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Wissenswertes

Tada-yaki – der beinahe verschwundene Seladon von Iwakuni

Eine grüne Glasur mit hauchfeinem Rissnetz und ein Ofen, von dem kaum etwas übrig ist: Tada-yaki gehört zu den stillsten Kapiteln japanischer Keramik.
Teeschale aus Tada-Keramik mit gelbgrüner Seladonglasur, feinem Craquelé und eingeritztem Libellenmotiv
Auf den Punkt gebracht
Tada-yaki (多田焼) ist eine japanische Keramik aus dem Ortsteil Tada der Stadt Iwakuni in der Präfektur Yamaguchi. Sie entstand 1700 als Ofen des Herrscherhauses Kikkawa, das dafür Töpfer aus Kyōto kommen ließ, und lieferte über rund hundert Jahre vor allem Teeschalen und Blumengefäße als Geschenke an das Shogunat. Kennzeichnend sind ein heller Scherben, eine grüne Seladonglasur und ein sehr feines Rissnetz, im Japanischen Kannyū genannt. Der historische Ofen erlosch gegen Ende des 18. Jahrhunderts; erst Anfang der 1970er-Jahre belebte der Töpfer Tamura Unkei die Tradition anhand alter Schriftstücke wieder. Erhaltene historische Stücke sind ausgesprochen selten.

Es gibt japanische Keramiktraditionen, über die ganze Bibliotheken geschrieben wurden, und es gibt solche, zu denen sich kaum mehr als ein paar Absätze finden lassen. Tada-yaki gehört unbedingt zur zweiten Gruppe. Wer eine Schale aus diesem Ofen vor sich hat, sieht ein gedecktes, warmes Gelbgrün, über das sich ein hauchfeines Netz aus Rissen zieht, dazu vielleicht eine mit spitzem Werkzeug in den Ton geritzte Libelle. Was man nicht sieht, ist die Geschichte dahinter: ein kleiner Ofen im äußersten Osten der Präfektur Yamaguchi, der einmal für das Shogunat produzierte, danach fast zwei Jahrhunderte lang schwieg und erst im späten 20. Jahrhundert wieder Feuer bekam. Vieles davon lässt sich belegen; manches endet in Lücken, die man ehrlicherweise als Lücken stehen lassen sollte.

Was ist Tada-yaki?

Tada-yaki (多田焼) ist eine japanische Keramik aus dem Ortsteil Tada der Stadt Iwakuni in der Präfektur Yamaguchi. Sie entstand im Jahr 1700 als Ofen des Hauses Kikkawa, das Iwakuni beherrschte, und war von Beginn an auf Teegerät ausgerichtet – vor allem auf Chawan (Teeschalen) und Hanaire (Blumengefäße), die als Geschenke an das Shogunat gingen. Kennzeichnend ist ein heller Scherben unter einer Seiji-yū (Seladonglasur), deren Oberfläche von einem feinen Rissnetz überzogen ist; dieses Rissnetz heißt im Japanischen Kannyū. Der historische Ofen erlosch gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Erst in den 1970er-Jahren nahm der Töpfer Tamura Unkei die Tradition anhand alter Dokumente wieder auf; heute führt die zweite Generation desselben Künstlernamens den Ofen Unkeizan-gama weiter – auch die Stadt Iwakuni nennt Tamura Unkei in zweiter Generation als denjenigen, der Tada-yaki fortführt, und beschreibt den Unkeizan-gama als Kammerofen (Noborigama).

Ein Ofen für das Haus Kikkawa in Iwakuni

Die Gründung wird auf das Jahr Genroku 13 datiert, also 1700. Der damalige Herr von Iwakuni ließ Töpfer aus Kyōto kommen und beauftragte sie, ihr Handwerk an Einwohner des Ortsteils Tada unterhalb der Burg weiterzugeben. Das Haus Kikkawa war ein Sonderfall im Gefüge der Tokugawa-Zeit: Es stammte aus einer Nebenlinie der Mōri, verwaltete Iwakuni seit dem frühen 17. Jahrhundert mit nominell 30.000 Koku und stritt über Generationen um seinen Rang – als eigenständiges Lehen offiziell anerkannt wurde Iwakuni erst 1868. Für ein Haus in dieser Lage waren Geschenke an das Shogunat mehr als Höflichkeit. Aus den Aufzeichnungen der Familie geht hervor, dass in den rund hundert Jahren bis zum Erlöschen des Ofens annähernd tausend Stücke Tada-yaki als Präsente überreicht wurden – Teeschalen, Blumengefäße und Teegerät von einer Machart, die dem prüfenden Blick von Teemeistern standhalten sollte. Die Stadt Iwakuni datiert die Gründung dieses Lehensofens auf Genroku 13, also 1700, und schildert den Anfang so: Das Fürstenhaus Kikkawa holte Töpfer aus Kyōto, die ihr Handwerk an die Bewohner der Gegend von Tada weitergaben; gefertigt wurden vor allem Teeschalen und Blumengefäße als Abgaben an das Haus des Shōgun. Die Stadt Iwakuni datiert die Gründung dieses Lehensofens auf Genroku 13, also 1700, und schildert den Anfang so: Das Fürstenhaus Kikkawa holte Töpfer aus Kyōto, die ihr Handwerk an die Bewohner der Gegend von Tada weitergaben; gefertigt wurden vor allem Teeschalen und Blumengefäße als Abgaben an das Haus des Shōgun.

