Ohi-Yaki – Die bernsteinfarbene Teeschale aus Kanazawa
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Es gibt Farben, die sich sofort einprägen. Bei Ohi-yaki ist es ein warmes, an dünnen Stellen fast durchscheinendes Braun-Orange, das je nach Lichteinfall zwischen Honig, Bernstein und dunklem Karamell wechselt und über die Wandung läuft, als sei es eben erst zur Ruhe gekommen. Diese Glasur stammt nicht aus Kyoto und nicht aus einem der großen Ofendörfer Zentraljapans, sondern aus Kanazawa an der Küste des Japanischen Meeres – einer Stadt, die im Winter unter Schnee liegt und deren Handwerk seit dem 17. Jahrhundert eng mit der Teekultur ihres Fürstenhauses verbunden ist. Ohi-yaki entstand dort im Jahr 1666 und wird bis heute in derselben Familienlinie fortgeführt – mit denselben Handgriffen, demselben Namen und, bei den meisten Stücken, derselben Farbe.
Was ist Ohi-Yaki?
Ohi-yaki (大樋焼) ist eine japanische Teekeramik aus Kanazawa in der Präfektur Ishikawa, dem Gebiet der früheren Provinz Kaga. Sie entstand 1666 und gilt als Zweigofen der Raku-Tradition: Die Gefäße werden ohne Töpferscheibe von Hand aufgebaut, nach dem Antrocknen mit Spateln in ihre endgültige Form geschnitten und einzeln bei vergleichsweise niedriger Temperatur gebrannt. Ihr Erkennungszeichen ist die bernsteinfarbene Ame-Glasur (Ame-yū, wörtlich „Malzsirup-Glasur“), eine eisenhaltige Glasur, die je nach Stück von hellem Honigton bis ins tiefe Rotbraun reicht. Hergestellt werden vor allem Chawan (Teeschalen), daneben Mizusashi (Frischwassergefäße für die Teezeremonie), Süßigkeitenschalen, Sakegefäße und Vasen. Der Name geht auf das Dorf Ōhi zurück, aus dem der Ton stammte.
Wie ein Töpfer 1666 nach Kanazawa kam
Maeda Tsunanori, der fünfte Fürst des Kaga-Lehens, holte 1666 den Teemeister Senso Sōshitsu aus Kyoto an seinen Hof, um dort die Teezeremonie zu fördern. Senso war das vierte Oberhaupt der Urasenke-Schule und ein Urenkel Sen no Rikyūs. In seinem Gefolge reiste ein Töpfer, der damals noch Haji Chōzaemon hieß: 1631 in der Provinz Kawachi geboren, im heutigen Fujiidera bei Osaka, hatte er seit 1656 in Kyoto gelebt und dort bei Raku Ichinyū gelernt, dem vierten Oberhaupt der Raku-Familie, dessen bester Schüler er war. In Kanazawa richtete er einen Ofen ein und brachte damit eine Arbeitsweise in die Region, die es dort bis dahin nicht gegeben hatte. Chōzaemon blieb bis zu seinem Tod 1712 in der Stadt. Das Art Research Center der Ritsumeikan-Universität schildert den Anlass genauso: 1666 wurde Sen Sōshitsu, Begründer der Urasenke-Schule, für eine Teezusammenkunft des Kaga-Klans nach Kanazawa gerufen – der erste Chōzaemon kam mit ihm und gründete dort Ōhi-yaki. Das Art Research Center der Ritsumeikan-Universität schildert den Anlass genauso: 1666 wurde Sen Sōshitsu, Begründer der Urasenke-Schule, für eine Teezusammenkunft des Kaga-Klans nach Kanazawa gerufen – der erste Chōzaemon kam mit ihm und gründete dort Ōhi-yaki.
Woher der Name Ohi stammt
Senso Sōshitsu kehrte 1686 nach Kyoto zurück. Chōzaemon blieb – und aus einem mitgereisten Handwerker wurde dadurch eine eigenständige Keramiktradition. Nördlich der Stadt, im Dorf Ōhi, fand er einen Ton, der sich für seine Arbeitsweise besonders eignete. Nach diesem Fundort wurde die Ware benannt, und die Familie erhielt die Erlaubnis, den Ortsnamen als Familiennamen zu führen: Aus Haji Chōzaemon wurde Ōhi Chōzaemon. Der Ofen arbeitete fortan als offizielle Werkstatt des Hauses Maeda, mit dem Vorrecht und der Verpflichtung, das Fürstenhaus mit Teegerät zu versorgen. Ōhi ist heute ein Stadtteil von Kanazawa; die Werkstatt der Hauptlinie steht im Viertel Hashiba-chō, gleich neben dem Wohnhaus der Familie.
