shibui 渋い

Shibui ist ein japanisches Geschmacksurteil, das eine zurückhaltende, unaufdringliche Schönheit bezeichnet: schlicht im ersten Eindruck und erst bei längerer Betrachtung als reich erkennbar. Das Wort bedeutet ursprünglich herb oder adstringierend, wie der Geschmack einer unreifen Kaki, und wurde in der Teekultur zum Lob für Objekte, die nicht um Aufmerksamkeit werben. In die internationale Gestaltersprache gelangte es über Yanagi Sōetsu und die japanische Volkskunstbewegung. Anders als Wabi-Sabi, das Spuren von Alter und Zufall betont, ist Shibui zunächst eine Wertung: Ein Stück kann neu und makellos sein und trotzdem shibui, solange es leise bleibt.

Auch: Shibusa, Shibumi, Shibui-Ästhetik

Shichifukujin 七福神

Die Shichifukujin sind eine Gruppe von sieben glücksbringenden Gottheiten der japanischen Volksreligion, die gemeinsam Glück, Wohlstand und ein erfülltes Leben verheißen: Ebisu, Daikokuten, Bishamonten, Benzaiten, Fukurokuju, Jurōjin und Hotei. Bemerkenswert ist ihre Herkunft aus drei Traditionen – nur Ebisu ist genuin japanisch-shintoistisch, drei Götter stammen aus dem indischen Raum, drei aus China. Als Gruppe wurden sie der Überlieferung nach erst gegen Ende der Muromachi-Zeit (1336–1573) in Kyōto zusammengefasst. Der bekanntesten Legende nach reisen sie zu Neujahr auf dem Schatzschiff Takarabune zu den Menschen; im Januar ist die Pilgerfahrt Shichifukujin-Meguri verbreitet.

Auch: Sieben Glücksgötter, Die sieben Glücksgötter, 7 Glücksgötter, Glücksgötter

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Shifuku 仕覆

Ein Shifuku (仕覆) ist ein genähter japanischer Stoffbeutel mit Zugkordel, traditionell aus Seidenbrokat, der ein Kunstobjekt in seiner Holzbox zusätzlich schützt. Verbreitet ist er vor allem bei besonders wertvollen Teegeräten wie Teedosen, gelegentlich schützt er auch Schalen oder andere Stücke. Seine Aufgabe ist eine weiche, zugleich luftdurchlässige Schicht zwischen Keramik und Holz; einfachere Objekte kommen stattdessen mit einem schlichten Baumwolltuch aus. Ein originaler Shifuku gehört wie die Box zum Objekt und wird gemeinsam mit ihm aufbewahrt, weil beides zur Ausstattung und zur Geschichte eines Stücks zählt.

Auch: Shi-fuku, Brokatbeutel, Stoffbeutel, Seidenbeutel

Shigaraki-yaki 信楽焼

Shigaraki-yaki ist eine unglasierte japanische Steinzeug-Keramik aus der Region um Kōka in der Präfektur Shiga und eines der sechs alten Töpferzentren Japans. Ihr feldspatreicher Ton stammt aus Sedimenten des Ur-Biwa-Sees und gibt der Oberfläche eine körnige, fast steinige Textur mit groben Quarzeinschlüssen. Wie Bizen wird sie glasurlos im Yakishime-Verfahren bei etwa 1.250 bis 1.300 Grad gebrannt, wobei natürliche Aschglasur, Feuerrot und perlenartige „Krabbenaugen“ entstehen. Von Bizen unterscheidet Shigaraki vor allem diese helle, sandige Körnung des Scherbens. Volkstümlich bekannt ist der Ort zudem für seine rundlichen Tanuki-Figuren, eine Tradition des 20. Jahrhunderts.

Auch: Shigaraki-Yaki, Shigaraki-Keramik, Shigaraki-Ware, Shigaraki

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Shikishi 色紙

Ein Shikishi (色紙) ist ein fester, meist nahezu quadratischer japanischer Malkarton von etwa 24 mal 27 Zentimetern, der traditionell für Kalligrafie, Kurzgedichte und Tuschmalerei verwendet wird. Charakteristisch ist der oft goldene oder silberne Rand, der dem fertigen Werk einen fast zeremoniellen Rahmen gibt. Trotz des wörtlichen Namens „farbiges Papier“ handelt es sich nicht um Bastelpapier, sondern um einen mehrschichtigen, formstabilen Bildträger, der ohne weitere Rahmung präsentierfähig ist. Gegenüber dem raumgreifenden Kakemono wirkt ein Shikishi deutlich intimer; vom schmalen Tanzaku unterscheidet es das kompakte Quadratformat, das geschlossene Kompositionen trägt statt einer einzelnen Gedichtzeile.

Auch: Malkarton, Shiki-shi, Kalligrafiekarton, Shikishi-Karton

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Shikki 漆器

Shikki ist die japanische Bezeichnung für Lackware, also für fertige Objekte, deren Träger in vielen dünnen Schichten mit Urushi überzogen ist – Schalen, Näpfe, Essstäbchen, Dosen, Schreibkästen und Möbel. Der Träger, japanisch Kiji, besteht meist aus gedrechseltem oder geschnitztem Holz, seltener aus Bambus, Papier, Leder oder Metall. Vom Urushi unterscheidet sich Shikki wie das Material vom Erzeugnis: Urushi ist der Lack selbst, Shikki das damit gefertigte Stück. Regionale Traditionen wie Wajima-nuri oder Aizu-nuri tragen eigene Namen. Im Englischen steht „japan“ für Lackware, so wie „china“ für Porzellan.

Auch: Lackware, Japanische Lackarbeit, Lackgeschirr, Shikki-Ware

Shin-hanga 新版画

Shin-hanga (新版画, „neuer Holzschnitt“) ist eine Erneuerungsbewegung des japanischen Farbholzschnitts im 20. Jahrhundert, die maßgeblich vom Verleger Watanabe Shōzaburō getragen wurde. Das Verfahren blieb das überlieferte: Entwurfszeichner, Holzschneider und Drucker arbeiteten arbeitsteilig, die Blätter erschienen in Auflage. Neu war die Bildsprache – Licht, Stimmung und Menschenbild des 20. Jahrhunderts, oft mit westlichen Einflüssen. Zu den bekanntesten Vertretern zählt Itō Shinsui (1898–1972), der zugleich als Nihonga-Maler arbeitete. Anders als das Ukiyo-e der Edo-Zeit ist Shin-hanga eine bewusste Wiederbelebung dieser Drucktradition; für die internationale Wahrnehmung japanischer Kunst waren diese Blätter wegen ihrer Verfügbarkeit besonders wirksam.

Auch: Shin Hanga, Shinhanga, Neuer japanischer Holzschnitt, Neuer Holzschnitt

Shino-yaki 志野焼

Shino-yaki ist eine japanische Steingut-Keramik aus der Region Mino im heutigen Gifu, die im späten 16. Jahrhundert entstand und als älteste weiß glasierte Keramik Japans gilt. Kennzeichnend ist eine dick aufgetragene, milchig-weiße Feldspatglasur mit feinen Poren und kleinen Kratern sowie rötlichen Feuerflecken; viele Stücke tragen zurückhaltende Motive in Eisenoxid unter der Glasur. Innerhalb der vier großen Mino-Stile ist Shino der stille weiße Gegenpol zum lauten grünen Oribe. Nach dem Niedergang in der Edo-Zeit rekonstruierte der Töpfer Arakawa Toyōzō (1894–1985) die Technik und wies nach, dass sie nicht aus Seto, sondern aus Mino stammt.