Heller Ton unter grüner Glasur

Seladon – auf Japanisch Seiji – bezeichnet keine einzelne Rezeptur, sondern eine ganze Familie von Glasuren, deren Grün von einem geringen Eisenanteil stammt. Entscheidend ist die Ofenatmosphäre: Nur wenn der Brand unter Sauerstoffmangel geführt wird, in reduzierender Atmosphäre, verwandelt sich das Eisen in jenes kühle bis olivfarbene Grün, das diese Tradition seit ihren chinesischen und koreanischen Vorbildern anstrebt. Für Tada-yaki wird ein heller, weißlicher Ton verwendet; er lässt die dünn aufgetragene Glasur leuchten, statt sie abzudunkeln. Der Ofen selbst beschreibt seinen Farbton mit dem klassischen Farbnamen Kikujin – einem gedämpften Graugrün, das in der Hofkleidung dem Tennō vorbehalten war. Die Wortwahl trifft die Wirkung gut: Das Grün ist nie laut, es liegt eher wie ein Schleier über dem hellen Scherben und wechselt mit dem Lichteinfall zwischen Oliv, Gelbgrün und beinahe Grau.

Kannyū: das Rissnetz in der Glasur

Das zweite Merkmal, das in jeder Beschreibung von Tada-yaki auftaucht, ist Kannyū (貫入) – das feine Netz aus Haarrissen, das die Glasuroberfläche überzieht. Es entsteht beim Abkühlen, weil Glasur und Scherben sich unterschiedlich stark zusammenziehen: Die Glasur schrumpft schneller als der Ton darunter und reißt auf. Was in der industriellen Fertigung als Ausschuss gilt, wird in der japanischen Teekeramik seit Jahrhunderten gezielt gesucht und über die Zusammensetzung der Glasur gesteuert. Bei Tada-yaki fällt das Craquelé betont fein aus, ein dichtes Geflecht, das man aus einem Meter Entfernung kaum bemerkt und aus dreißig Zentimetern nicht mehr übersieht. Wer einen Chawan kaufen möchte, bei dem sich das Auge an der Oberfläche festhält, ohne von Dekor abgelenkt zu werden, findet in dieser Verbindung aus ruhiger Form und lebendiger Glasurhaut genau das.

Tausend Geschenke und eine Handvoll erhaltener Stücke

So ordentlich die Zahl der Präsente in den Familienpapieren festgehalten ist, so schmal ist der greifbare Bestand: Vom historischen Tada-yaki sollen in Iwakuni selbst nur wenige Stücke erhalten sein. In der Region spricht man deshalb von einer Keramik, die dem Verschwinden nahekam – ein Ofen, dessen Erzeugnisse fast vollständig in fremde Hände gingen und dort im Lauf der Zeit ihre Herkunftszuschreibung verloren. Auch die Umstände des Endes sind nicht restlos geklärt. Die meisten Darstellungen datieren das Erlöschen auf die Kansei-Ära, also die Jahre zwischen 1789 und 1801; vereinzelt findet man abweichende Angaben, die sich mit dem Gründungsdatum nicht vereinbaren lassen. Namen einzelner Töpfer aus der historischen Phase sind in den zugänglichen Quellen nicht überliefert. Wer sich mit Tada-yaki beschäftigt, arbeitet also an einem sehr dünnen Faden – und sollte das offen sagen.

Nach fast zwei Jahrhunderten wieder Feuer

Mehrere Anläufe, den Ofen wiederzubeleben, blieben ohne Bestand. Erst der in Tada geborene Töpfer Tamura Unkei (1931–1985) brachte das Vorhaben zum Abschluss: Anfang der 1970er-Jahre rekonstruierte er die Machart des alten Ofens anhand überlieferter Schriftstücke und nahm die Produktion in Iwakuni wieder auf. Die Jahresangaben schwanken je nach Quelle zwischen 1972 und 1973. Seine Werkstatt erhielt den Namen Unkeizan-gama, benannt nach seinem eigenen Künstlernamen. Nach seinem Tod führte die zweite Generation Betrieb und Namen weiter – ein in Japan verbreitetes Verfahren, bei dem ein Künstlername weniger eine einzelne Person als eine Werkstattlinie bezeichnet. Wer ein mit diesem Namen gestempeltes Stück vor sich hat, kann daraus allein also nicht ablesen, welche Generation es geformt hat.