Ame-yū – die bernsteinfarbene Glasur
Die Ame-Glasur ist das, woran sich Ohi-yaki auf den ersten Blick erkennen lässt. Sie ist eisenhaltig, verläuft im Feuer und sammelt sich in Vertiefungen zu dunklen, fast schwarzbraunen Zonen, während sie an erhabenen Stellen dünn bleibt und dort leuchtend orange wirkt. Auf einer einzigen Schale entsteht so ein Farbverlauf, der von hellem Honig bis ins Tiefbraune reicht und sich von keiner Seite gleich zeigt. Wie die Familie zu dieser Glasur kam, überliefern die Quellen uneinheitlich: Meist heißt es, der erste Chōzaemon habe das Rezept aus dem Hause Raku mitgebracht; andere Darstellungen erzählen, die Raku-Familie habe im Gegenzug selbst auf die Bernsteinglasur verzichtet. Unstrittig ist das Ergebnis: Rot und Schwarz blieben den Kyotoer Schalen vorbehalten, die Bernsteinglasur wurde zum Markenzeichen Kanazawas.
Von Hand aufgebaut, mit dem Spatel geschnitten
Ohi-Gefäße entstehen ohne Töpferscheibe. Der Ton wird in der Hand aufgebaut (Tebineri); danach lässt der Töpfer ihn anziehen und arbeitet die Form mit hölzernen und metallenen Spateln (Hera) heraus, bis Wandstärke, Randlinie und Fußring sitzen. Das Ergebnis ist eine Schale, die nie exakt rund ist, sich beim Anheben leichter anfühlt, als sie aussieht, und deren Rand sich der Lippe anpasst, statt ihr eine Kreisform vorzugeben. Gebrannt wird jedes Stück einzeln und niedrig – die Angaben nennen meist Temperaturen zwischen etwa 750 und 850 Grad –, wobei rasch aufgeheizt und ebenso rasch wieder abgekühlt wird. Das Art Research Center der Ritsumeikan-Universität beschreibt dasselbe Verfahren in zwei Sätzen: Ōhi-Keramik werde ohne Töpferscheibe von Hand aufgebaut, überschüssiger Ton anschließend mit Messer oder Spatel abgetragen; beim Brand werde die Temperatur in kurzer Zeit stark erhöht und das Stück danach zum raschen Abkühlen entnommen. Das Art Research Center der Ritsumeikan-Universität beschreibt dasselbe Verfahren in zwei Sätzen: Ōhi-Keramik werde ohne Töpferscheibe von Hand aufgebaut, überschüssiger Ton anschließend mit Messer oder Spatel abgetragen; beim Brand werde die Temperatur in kurzer Zeit stark erhöht und das Stück danach zum raschen Abkühlen entnommen. Wer eine japanische Teeschale handgetöpfert und nicht gedreht sucht, trifft bei Ohi auf eine der wenigen Traditionen, die diesen Weg seit über 350 Jahren ausnahmslos gehen.
Nah an Raku und doch eigenständig
Technisch teilt Ohi-yaki mit Raku-yaki das Wesentliche: die Handformung, den Niedrigbrand, das rasche Aufheizen und Abkühlen des einzelnen Stücks. Die Unterschiede liegen anderswo. Raku-yaki entstand im Kyoto des späten 16. Jahrhunderts im Umkreis Sen no Rikyūs und ist bis heute vor allem mit tiefem Schwarz und gedecktem Rot verbunden. Ohi-yaki entstand fast ein Jahrhundert später, gut zweihundert Kilometer nordöstlich, an einem Fürstenhof mit eigener Teekultur – und entwickelte mit der Bernsteinglasur eine Farbwelt, die es im Mutterhaus nicht gab. Hinzu kommt eine oft etwas gedrungenere, kräftigere Formensprache, die in der Hand spürbar Gewicht hat und die man den Schalen auch ansieht, bevor man sie anhebt. Wie eng die Verbindung zum Mutterhaus war, benennt das Art Research Center der Ritsumeikan-Universität ausdrücklich: Der erste Chōzaemon war der führende Schüler des Kyotoer Raku Ichinyū – laut Raku-Museum der vierte Träger des Namens, 1640 bis 1696 – und beherrschte dessen Technik und Prinzipien von Grund auf. Wie eng die Verbindung zum Mutterhaus war, benennt das Art Research Center der Ritsumeikan-Universität ausdrücklich: Der erste Chōzaemon war der führende Schüler des Kyotoer Raku Ichinyū – laut Raku-Museum der vierte Träger des Namens, 1640 bis 1696 – und beherrschte dessen Technik und Prinzipien von Grund auf.