Auch: Shino-Yaki, Shino-Keramik, E-Shino, Shino

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Shizen-yū 自然釉

Shizen-yū ist der natürliche Ascheanflug auf unglasierter Keramik: Flugasche aus dem Holzfeuer legt sich im Brand auf Schultern und Ränder der Gefäße und schmilzt dort mit dem Eisen im Ton zu einer glasigen Schicht. Diese Glasur wird also nicht aufgetragen, sondern entsteht im Ofen – deshalb fällt sie nie zweimal gleich aus und ist auf der dem Feuer zugewandten Seite am stärksten. Besonders klare, grünlich schimmernde Partien heißen Bidoro, nach dem portugiesischen vidro für Glas. In Bizen tragen einzelne Ausprägungen eigene Namen: Goma für die gesprenkelten Aschespuren, Hidasuki für die roten Linien nach Reisstroh.

Auch: Shizen yu, Shizen-yu, Naturascheglasur, Ascheanflug, Naturglasur

Shōchikubai 松竹梅

Shōchikubai ist die japanische Bezeichnung für die Motivgruppe aus Kiefer, Bambus und Pflaume, im Deutschen meist als „Drei Freunde des Winters“ wiedergegeben. Jede Pflanze trägt eine eigene Bedeutung: Die Kiefer bleibt auch im Winter grün und steht für Beständigkeit und langes Leben, der Bambus biegt sich unter der Schneelast, ohne zu brechen, und die Pflaume blüht als erste in der Kälte, noch vor der Kirsche. Gemeinsam gelten die drei als glücksverheißendes Neujahrs- und Festmotiv und erscheinen auf Kakemono, Keramik und Lackwaren. In Japan dient die Reihenfolge Shō-Chiku-Bai zudem als gängige dreistufige Qualitätsstaffelung.

Auch: Drei Freunde des Winters, Sho-Chiku-Bai, Shochikubai, Kiefer Bambus Pflaume

Shodai-yaki 小代焼

Shodai-yaki ist eine japanische Steinzeugkeramik aus dem Norden der Präfektur Kumamoto, vor allem aus Arao und Nankan am Fuß des Berges Shōdai. Ihre Anfänge werden auf 1632 datiert, als Hosokawa Tadatoshi von Buzen in die Provinz Higo wechselte und Töpfer der Familien Hinkōji und Katsuragi mitnahm; die Technik steht damit in derselben koreanisch geprägten Linie wie Agano und Karatsu. Gearbeitet wird mit eisenreichem, steinchenhaltigem Ton, über den eine Strohascheglasur gelegt und mit der Kelle eine zweite Glasur in breiten Bahnen darübergeschüttet wird, Nagashi-gake genannt. Je nach Brandergebnis heißen die Waren Shodai-Weiß, -Blau oder -Gelb.

Auch: Shōdai-yaki, Shodai-Keramik, Shodai yaki, Shodai

Shodō 書道

Shodō (書道, „Weg des Schreibens“) ist die japanische Kalligrafie, eine aus China übernommene Schriftkunst, die mit Pinsel und schwarzer Tusche ausgeführt wird und einmal gesetzte Striche nicht korrigieren lässt. Das Dō, derselbe „Weg“ wie in Budō oder Chadō, verweist auf einen lebenslangen Übungspfad: Es geht weniger um dekorative Schönschrift als um die konzentrierte Ausführung der festgelegten Strichfolge. Gelehrt werden fünf klassische Stile – Tensho, Reisho, Kaisho, Gyōsho und Sōsho –, ausgeführt mit den „Vier Schätzen des Gelehrtenzimmers“: Fude, Sumi, Suzuri und Washi. Eng verbunden ist Shodō mit dem Zen-Buddhismus, besonders über das Sutra-Abschreiben Shakyō.

Auch: Shodo, Japanische Kalligrafie, Japanische Kalligraphie, Weg des Schreibens

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Shoin 書院

Shoin bezeichnet ursprünglich den Schreibplatz eines Zen-Mönchs, einen in den Raum vorspringenden Erker mit Fensterbrett, und gab später einer ganzen Bauweise den Namen: dem Shoin-zukuri, dem Wohnstil der Kriegeraristokratie. Ihm werden üblicherweise jene Ausstattungsmerkmale zugerechnet, die den japanischen Wohnraum bis heute prägen – die Bildnische Tokonoma, die versetzten Wandregale Chigaidana und der durchgehende Tatami-Boden. Für die Kunst ist der Stil deshalb wichtig, weil er dem Rollbild und dem Blumengefäß erstmals einen festen, dafür gebauten Ort gab.

Auch: Shoin-zukuri, Shoin-Stil, Shoin-Architektur

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Shōji 障子

Shōji sind die leichten Schiebeelemente des japanischen Hauses: ein feines Holzgitter, das einseitig mit durchscheinendem Washi-Papier bespannt ist. Sie trennen Räume oder schließen sie nach außen ab und lassen dabei Tageslicht gedämpft und flächig herein, statt es wie Glas gerichtet durchzulassen. Genau dieses weiche, streuende Licht prägt die Wahrnehmung von Keramik und Malerei im traditionellen Innenraum. Zu unterscheiden sind sie von den Fusuma, den blickdichten, oft bemalten Schiebetüren mit Papier auf beiden Seiten.

Auch: Shoji, Schiebetür, Papierschiebewand, Shōji-Wand

Shōmen 正面

Shōmen (正面, Vorderseite) bezeichnet die schönste, bewusst nach vorn gemeinte Seite eines japanischen Teegeräts, insbesondere einer Teeschale. Weil eine von Hand geformte Schale nie gleichförmig rund ist, gibt es immer eine Stelle, an der die Glasur schöner ausläuft oder eine Kante das Licht besser fängt. In der Teezeremonie stellt der Gastgeber die Schale so hin, dass das Shōmen zum Gast zeigt. Dieser dreht sie vor dem Trinken um etwa zwei kurze Vierteldrehungen weg, damit sein Mund die Vorderseite nicht berührt, und dreht sie danach zurück – eine Höflichkeit, keine Regel um ihrer selbst willen.

Auch: Shomen, Vorderseite, Schauseite

Shōwa-Zeit 昭和時代

Die Shōwa-Zeit (1926–1989) ist die längste Epoche der modernen japanischen Geschichte, benannt nach dem Regierungsnamen Kaiser Hirohitos. Sie zerfällt in eine frühe Phase (1926–1945) mit Militarismus, Kriegswirtschaft und drastisch eingeschränkter Handwerksproduktion und eine spätere (1945–1989) mit demokratischer Neuordnung und Wirtschaftswunder. In der Nachkriegszeit entstand die Mingei-Bewegung um Yanagi Sōetsu, und das staatliche Ningen-Kokuhō-System der „Lebenden Nationalschätze“ zeichnete bedeutende Meister aus; verloren geglaubte Techniken wie die Shino-Glasur wurden rekonstruiert. Weil viele Werkstätten damals ihre heutige Form fanden, trägt ein großer Teil älterer japanischer Gebrauchskeramik die Datierung Shōwa.

Auch: Shōwa-Periode, Showa, Showa-Periode, Showa Zeit

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Shunyata

Shunyata ist der buddhistische Begriff der Leerheit: die Erkenntnis, dass alle Dinge und Erscheinungen nicht unabhängig und aus sich selbst heraus existieren, sondern frei von einer festen, inhärenten Natur sind. Das Sanskritwort wird im Japanischen mit dem Zeichen 空 (Kū) wiedergegeben. Seine bekannteste Fassung hat der Gedanke im Herzsutra, das die Lehre in 262 Schriftzeichen zusammenfasst und in der Zeile „Form ist Leere, Leere ist Form“ zuspitzt. Gemeint ist also kein Nichts, sondern das Fehlen eines beständigen Eigenwesens. In der Kunst ist der Begriff vor allem über das Enso präsent, dessen leerer Innenraum als offene Möglichkeit gelesen wird.