Ein Brennofen im stillgelegten Bergwerkstal

1981 verlegte die Werkstatt ihren Noborigama (an einen Hang gebauter Kammerofen) nach Kawayama im heutigen Stadtteil Mikawa von Iwakuni – ein Tal, das bis kurz zuvor vom Bergbau gelebt hatte. Die Kupfer- und Schwefelkiesgrube von Kawayama blickte auf rund drei Jahrhunderte zurück und beschäftigte in ihrer besten Zeit weit über tausend Menschen; 1971 wurde der Betrieb eingestellt. Der Ofen selbst spielt mit diesem Kontrast und beschreibt seinen Standort als Wiedergeburt im Dorf der Grube. Gebrannt wird dort bis heute überwiegend Teegerät und Blumengefäß – jene Gattungen also, die der historische Ofen an das Shogunat lieferte –, daneben Sakeschalen und Schalen für den täglichen Gebrauch. Wer anreist, kann in der Werkstatt töpfern oder an einer Teerunde mit Tada-Gerät teilnehmen.

Die geritzte Libelle und ihr Beiname

Weil die Seladonglasur dünn und durchscheinend aufliegt, eignet sie sich besonders gut für Ritzdekor: Linien, die vor dem Brand in den lederharten Ton geschnitten werden, nehmen beim Glasieren mehr Glasur auf und erscheinen danach dunkler als die Fläche daneben – Zeichnung entsteht hier nicht durch Farbe, sondern durch Tiefe. Ein Motiv, das in dieser Technik immer wieder auftaucht, ist die Libelle. In Japan trägt sie den Beinamen Katsumushi (勝虫), wörtlich „Siegkäfer“: Weil sie im Flug nur vorwärts und nie rückwärts geht, galt sie den Kriegern als Sinnbild des unbeirrbaren Vorwärtsgehens und schmückte Helmzier, Rüstungsteile und Schwertzubehör. Trägt die Holzbox einer Teeschale die Tuschaufschrift Katsumushi-Chawan, ist genau diese Lesart gemeint – kein hübsches Insekt, sondern ein Wunsch für den, der aus der Schale trinkt.

Was ein lokaler Ofen im japanischen Keramiksystem bedeutet

Wer eine japanische Teeschale kaufen möchte, begegnet zuerst den großen Namen: Bizen, Hagi, Karatsu, Arita. Sie sind die sichtbare Spitze eines Systems, das aus Hunderten kleiner Öfen besteht. Ein Teil davon waren Han'yō beziehungsweise Goyō-gama, Lehens- und Hofbrennöfen, die für einen einzigen Auftraggeber arbeiteten und nichts auf dem freien Markt verkauften. Genau das machte sie verletzlich: Fiel der Auftraggeber weg, verschwand die Werkstatt oft binnen einer Generation, und mit ihr das Wissen um Ton, Glasur und Brandführung. Tada-yaki ist dafür ein Musterbeispiel. Ob eine solche Tradition heute noch existiert, hängt an drei Dingen: ob Schriftstücke überdauerten, ob Stücke erhalten blieben und ob sich jemand fand, der die Rekonstruktion auf sich nahm. Im Fall von Tada-yaki war vor allem das Letzte entscheidend.

Eine Schale aus einem Ofen, den kaum jemand kennt

Ein Chawan aus Tada-yaki bringt nicht die Aura eines großen Namens mit. Er bringt etwas anderes: ein gedecktes Gelbgrün, ein Rissnetz, das sich beim Drehen im Licht immer wieder neu ordnet, einen rötlich gebrannten Fußring, an dem sichtbar wird, wo das Feuer den nackten Ton berührt hat – und die Geschichte eines Ofens, den es zweihundert Jahre lang nicht gab. Bei densho.de finden Sie handgefertigte japanische Keramik, Unikat für Unikat einzeln aus Japan bezogen, darunter Teeschalen kleiner regionaler Öfen, die in keinem Überblickswerk vorkommen. Stellen Sie eine solche Schale neben ein Stück mit berühmtem Namen: Sie werden merken, wie wenig die Bekanntheit über die Qualität der Hand aussagt, die sie geformt hat.

Quellen und Literatur

Stadt Iwakuni, Abteilung Tourismusförderung: 多田焼き「雲渓山窯」陶芸体験レポート, kankou.iwakuni-city.net.

Stadt Iwakuni, Abteilung Tourismusförderung: 陶芸体験 多田焼き「雲渓山窯」, kankou.iwakuni-city.net.

The Metropolitan Museum of Art: Gourd-Shaped Sake Bottle (Tokkuri) with Carved Floral Design and Jewel, Acc.-Nr. 79.2.805, metmuseum.org.