Teekultur am Hof der Maeda
Dass ausgerechnet in Kanazawa eine eigene Teekeramik entstand, hat mit der besonderen Stellung des Kaga-Lehens zu tun. Das Haus Maeda war nach dem Shogunat das reichste Fürstenhaus Japans und lenkte diesen Reichtum über Generationen in Kultur und Kunsthandwerk statt in militärische Stärke – eine Haltung, die Misstrauen in Edo vermied und Kanazawa zu einer Handwerksstadt machte. Kutani-Porzellan, die Kaga-Yūzen-Färberei, Blattgold und Lackarbeiten gehen auf dieselbe Förderpolitik zurück. Die Teezeremonie war dabei kein Zeitvertreib, sondern gesellschaftliche Praxis am Hof: Mit Senso Sōshitsu kam die Urasenke-Schule nach Kaga, und mit ihr der Bedarf an Geräten, die ihrem Geschmack entsprachen. Ohi-yaki ist die keramische Antwort auf diesen Bedarf.
Elf Generationen Ōhi Chōzaemon
Weitergegeben wird bei Ohi nicht nur die Technik, sondern auch der Name. Jeder Nachfolger führt den Titel Ōhi Chōzaemon, ergänzt um seine Generationszahl; mit dem Namen gehen die von Hand gefertigten Werkzeuge und die Arbeitsweise über. Die Linie reicht vom Gründer ungebrochen bis in die Gegenwart. Der zehnte Ōhi Chōzaemon (1927–2023) war Mitglied der Japanischen Kunstakademie und erhielt 2011 den Kulturorden, Japans höchste Auszeichnung für kulturelle Verdienste; nachdem er den Namen 2016 an seinen Sohn weitergegeben hatte, arbeitete er als Ōhi Tōyasai weiter. Sein Sohn Toshio, Jahrgang 1958, führt die Werkstatt seither als elfter Ōhi Chōzaemon und stellt international aus. Neben dieser Hauptlinie arbeiten in Kanazawa weitere Ohi-Werkstätten, die aus Nebenlinien der Familie hervorgegangen sind.
Was aus Ohi-Ton entsteht
Im Zentrum steht die Chawan, die Schale für Matcha. Ihre Wandung ist dick genug, um die Hände zu wärmen, und der niedrig gebrannte, poröse Scherben gibt die Hitze nur langsam nach außen ab – ein Merkmal, das in Japan gern mit dem schneereichen Klima der Region in Verbindung gebracht wird und Ohi-Keramik den Ruf einer besonders „warmen“ Ware eingetragen hat. Daneben entstehen Mizusashi, Süßigkeitenschalen (Kashiki), Sakegefäße und Vasen. Wer Ohi Keramik kaufen möchte, findet die Stücke meist zusammen mit einer beschrifteten Holzbox, die Werkstatt und häufig auch den Namen des Gefäßes trägt – im japanischen Kunsthandel gehört sie zum Objekt und wird mit ihm weitergereicht.
Eine Schale aus Kanazawa in der Hand
Halten Sie eine Ohi-Schale einmal gegen ein Fenster: Dort, wo die Glasur dünn geblieben ist, wird der Bernsteinton fast durchsichtig, und man erkennt genau, wo die Hand des Töpfers die Wandung stehen ließ und wo der Spatel sie weggenommen hat. Bei densho.de finden Sie handgefertigte japanische Keramik-Unikate, jedes Stück einzeln aus Japan bezogen. Wenn Sie eine Chawan kaufen möchten, die diese Wärme buchstäblich in die Hand legt, lohnt der Blick in unsere Auswahl an japanischen Teeschalen – und der Vergleich zweier Stücke nebeneinander, an dem sich zeigt, wie unterschiedlich dieselbe Glasur ausfallen kann.
Quellen und Literatur
Art Research Center, Ritsumeikan-Universität: Ōhi Ware, artsandculture.google.com.
Raku Museum, Kyōto: Raku successive generations.
Richard L. Wilson: Inside Japanese Ceramics. A Primer of Materials, Techniques, and Traditions. Weatherhill, New York 1995.