Auch: Śūnyatā, Sunyata, Kū, Leerheit

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Sometsuke 染付

Sometsuke ist die japanische Bezeichnung für Unterglasurblau: eine Bemalung mit kobalthaltigem Gosu auf dem vorgebrannten weißen Scherben, über die anschließend eine durchsichtige Glasur kommt. Im Glasurbrand bei rund 1.300 Grad sinkt das Blau in die Glasur ein und bekommt seine charakteristische Tiefe; es liegt unter der Oberfläche und lässt sich deshalb weder ertasten noch abreiben. Handbemalte Stücke zeigen einen ungleichmäßigen Pinselduktus, gedruckte Dekore unter der Lupe ein feines Punktraster. Anders als Akae und Kinrande, die als Aufglasurfarben in einem zweiten, kühleren Brand aufgebracht werden, entsteht Sometsuke in einem einzigen Hochbrand.

Auch: Some-tsuke, Unterglasurblau, Blau-Weiß-Porzellan, Kobaltblaue Malerei, Gosu-Malerei

Sōsho 草書

Sōsho (草書, „Grasschrift“) ist die stark verbundene Kursivschrift der japanischen Kalligrafie, bei der Striche zusammengezogen und ganze Zeichenteile zu Schwüngen abgekürzt werden. Sie wird besonders schnell geschrieben, folgt dabei aber festen Abkürzungsformen und ist für Ungeübte oft kaum zu entziffern – gelesen wird sie eher als Bewegungsspur denn als Text. Gegenüber Kaisho und Gyōsho ist Sōsho der freieste der fünf klassischen Stile und gilt deshalb als besonders geeignet für unmittelbaren Ausdruck; auch ein Enso wird üblicherweise in dieser raschen, kursiven Manier gezogen. Erlernen lässt sie sich nur auf Grundlage der strengeren Stile.

Auch: Sosho, Sōsho-tai, Grasschrift, Kursivschrift

Sueki 須恵器

Sueki ist die graue, hart gebrannte Keramik des japanischen Altertums, deren Technik um die Mitte des 5. Jahrhunderts von der koreanischen Halbinsel nach Japan kam. Sie wird auf der schnell drehenden Töpferscheibe geformt und in einem in den Hang gegrabenen Tunnelofen bei über 1.100 Grad unter Sauerstoffmangel gebrannt; daher der blaugraue, dicht gesinterte Scherben, auf dem stellenweise geschmolzene Flugasche liegt. Vom gleichzeitig verwendeten, offen und sauerstoffreich gebrannten rötlichen Hajiki unterscheidet sie sich deutlich. Hergestellt wurde Sueki bis in die Heian-Zeit, am umfangreichsten im Ofenbezirk Suemura bei Ōsaka. Sie gilt als technische Grundlage der späteren Steinzeugtraditionen wie Bizen oder Shigaraki.

Auch: Sue-Keramik, Sue-Ware, Sueki-Keramik, Sueki-Ware

Suiban 水盤

Ein Suiban (水盤) ist ein flaches, weit geöffnetes Gefäß für das Blumenstellen – eine niedrige Schale aus Keramik, Metall oder Glas, meist rund, oval oder rechteckig, in der die Wasserfläche sichtbar bleibt. Es ist das Gefäß des Moribana-Stils: Weil die Zweige darin keinen Halt an einer Gefäßwand finden, werden sie auf einem Nadelhalter (Kenzan) befestigt, der im flachen Wasser steht. Dieselbe Bauform dient auch als Untersatz für Bonsai und für Miniaturlandschaften. Vom hohen Vasengefäß des Nageire unterscheidet sich das Suiban grundsätzlich: Dort trägt die Gefäßwand, hier die Nadelplatte.

Auch: Sui-ban, flache Ikebana-Schale, Wasserschale, Blumenschale

Suibokuga 水墨画

Suibokuga ist die japanische Tuschmalerei, bei der allein mit schwarzer Tusche und Wasser gearbeitet wird, sodass die Bildwirkung ausschließlich aus Abstufungen zwischen tiefem Schwarz und hellem Grau entsteht. Die Technik kam im Zusammenhang mit dem Zen-Buddhismus aus China nach Japan und prägte dort ab dem 14. Jahrhundert Landschaften, Bambus- und Figurendarstellungen. Der Begriff wird häufig gleichbedeutend mit Sumi-e verwendet; Suibokuga betont dabei stärker das Lasieren und Verlaufenlassen der verdünnten Tusche, Sumi-e allgemeiner das Malen mit Tusche.

Auch: Tuschmalerei, Wassertuschmalerei, Suiboku, Suiboku-ga

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Sumi

Sumi (墨) ist die feste japanische Tusche – eine Stange aus feinem Ruß und tierischem Leim (Nikawa), die vor dem Schreiben oder Malen mit Wasser auf einem Reibstein angerieben wird. Unterschieden wird Ruß aus verbranntem Kiefernholz von Ruß aus Lampenöl; beide ergeben leicht verschiedene Schwarztöne. Nara gilt seit Jahrhunderten als Zentrum der Herstellung. Wie lange und mit wie viel Wasser gerieben wird, bestimmt die Dichte der Tusche und damit die Abstufungen im Bild; in der Zen-Praxis zählt das Anreiben bereits als erster meditativer Schritt. Anders als fertige Flüssigtusche lässt sich Sumi für jedes Werk neu einstellen.

Auch: Tuschestange, Japanische Tusche, Sumi-Tusche, Tuschstange

Sumi-e 墨絵

Sumi-e (墨絵) ist die japanische Tuschmalerei, bei der Motive allein mit schwarzer Tusche, einem Pinsel und abgestuftem Druck auf die Pinselspitze entstehen. Auch Suibokuga genannt, kam die Technik über buddhistische Mönche aus China nach Japan und wurde im Umfeld des Zen-Buddhismus während der Muromachi-Zeit (1333–1573) verfeinert. Form, Volumen und atmosphärische Tiefe ergeben sich vollständig ohne Farbe, allein aus Tuschabstufungen und unbemaltem Grund. Klassische Motive sind Landschaften, die „Vier Edlen“ – Orchidee, Bambus, Chrysantheme und Pflaumenblüte – sowie Zen-Patriarchen wie Bodhidharma. Anders als Nihonga, das als Sammelbegriff die gesamte einheimische Maltradition umfasst, bezeichnet Sumi-e eine bestimmte Technik.

Auch: Sumie, Suibokuga, Japanische Tuschmalerei, Tuschmalerei, Sumi-e Malerei

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Suzuri

Ein Suzuri (硯) ist der Reibstein der japanischen Kalligrafie und Tuschmalerei, auf dem die feste Tuschestange mit wenig Wasser zu flüssiger Tusche angerieben wird. Er besteht meist aus feinkörnigem Schiefer oder ähnlich dichtem Gestein und hat zwei Zonen: eine leicht geneigte Reibfläche und eine tiefere Mulde, in der sich die fertige Tusche sammelt. Die Körnung der Oberfläche entscheidet darüber, wie fein der Ruß gerieben wird und wie gleichmäßig die Tusche fließt. Zusammen mit Pinsel (Fude), Tusche (Sumi) und Papier (Washi) zählt der Suzuri zu den „Vier Schätzen des Gelehrtenzimmers“.

Auch: Reibstein, Tuschereibstein, Tuschestein, Suzuri-Stein

T

Tada-yaki 多田焼

Tada-yaki ist eine japanische Keramik aus dem Ortsteil Tada der Stadt Iwakuni in der Präfektur Yamaguchi. Sie entstand 1700 als Ofen des Hauses Kikkawa, das dafür Töpfer aus Kyōto kommen ließ, und lieferte über rund hundert Jahre vor allem Teeschalen und Blumengefäße als Geschenke an das Shogunat. Kennzeichnend sind ein heller Scherben unter einer grünen Seladonglasur (Seiji-yū) und ein betont feines Rissnetz, im Japanischen Kannyū genannt; häufig kommt Ritzdekor hinzu. Der historische Ofen erlosch gegen Ende des 18. Jahrhunderts; erst Anfang der 1970er-Jahre belebte der Töpfer Tamura Unkei die Tradition anhand alter Schriftstücke wieder. Historische Stücke sind ausgesprochen selten.

Auch: Tadayaki, Tada, Tada Iwakuni, Unkeizan-gama

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Taishō-Zeit 大正時代

Die Taishō-Zeit (1912–1926) ist die kurze Epoche zwischen Meiji- und Shōwa-Zeit, benannt nach dem gesundheitlich stark eingeschränkten Kaiser Taishō, unter dem das Parlament an Gewicht gewann – die sogenannte Taishō-Demokratie. In diesen vierzehn Jahren wirtschaftlichen Wohlstands und wachsender Stadtkultur entstand die Taishō-Romantik, eine Verschmelzung traditioneller japanischer Bildsprache mit europäischem Jugendstil und Art déco. Traditionelle Werkstätten arbeiteten weiter, öffneten sich aber vorsichtig westlich beeinflussten Formen und Dekoren, während eine breitere bürgerliche Käuferschicht hochwertige Keramik und Malerei erwarb. Das Große Kantō-Erdbeben von 1923 vernichtete zahlreiche Sammlungen und Werkstätten.

Auch: Taishō-Periode, Taisho, Taisho-Periode, Taisho Zeit

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Takarabune 宝船

Das Takarabune (宝船, „Schatzschiff“) ist das kleine, gedrungene Boot mit prall gefülltem Segel, auf dem die Sieben Glücksgötter der bekanntesten Legende nach zu Neujahr zu den Menschen fahren. Beladen ist es mit Reisballen und Glückssymbolen; als Bildmotiv erscheint es auf Rollbildern, Neujahrskarten und Drucken. Verbreitet war der Brauch, ein solches Blatt in der Nacht zum 2. Januar unter das Kopfkissen zu legen, um ein glückverheißendes erstes Traumbild des Jahres (Hatsuyume) zu erhalten; dazu gehört ein Palindromgedicht, das sich vorwärts wie rückwärts gleich liest. Als feste Verbindung von Schiff und sieben Göttern wurde das Motiv in der Edo-Zeit populär.

Auch: Schatzschiff, Takara-bune, Glücksschiff, Schatzschiff der Glücksgötter

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Takasago 高砂

Takasago bezeichnet die japanische Legende von einem alten Ehepaar, das sich als Geister zweier miteinander verbundener Kiefern zu erkennen gibt – der Kiefer von Takasago und ihrer Partnerkiefer im weit entfernten Sumiyoshi. Berühmt wurde die Erzählung durch das gleichnamige Nō-Stück Zeamis, das seit der Muromachi-Zeit als eines der bedeutendsten Segensstücke gilt. In der Malerei erscheint das Paar meist mit Rechen und Besen unter der Kiefer, häufig ergänzt durch Kraniche. Als Bildmotiv steht Takasago für eine lange, beständige Ehe und gilt traditionell als Hochzeitsgeschenk, in manchen Regionen auch als Geschenk zum 25. oder 50. Hochzeitstag.

Auch: Takasago-Legende, Aioi no Matsu, Takasago no Matsu

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Takatori-yaki 高取焼

Takatori-yaki ist eine japanische Teekeramik aus der Präfektur Fukuoka, die um 1600 von dem koreanischen Töpfer Hassan, japanisch Takatori Hachizō, im Auftrag des Fürsten Kuroda Nagamasa begründet wurde. In der frühen Edo-Zeit erhielt der Ofen Anleitung durch den Teemeister Kobori Enshū und gilt seither als einer der sieben Öfen, die man dessen Geschmack zuschreibt. Typisch sind eine sehr dünn gedrehte Wandung und mehrschichtig übereinandergelegte Glasuren, bei denen ein milchig-weißer Guss über braunem Eisenglasurgrund herabläuft. Dem gleichfalls dünnwandigen Agano steht Takatori stilistisch nahe; getrennt hat beide vor allem der Dienstherr.

Auch: Takatori-Keramik, Takatori yaki, Enshū-Takatori, Takatori

Tamba-yaki 丹波焼

Tamba-yaki ist eine japanische Steinzeug-Keramik aus dem Dorf Tachikui im heutigen Tamba-Sasayama, Präfektur Hyōgo, deren Anfänge auf das späte 12. Jahrhundert datiert werden. Als eines der sechs alten Öfen brannte der Ort jahrhundertelang ungeglasierte Vorratskrüge, Reibschalen und Sakeflaschen; ihre Oberfläche prägt allein der natürliche Ascheanflug (Shizen-yū), dessen klar grünlich schimmernde Partien Bidoro heißen. Um 1611 kamen der Kammerofen koreanischer Bauart und eine in Japan seltene, links drehende Trittscheibe hinzu. Technisch steht Tamba dem Shigaraki- und dem Bizen-yaki nahe, unterscheidet sich von beiden aber deutlich in Farbe und Formensprache.

Auch: Tanba, Tamba Keramik, Tamba-Tachikui-yaki, Tamba

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Tanuki

Tanuki ist der japanische Name des Marderhunds, eines nachtaktiven Hundeartigen, das in Japan weit verbreitet ist und weder mit dem Waschbären noch mit dem Dachs verwandt ist. In der Volksüberlieferung gilt er seit Jahrhunderten als Verwandlungskünstler: Als Bake-danuki nimmt er menschliche Gestalt an oder verwandelt sich in Gegenstände. Als Keramikfigur ist er vor allem mit Shigaraki verbunden – rundbäuchige, stehende Gestalten mit Strohhut und Sakeflasche, die vor Läden und Gaststätten als Glücksbringer stehen. Die acht Attribute, die man ihnen heute zuschreibt, wurden erst in den 1950er-Jahren als „Hachisō Engi“ zusammengestellt.

Auch: Marderhund, Shigaraki-Tanuki, Tanuki-Figur, Bake-danuki

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Tanzaku 短冊

Ein Tanzaku (短冊) ist ein langer, schmaler japanischer Papierstreifen von typischerweise etwa 7,5 mal 36 Zentimetern, der traditionell mit einzelnen Gedichtzeilen beschrieben wird, vor allem mit Waka und Haiku. Das schmale Hochformat verlangt eine fließende, vertikale Anordnung der Schriftzeichen und folgt damit dem Sprachfluss eines Gedichts oft unmittelbarer als das quadratische Shikishi, das eher in sich geschlossene Kompositionen trägt. Beide Formate zählen bis heute zum klassischen Bedarf der japanischen Kalligrafie. Bekannt sind Tanzaku außerdem vom Tanabata-Fest, bei dem beschriebene Streifen mit persönlichen Wünschen an Bambuszweige gehängt werden.

Auch: Tan-zaku, Gedichtstreifen, Papierstreifen für Kalligrafie, Tanabata-Streifen

Tatami

Tatami sind die dicken Bodenmatten des japanischen Wohnraums, traditionell mit einem Kern aus gepressten Reisstrohschichten, einer Deckschicht aus geflochtenem Igusa-Binsengras und einer Stoffborte an den Längsseiten. Sie sind zugleich das Maß des Raumes: Zimmergrößen werden in Japan nach der Anzahl der Matten angegeben, ein Teeraum von viereinhalb Matten gilt als klassisches Format. Die genauen Abmessungen unterscheiden sich regional. Für die Kunst ist das insofern wichtig, als Betrachtungshöhe und Sitzposition vor einem Tokonoma vom Sitzen auf der Matte ausgehen.

Auch: Tatamimatte, Reisstrohmatte, Tatami-Matte

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Tebineri 手捻り

Tebineri bezeichnet das Formen eines Gefäßes allein mit den Händen, ohne Töpferscheibe: Der Ton wird aus einem Klumpen gedrückt und gezogen oder aus Wülsten aufgebaut und anschließend mit hölzernen und metallenen Spateln, den Hera, in Form gearbeitet. Erkennbar ist das an einer von Stelle zu Stelle deutlich wechselnden Wandstärke, an flachen Schnittflächen und an einem bewusst unruhigen Rand – Drehrillen fehlen. So entstehen traditionell Raku- und Ohi-Schalen. Der Gegenbegriff ist Rokuro, die Arbeit auf der Scheibe; sie liefert rundere, gleichmäßigere Formen, während Tebineri jeder Schale eine eigene Silhouette gibt.

Auch: Te-bineri, Handaufbau, Von Hand aufgebaut, Handgeformt, Aufbautechnik

Tenmoku 天目

Tenmoku bezeichnet eine dunkle, sehr eisenreiche Glasur sowie die konische Teeschalenform, mit der sie nach Japan kam – also weder eine Region noch einen Brennofen. Ihren Ursprung hat sie in den Jian-Öfen der chinesischen Provinz Fujian, die zur Südlichen Song-Zeit (1127–1279) schwarz glasierte Teeschalen brannten; der Name geht auf den Berg Tianmu zurück, von dem japanische Mönche solche Schalen mitbrachten. Beim Abkühlen scheidet sich das gelöste Eisenoxid als Kristall an der Oberfläche aus und erzeugt die Effektbilder Nogime, Yuteki und das seltene Yōhen. Weil eine Glasur nicht an einen Ort gebunden ist, findet sich Tenmoku in Seto ebenso wie in Kyōto oder Mino.

Auch: Temmoku, Tenmoku-Glasur, Tenmoku-yaki, Jianzhan, Schwarze Teeschale

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Tensho 篆書

Tensho ist die archaische Siegelschrift, der älteste der fünf klassischen Schriftstile der ostasiatischen Kalligrafie. Ihre Zeichen sind streng gebaut, aus gleichmäßig starken Strichen gebildet und füllen ein annähernd quadratisches Feld; flüssig gelesen wird sie auch in Japan selten. Genau deshalb hat sie sich dort gehalten, wo Schrift zugleich Ornament ist: Nahezu jedes Künstlersiegel trägt seinen Namen in Tensho. Daneben stehen Reisho, die Kanzleischrift, Kaisho, die regelkonforme Druckschrift, Gyōsho, die Halbkursive, und Sōsho, die stark verbundene Kursive. Boxbeschriftungen sind meist in Sōsho geschrieben, Siegel dagegen fast immer in Tensho.

Auch: Tenshō, Siegelschrift, Tensho-tai, Seal Script

Tobe-yaki 砥部焼

Tobe-yaki ist ein japanisches Porzellan aus der Stadt Tobe in der Präfektur Ehime auf Shikoku. Es geht auf eine Anordnung des Ōzu-Lehens von 1775 zurück, das den Abfall der örtlichen Wetzsteinproduktion nutzen wollte; 1777 gelang dem Töpfer Sugino Jōsuke der erste brauchbare Brand. Kennzeichnend sind ein auffallend dickwandiger, stoßfester Scherben, ein leicht gräulich getöntes Weiß und eine schlichte, von Hand aufgetragene Unterglasurmalerei in Kobaltblau (Sometsuke). Damit ist Tobe der Gegenentwurf zum dünnwandigen Exportporzellan aus Arita: Es war stets Gebrauchsgeschirr. 1953 würdigten Yanagi Sōetsu, Bernard Leach und Hamada Shōji die dort erhaltene Handarbeit.

Auch: Tobe-Yaki, Tobe-Porzellan, Tobe-Keramik, Tobe

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Tōki 陶器

Tōki ist die japanische Bezeichnung für Steingut beziehungsweise Irdenware: Keramik aus gewöhnlichem Töpferton, die bei etwa 800 bis 1.200 Grad gebrannt wird und einen farbigen, porösen Scherben behält. Weil dieser Wasser aufnimmt, wird Tōki in der Regel glasiert; angeschlagen klingt es dumpf, es fühlt sich wärmer an und ist nicht durchscheinend. Ihm gegenüber steht Jiki, das dichte weiße Porzellan. Die japanische Fachsprache kennt daneben Doki, den unglasierten Niedrigbrand, und Sekki, das dichte Steinzeug – im Alltagsgebrauch werden hoch gebrannte Traditionen wie Bizen oder Shigaraki jedoch meist unter Tōki mitgeführt.

Auch: Toki, Steingut, Irdenware, Tōki-Keramik

Tokkuri 徳利

Ein Tokkuri (徳利) ist die bauchige japanische Sakeflasche mit eingezogenem Hals, aus der in Ochoko oder Guinomi eingeschenkt wird. Traditionell fasst sie etwa ein Gō – das alte japanische Hohlmaß von rund 180 Millilitern. Der enge Hals ist kein Zierrat: Er dosiert den Guss und verlangsamt das Abkühlen, wenn der Sake erwärmt serviert wird. Zum Erwärmen stellt man den gefüllten Tokkuri in ein Wasserbad, üblich sind etwa 40 bis 50 Grad; direktes Erhitzen auf dem Herd oder schroffe Temperaturwechsel schaden der Keramik. Tokkuri und Sakeschalen werden häufig als Satz angeboten, müssen aber nicht zusammengehören.

Auch: Sakeflasche, Sake-Karaffe, japanische Sakeflasche, Sakekaraffe

Tokobashira 床柱

Die Tokobashira ist die seitliche Schmucksäule eines Tokonoma – der Pfosten, der die Bildnische zum übrigen Raum hin begrenzt. Häufig handelt es sich um einen kaum bearbeiteten Stamm, der Rinde, Astansätze oder eine natürliche Krümmung behält und damit das einzige bewusst unregelmäßige Bauteil in einer sonst streng geraden Konstruktion bildet. Von ihr zu unterscheiden ist der Tokogamachi, die sichtbare, oft dunkel gebeizte oder lackierte Vorderkante des angehobenen Bodens. Wer einen Tokonoma in einer europäischen Wohnung nachbildet, braucht keine echte Tokobashira: Nachgebaute japanische Bauteile wirken dort schnell wie Kulisse, die Reduktion trägt die Idee.

Auch: Schmucksäule, Tokonoma-Säule, Toko-bashira

Tokoname-yaki 常滑焼

Tokoname-yaki ist eine japanische Keramik aus der Stadt Tokoname auf der Chita-Halbinsel in der Präfektur Aichi und zählt zu den sechs alten Öfen Japans. Ihre Anfänge reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, als hier vor allem große, ungeglasierte Vorratsgefäße entstanden. Bekannt ist Tokoname heute vor allem für Kyūsu, die seitlich gegriffenen Teekannen aus eisenhaltigem rotem Ton (Shudei), die unglasiert gebrannt werden; dem porösen Scherben wird nachgesagt, die Herbe des Grüntees zu mildern. Anders als das benachbarte Seto, das früh glasierte Ware herstellte, liegt der Schwerpunkt in Tokoname bis heute auf dem unglasierten, dicht gesinterten Scherben.

Auch: Tokoname-Yaki, Tokoname-Keramik, Tokoname-Ware, Tokoname

Tokonoma 床の間

Ein Tokonoma ist die erhöhte Bildnische im Empfangsraum eines traditionellen japanischen Hauses: eine flache Wandnische mit leicht angehobenem Boden, an deren Rückwand ein Kakemono hängt und auf der ein Blumengefäß, gelegentlich auch ein Kōro (Weihrauchgefäß) steht. Die Bauform wird üblicherweise dem Shoin-Stil zugerechnet. Der Tokonoma gilt als Ehrenplatz des Raumes; man betritt ihn nicht, stellt nichts davor ab und räumt dort keine Alltagsgegenstände hinein. Anders als ein Regal ist er kein Sammelort, sondern eine Fläche für sehr wenige Objekte, die nach Jahreszeit wechseln – der überwiegende Teil bleibt bewusst leer.

Auch: Toko, Tokonoma-Nische, Rollbildnische

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Tomobako 共箱

Eine Tomobako (共箱) ist die zugehörige, vom Künstler oder Atelier beschriftete Holzbox eines japanischen Kunstobjekts – wörtlich die „begleitende Box“. Auf dem Deckel steht kalligrafisch die Bezeichnung des Werks, innen oder an der Unterseite signiert der Künstler eigenhändig, meist ergänzt um ein rotes Siegel. Verschlossen wird sie mit einer geflochtenen Kordel, der Sanadahimo. Damit ist sie mehr als Verpackung: Sie bezeugt Herkunft und Echtheit und gehört untrennbar zum Objekt; wird sie davon getrennt, gilt das unter Sammlern als klarer Wertminderungsgrund. Der Unterschied zur Kiribako (桐箱) liegt in der Beschriftung, nicht im Material.

Auch: Künstlerbox, Originalbox, begleitende Box, signierte Kiri-Box

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Tsuboya-yaki 壺屋焼

Tsuboya-yaki ist die Keramik des Stadtviertels Tsuboya in Naha auf Okinawa und die wichtigste Töpfertradition der ehemaligen Ryūkyū-Inseln. Sie entstand 1682, als die Königsregierung drei ältere Ofenbezirke an diesem Ort zusammenlegte. Unterschieden werden Arayachi, ungeglasiertes, niedriger gebranntes Steinzeug für Vorratskrüge und Awamori-Gefäße, und Jōyachi, glasiertes Geschirr mit kräftigem Dekor. Anders als die Öfen des Hauptlandes steht Tsuboya in einer eigenen Linie mit chinesischen und südostasiatischen Einflüssen; auch die Wächterfiguren Shīsā gehören dazu. Örtlich heißt Keramik nicht Yakimono, sondern Yachimun.

Auch: Tsuboya-Keramik, Tsuboya yaki, Yachimun, Tsuboya

Tsuru

Tsuru ist das japanische Wort für Kranich, eines der häufigsten Glückssymbole der japanischen Kunst. Der Vogel gilt traditionell als Sinnbild für Langlebigkeit und eheliche Treue; die Redensart „Tsuru wa sennen, kame wa mannen“ – der Kranich lebt tausend Jahre, die Schildkröte zehntausend – erklärt, warum Kranich und Schildkröte, Tsuru und Kame, so oft gemeinsam auf Rollbildern, Keramik und Lackwaren erscheinen. Als Paarmotiv passt der Kranich zu Hochzeiten und Jahrestagen, einzeln zu runden Geburtstagen. In der Malerei begleitet er außerdem Jurōjin, den Gott des langen Lebens, und lebt als Faltfigur Orizuru im Papierhandwerk fort.

Auch: Kranich, Kraniche, Kranichmotiv, Tsuru und Kame

Tsutsu-jawan 筒茶碗

Eine Tsutsu-jawan (筒茶碗) ist die hohe, zylindrische japanische Teeschale für die kalten Monate. Ihre enge Öffnung gibt wenig Wärme ab, die Hände umschließen die Wandung, und der Matcha bleibt spürbar länger heiß. Der Preis dafür ist etwas mehr Geduld beim Aufschlagen, denn der Chasen hat in der schmalen Form weniger Platz als in einer weiten Schale. Die Tsutsu-jawan ist das winterliche Gegenstück zur flachen Hira-jawan des Hochsommers. Wer nur eine einzige Schale besitzt, greift dagegen besser zur gewöhnlichen runden Form, die sich über das ganze Jahr verwenden lässt.

Auch: Tsutsujawan, Tsutsu-chawan, Zylinderschale, Winter-Teeschale

U

Ukiyo-e 浮世絵

Ukiyo-e (浮世絵, „Bilder der fließenden Welt“) ist eine volksnahe japanische Bildtradition der Edo-Zeit, die zunächst als Gemälde entstand und ab dem 17. Jahrhundert vor allem als Farbholzschnitt verbreitet wurde. Die Motive stammen aus dem städtischen Vergnügungsleben: Kabuki-Schauspieler, Kurtisanen der Vergnügungsviertel, Landschaften, später auch historische und mythologische Szenen. Meister wie Katsushika Hokusai und Utagawa Hiroshige wurden international bekannt und beeinflussten den europäischen Impressionismus. Als Druckgrafik entstand Ukiyo-e arbeitsteilig – Entwurfszeichner, Holzschneider und Drucker – und war von Beginn an auf Auflage angelegt. Darin unterscheidet es sich grundlegend von den handgemalten Einzelwerken der Nihonga-Tradition.

Auch: Ukiyoe, Japanischer Farbholzschnitt, Japanischer Holzschnitt, Bilder der fließenden Welt

Urushi

Urushi (漆) ist der japanische Naturlack, der aus dem Harz des Lackbaums gewonnen und in vielen dünnen Schichten auf einen meist hölzernen Träger aufgetragen wird. Beim Aushärten polymerisiert er und wird außergewöhnlich widerstandsfähig gegen Wasser, Alkohol und Säuren; gut gefertigte Stücke überdauern Jahrhunderte. Typisch sind tiefes Schwarz und Rot, häufig veredelt mit Gold in der Maki-e-Technik oder mit Perlmutt in Raden-Einlagen. Giftig ist allein der rohe Baumsaft mit seinem allergenen Urushiol – ausgehärteter Lack ist lebensmittelecht. Lackwaren gehören nie in Spülmaschine, Mikrowelle oder Backofen, sondern werden von Hand gereinigt.

Auch: Urushi-Lack, japanischer Lack, Lackwaren, Naturlack

Usucha 薄茶

Usucha (薄茶, dünner Tee) ist die alltägliche Zubereitung von Matcha: wenig Pulver, reichlich heißes, aber nicht kochendes Wasser, zügig mit dem Chasen zu einer feinporigen Schaumdecke geschlagen. Jeder Gast bekommt seine eigene Schale, und die Etikette ist deutlich gelöster als beim dicken Tee. Ideal ist eine Schale mit ordentlich Bodenfläche, weil der Besen dort flach und schnell arbeiten kann; aufbewahrt wird das Pulver dafür klassisch im lackierten Natsume. Die Gegenform ist Koicha, der dickflüssige Tee der feierlichen Anlässe. Wer zu Hause Matcha trinkt, trinkt fast immer Usucha.

Auch: dünner Matcha, dünner Tee, Usu-cha, Koicha

Utsushi 写し

Utsushi (写し) bezeichnet das Wiederaufnehmen eines älteren Werks als Aneignung und Verbeugung zugleich. Der Kopierende tritt in ein Gespräch mit dem Meister der Vergangenheit: Er eignet sich dessen Technik, Material und ästhetische Entscheidungen an und verbindet die eigene Zeit mit einer früheren. In der Teekultur ist das selbstverständlich – nachfolgende Teemeister nehmen bewusst Geräte auf, die ihre Vorgänger schätzten, und Töpfer fertigen Utsushi berühmter Teeschalen. Vom Mozō (模造), der bloßen Reproduktion, wird Utsushi ausdrücklich unterschieden, und mit einer Fälschung hat es nichts zu tun: Ein Utsushi verschweigt sein Vorbild nicht, sondern beruft sich darauf, und der Ausführende signiert in der Regel mit dem eigenen Namen.

Auch: Utsushi-mono, Nachschöpfung, Hommage-Kopie, Wiederaufnahme, Mozō

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W

Wabi-Cha 侘茶

Wabi-Cha (侘茶) ist die bewusst schlichte Richtung der japanischen Teezubereitung, die kostbares chinesisches Importgerät durch einfache, oft einheimische Gefäße ersetzt und den kleinen, kargen Teeraum zum Ideal erhebt. Als ihr Begründer gilt Murata Jukō, der Zen-Praxis und Tee verband; Takeno Jōō entwickelte die Haltung weiter, zur vollen Ausprägung führte sie im 16. Jahrhundert Sen no Rikyū, aus dessen Anspruch die Raku-Keramik hervorging. Wabi-Sabi meint demgegenüber die allgemeine ästhetische Haltung, die Unvollkommenheit und Vergänglichkeit als Quelle von Schönheit begreift – Wabi-Cha ist deren konkrete Ausformung im Teeweg.

Auch: Wabicha, Wabi cha, Sōan-cha, Soan-cha

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Wabi-Sabi 侘寂

Wabi-Sabi ist eine japanische ästhetische Haltung, die Unvollkommenheit, Vergänglichkeit und Unfertigkeit als eigentliche Quelle von Schönheit begreift. Der Begriff verbindet zwei ursprünglich eigenständige Wörter: Wabi, die Wertschätzung von Schlichtheit und bewusstem Verzicht, und Sabi, die Schönheit, die mit Alter und Patina entsteht. Geprägt wurde die Haltung durch die Teezeremonie Sen no Rikyūs im 16. Jahrhundert; sichtbar wird sie in unglasierter Bizen- oder Shigaraki-Keramik und in der Goldreparatur Kintsugi. Anders als Mono no aware, das die Rührung über die Vergänglichkeit meint, beschreibt Wabi-Sabi eine Gestaltungshaltung – und zwar bewusste Zurückhaltung, nicht Nachlässigkeit.

Auch: Wabi Sabi, Wabi-Sabi-Ästhetik, Wabi-Sabi-Philosophie, Wabi, Sabi

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Washi 和紙

Washi (和紙) ist handgeschöpftes japanisches Papier, das traditionell aus den langen Bastfasern des Kōzo-Strauchs und anderer heimischer Pflanzen gefertigt wird. Die langen Fasern machen es zugleich saugfähig und ungewöhnlich reißfest – zwei Eigenschaften, auf denen ein großer Teil der japanischen Kunst aufbaut. In Kalligrafie und Tuschmalerei ermöglicht die Saugfähigkeit den charakteristischen Verlauf der Tusche, weshalb erfahrene Kalligrafen ihr Papier bewusst auf Schriftstil und Ausdruck abstimmen. Bei der Montierung eines Rollbilds dient Washi als Trägermaterial: Der Hyōgu-shi klebt das Honshi mit mehreren hauchdünnen Lagen und Weizenstärkekleister hinter, damit sich die Bahn rollen lässt, ohne zu brechen.

Auch: Japanpapier, Wa-shi, japanisches Papier, handgeschöpftes Papier

Y

Yahazu 矢筈

Ein Yahazu (矢筈) ist eine lange Stange mit gegabeltem Ende, mit der japanische Rollbilder aufgehängt und wieder abgenommen werden; traditionell besteht sie aus Bambus. Der Name bezeichnet eigentlich die Kerbe am Ende eines Pfeils, die auf der Sehne sitzt – die Gabelung des Werkzeugs sieht genauso aus. Mit dem Yahazu lässt sich die Aufhängeschnur eines noch aufgerollten Kakemono sicher über einen hoch angebrachten Haken legen, ohne auf eine Leiter zu steigen und ohne das Bild aus der Hand zu geben. Beim Abhängen dient er in umgekehrter Reihenfolge demselben Zweck.

Auch: Ya-hazu, Aufhängestange, Kakemono-Stange, Rollbildstange

Yakimono 焼き物

Yakimono, wörtlich „gebranntes Ding“, ist der japanische Sammelbegriff für Keramik jeder Art – vom unglasierten Steinzeug bis zum feinsten Porzellan. Er umfasst die Untergruppen Doki, Tōki, Sekki und Jiki und sagt für sich genommen nichts über Rohstoff, Brenntemperatur oder Glasur aus; wer ein Stück genauer einordnen will, braucht diese engeren Begriffe. Weitgehend gleichbedeutend gebraucht wird das Wort Tōjiki. Zu beachten ist, dass Yakimono im Japanischen zugleich eine Gruppe gegrillter Speisen bezeichnet – welche Bedeutung gemeint ist, ergibt sich allein aus dem Zusammenhang.

Auch: Yaki-mono, Tōjiki, Tojiki, Japanische Keramik

Yakishime 焼締

Yakishime bezeichnet hart gebranntes, unglasiertes japanisches Steinzeug, dessen Oberfläche allein im Ofen entsteht. Der Ton sintert bei hohen Temperaturen dicht, sodass ein Gefäß auch ohne Glasurbad wasserfest wird; was auf solchen Stücken glasig glänzt, ist Flugasche, die im Brand geschmolzen ist. Typisch ist die Technik für Bizen, Shigaraki, Tokoname, Echizen und Tamba, wo Holzbrände über mehrere Tage laufen. Ein echtes Yakishime-Stück hat immer eine Feuerseite und eine ruhigere Rückseite – es verändert sich, wenn man es in der Hand dreht. Industrieware mit brauner Imitationsglasur sieht dagegen ringsherum gleich aus.

Auch: Yaki-shime, Unglasiertes Steinzeug, Yakishime-Keramik, Hartbrand, Glasurloser Brand

Yamato-e 大和絵

Yamato-e (大和絵) ist die höfische, dezidiert einheimische Bildtradition Japans, die sich seit der Heian-Zeit (794–1185) mit kräftigen Farben, dekorativem Goldeinsatz und erzählenden Motiven entwickelte. Dargestellt werden höfische Szenen, literarische Stoffe und Naturmotive; berühmtestes Beispiel sind die Emakimono, horizontale Bildrollen, die Werke wie die „Geschichte des Prinzen Genji“ in fortlaufender Bildfolge illustrieren. Getragen wurde diese Tradition seit dem Mittelalter vor allem von der Tosa-Schule, die eng an den Kaiserhof in Kyōto gebunden war. Yamato-e setzte sich bewusst von der chinesisch geprägten Malerei ab und steht damit im Gegensatz zur reduzierten, monochromen Ästhetik der Zen-Tuschmalerei.

Auch: Yamatoe, Yamato-Malerei, Höfische japanische Malerei, Tosa-Schule

Yōga 洋画

Yōga (洋画, „westliches Bild“) bezeichnet die japanische Malerei nach westlicher Manier – Ölmalerei, Aquarell und Zeichnung mit Zentralperspektive, Licht- und Schattenmodellierung und europäischen Bildträgern. Der Begriff entstand in der Meiji-Zeit als Gegenstück zu Nihonga, unter dem die einheimische Maltradition zusammengefasst wurde; beide Wörter erhielten ihren Sinn erst durch diesen Gegensatz. Als Wegbereiter gilt Takahashi Yuichi (1828–1894), der zunächst in der Kanō-Schule ausgebildet worden war; prägend wurde später Kuroda Seiki, der 1893 aus Frankreich zurückkehrte. Yōga ist damit keine Technik japanischer Herkunft, sondern die Aneignung europäischer Malerei durch japanische Künstler.

Auch: Yoga (Malerei), Yōga-Malerei, westliche Malerei in Japan, japanische Ölmalerei

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Yohaku no bi 余白の美

Yohaku no bi (余白の美, „die Schönheit des übrig gebliebenen Weiß“) ist das japanische Gestaltungsprinzip, nach dem die unbemalte Fläche eines Bildes ein vollwertiger Bildteil ist. Sie ist kein Rest, für den die Zeit nicht mehr reichte, sondern Nebel, Wasser, Himmel oder Abstand – ihre Wirkung entsteht ausschließlich aus den Rändern des Gemalten. Übernommen wurde der Gedanke etwa im 12. Jahrhundert aus der chinesischen Landschaftsmalerei; in Japan verband er sich mit den buddhistischen Begriffen kū (空, Leere) und mu (無, Nichtvorhandensein). Ein Rollbild, dessen Papier zu zwei Dritteln unberührt bleibt, ist deshalb nicht halbfertig, sondern so angelegt, dass der Betrachter den Rest mitbringt.

Auch: Yohaku, Schönheit der Leere, Leerer Raum im Bild, Bildleere

Yōhen 曜変

Yōhen, die „schillernde Wandlung“, ist die seltenste Erscheinungsform der Tenmoku-Glasur: dunkle Flecken, um die ein irisierender Hof in Blau und Violett liegt, sodass die Schale je nach Lichteinfall an einen Sternenhimmel erinnert. Der japanischen Überlieferung nach sind nur drei vollständige Yōhen-Schalen erhalten; sie sind alle drei als Nationalschätze eingestuft. Zu unterscheiden ist dieser Begriff vom gleich ausgesprochenen Yōhen mit anderen Schriftzeichen (窯変, „Ofenwandlung“), mit dem in Bizen und anderen Holzbrandtraditionen die kräftigen Farbumschläge des Brands bezeichnet werden. Gemeint sind zwei verschiedene Dinge, die im Deutschen leicht durcheinandergeraten.

Auch: Yohen, Yōhen Tenmoku, Schillernde Wandlung, Yohen Tenmoku

Yūgen 幽玄

Yūgen ist ein Grundbegriff der klassischen japanischen Ästhetik, der eine tiefe, geheimnisvolle Schönheit meint, die sich nur andeutet und sich nie vollständig zeigt. Wörtlich steht das Wort für das Dunkel-Geheimnisvolle; in der höfischen Dichtung und später vor allem im Nō-Theater wurde es zum zentralen Qualitätsmaßstab. In der Malerei steht Yūgen für das, was durch Auslassung entsteht: eine Nebellandschaft, ein halb verdeckter Berg, ein Motiv im knappen Format eines Shikishi. Anders als Wabi-Sabi, das Spuren von Alter und Gebrauch betrifft, beschreibt Yūgen die Wirkung des Angedeuteten – Tiefe durch Verhüllung, nicht durch Verwitterung.

Auch: Yugen, Yūgen-Ästhetik, Yugen-Ästhetik

Yunomi 湯呑

Ein Yunomi (湯呑, wörtlich „Heißwasser-Trinker“) ist der höhere, henkellose japanische Teebecher für aufgegossenen Blattee wie Sencha, Bancha oder das geröstete Hōjicha. Der Tee zieht zuvor in einer Kanne, dem Kyūsu, und wird erst danach eingeschenkt; das Gefäß muss ihn nur warm halten und gut in der Hand liegen und darf deshalb höher als breit sein. Typisch sind etwa sechs bis acht Zentimeter Durchmesser bei acht bis zehn Zentimetern Höhe. Anders als im Chawan entsteht im Yunomi kein Tee, er kommt darin nur an. Häufig werden Yunomi als ungleich großes Paar verkauft, das Meoto-Yunomi.

Auch: Teebecher, japanischer Teebecher, Yunomi-Becher, Yunomi Tasse

Yuteki 油滴

Yuteki, „Öltropfen“, ist eine Erscheinungsform der Tenmoku-Glasur: runde, silbrig bis bläulich schimmernde Flecken auf tiefschwarzem Grund. Sie bilden sich dort, wo im Brand Gasblasen die Glasuroberfläche durchbrochen haben und sich beim Abkühlen Eisenoxidkristalle in den zurückbleibenden Mulden sammeln. Wie groß und wie dicht die Tropfen ausfallen, hängt vor allem vom Tempo der Abkühlung ab – ansteuern lässt sich das Muster mit Erfahrung, exakt vorherbestimmen nicht. Von Yuteki zu unterscheiden sind Nogime, die hasenfellartige Streifung derselben Glasurfamilie, und das ungleich seltenere Yōhen mit seinen irisierenden Höfen.

Auch: Yūteki, Öltropfen-Glasur, Yuteki Tenmoku, Oil Spot, Öltropfen

Z

Zashiki 座敷

Ein Zashiki ist der mit Tatami ausgelegte Empfangs- und Gästeraum eines japanischen Hauses, also der repräsentative Raum, in dem Besuch bewirtet wird. In ihm liegt üblicherweise auch der Tokonoma, die erhöhte Bildnische mit Rollbild und Blume; das Zashiki ist damit derjenige Raum, für den japanische Kunst traditionell ausgewählt und gewechselt wurde. Der Name bedeutet wörtlich etwa „ausgelegter Sitzplatz“ und erinnert daran, dass hier auf dem Boden gesessen wird – die Blickhöhe auf ein Kakemono ergibt sich daraus.

Auch: Empfangsraum, Gästezimmer, Tatami-Zimmer

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Zazen 坐禅

Zazen ist die sitzende Meditation des Zen-Buddhismus und dessen zentrale Übung; der Name bedeutet wörtlich „Sitzen in Versenkung“. Gesessen wird mit aufgerichtetem Rücken im vollen oder halben Lotossitz, sodass Gesäß und beide Knie den Körper tragen, bei ruhiger, gezählter oder einfach beobachteter Atmung. Die beiden japanischen Hauptschulen üben unterschiedlich: In der Sōtō-Schule steht das Shikantaza im Vordergrund, das bloße Sitzen ohne Ziel, wie es Dōgen in seiner Anleitung Fukan Zazengi beschreibt; die Rinzai-Schule verbindet das Sitzen mit der Arbeit an einem Kōan. Vom Satori unterscheidet sich Zazen als die Praxis selbst, nicht als deren Ergebnis.

Auch: Za-Zen, Sitzmeditation, Zen-Meditation, Sitzen in Versenkung

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Zen

Zen ist eine japanische Strömung des Mahayana-Buddhismus, die auf das chinesische Chan zurückgeht und die sitzende Meditation Zazen in den Mittelpunkt stellt. Der Name leitet sich über Chan vom Sanskrit-Wort Dhyāna, Meditation, ab. Besonders in der Muromachi-Zeit (1333–1573) prägte Zen die japanische Kunst und brachte die Tuschmalerei Sumi-e, die Kalligrafie Shodō, die Teezeremonie Chadō und die Trockengärten hervor. Zentrale Bildmotive sind das Enso, der in einem einzigen Zug gezogene Kreis, und Darstellungen Bodhidharmas. Die beiden Hauptschulen unterscheiden sich in der Praxis: Rinzai arbeitet mit Kōan, Sōtō mit der ziellosen Sitzmeditation Shikantaza.

Auch: Zen-Buddhismus, Zen Buddhismus, Chan, Chan-Buddhismus

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