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Wissenswertes

Tamba-yaki – Achthundert Jahre Feuer, Asche und Alltagsgefäße

Seit über achthundert Jahren brennt in Tachikui Feuer: Tamba-yaki entstand ohne Glasurbad – die Oberfläche macht die Asche im Ofen selbst.
Nahaufnahme einer Tamba-Sakeschale (Guinomi) mit rotbraunem Scherben und hellem, geschmolzenem Ascheanflug
Auf den Punkt gebracht
Tamba-yaki (丹波焼), auch Tanba-yaki oder Tamba-Tachikui-yaki, ist eine japanische Steinzeug-Keramik aus dem Dorf Tachikui im heutigen Tamba-Sasayama, Präfektur Hyōgo. Ihre Anfänge werden auf das späte 12. Jahrhundert datiert; sie zählt zu den Sechs Alten Öfen Japans (Rokkoyō) neben Seto, Tokoname, Shigaraki, Bizen und Echizen. Jahrhundertelang entstanden hier ungeglasierte Vorratskrüge und Reibschalen, deren Oberfläche allein der natürliche Ascheanflug (Shizen-yū) im Holzbrand prägte. Um 1611 kamen der Kammerofen koreanischer Bauart und die in Japan seltene, links drehende Trittscheibe hinzu. 1978 wurde Tamba-yaki als traditionelles Kunsthandwerk anerkannt.

Es gibt japanische Keramik, die für den Teeraum erfunden wurde, und es gibt Keramik, die aus der Küche kommt. Tamba-yaki gehört zur zweiten Sorte. Über Jahrhunderte entstanden in einem schmalen Tal in der Präfektur Hyōgo vor allem Dinge, die niemand ausgestellt hätte: Vorratskrüge für Getreide, Töpfe für eingelegtes Gemüse, Reibschalen, Sakeflaschen. Und gerade weil diese Gefäße nichts darstellen wollten, entwickelten sie eine Oberfläche, die bis heute Sammler anzieht – aufgetragen nicht von Menschenhand, sondern von der Asche, die tagelang durch den Ofen zieht.

Was ist Tamba-yaki?

Tamba-yaki (丹波焼), auch Tanba-yaki geschrieben und amtlich als Tamba-Tachikui-yaki (丹波立杭焼) geführt, ist eine japanische Steinzeug-Keramik aus dem Dorf Tachikui im heutigen Tamba-Sasayama, Präfektur Hyōgo. Ihre Anfänge werden auf das Ende der Heian- und den Beginn der Kamakura-Zeit datiert, also auf das späte 12. Jahrhundert; das Töpferdorf blickt damit auf mehr als achthundert Jahre nahezu ununterbrochener Produktion zurück. Charakteristisch ist der Yakishime, der ungeglasierte Hochbrand: Der eisenhaltige Ton sintert bei Temperaturen um 1.250 bis 1.300 Grad Celsius dicht, ohne dass eine Glasur aufgetragen würde. Was auf frühen Stücken dennoch wie eine Glasur aussieht, ist Shizen-yū – natürlicher Ascheanflug, also geschmolzene Holzasche, die sich im Brand mit dem Scherben verbindet. 1978 wurde Tamba-yaki vom japanischen Staat als traditionelles Kunsthandwerk anerkannt.

Einer der Sechs Alten Öfen Japans

Tamba-yaki zählt zu den Rokkoyō, den Sechs Alten Öfen Japans – jenen sechs Keramikzentren, die seit dem Mittelalter durchgehend produzieren: Seto, Tokoname, Shigaraki, Bizen, Echizen und eben Tamba. Der Begriff selbst ist jünger, als man vermuten würde. Er wurde erst um 1948 vom Keramikhistoriker Koyama Fujio geprägt, der damit die einheimische, nicht von chinesischen Vorbildern abgeleitete Linie der japanischen Keramik hervorheben wollte. Alle sechs Öfen verbindet, dass sie zunächst grobes, ungeglasiertes Steinzeug für den täglichen Bedarf brannten und erst viel später als Kunsthandwerk galten. Technisch steht Tamba dem Shigaraki-yaki und dem Bizen-yaki nahe, unterscheidet sich von beiden aber deutlich in Farbe und Formensprache. 2017 wurden die Sechs Alten Öfen gemeinsam als Japanisches Kulturerbe (Nihon Isan) ausgewiesen.

Die Anfänge in Tachikui

Die frühen Tamba-Öfen waren Anagama (Höhlenöfen): in den Hang gegrabene Röhren mit einer Decke aus Lehm, in denen tagelang Holz verfeuert wurde. Darin entstand, was die Dörfer der Umgebung brauchten – Kame (große Vorratskrüge), Tsubo (Töpfe) und Suribachi (Reibschalen). Die Überlieferung führt die Ofentechnik auf Anregungen aus der Tōkai-Region zurück; belegt ist, dass Grabungen am Ofen Sanbontōge-Kita 1977 Stücke aus der frühen Kamakura-Zeit zutage gefördert haben. Rund vierhundert Jahre lang, bis zum Ende der Momoyama-Zeit, blieb der Anagama die einzige Brennform des Ortes. Ältere Quellen nennen die Ware dieser Frühzeit auch Onohara-yaki, nach einem der damaligen Produktionsorte.

Ascheanflug – die Glasur, die niemand aufträgt

Die frühen Tamba-Gefäße gingen ohne jede Glasur in den Ofen. Was ihre Oberfläche prägt, entsteht erst im Feuer: Die Asche des verbrannten Kiefernholzes wird von der Luftströmung durch den Ofenraum getragen, legt sich auf Schultern und Ränder der Gefäße und schmilzt dort mit dem Eisen im Ton zu einer glasigen Schicht. In Japan heißt dieser natürliche Ascheanflug Shizen-yū; besonders klare, grünlich schimmernde Partien werden Bidoro genannt – ein Wort, das auf das portugiesische vidro, „Glas“, zurückgeht.

Weil jedes Stück im Ofen anders steht, fällt der Anflug nie zweimal gleich aus. Die der Flamme zugewandte Seite ist meist dunkler und dichter überzogen als die abgewandte, an der der nackte, rotbraune Scherben sichtbar bleibt. Genau dieser Kontrast ist bis heute das Merkmal, auf das viele achten, die eine japanische Vase kaufen möchten, deren Oberfläche im Feuer und nicht im Glasurbad entstanden ist.

Vom Anagama zum Noborigama

Der einschneidendste technische Wandel kam am Übergang zur Edo-Zeit. Um 1611 – die Datierungen der Quellen schwanken zwischen dem Ende der Keichō-Ära und dem frühen 17. Jahrhundert – wurde in Tachikui der halb oberirdische Kammerofen koreanischer Bauart eingeführt, der Noborigama. Statt einer einzigen langen Röhre besteht er aus mehreren hintereinanderliegenden Kammern, die den Hang hinaufsteigen; die Abwärme jeder Kammer heizt die nächste vor. Das verkürzte die Brenndauer erheblich und erlaubte, deutlich größere Mengen auf einmal zu brennen. Mit dem neuen Ofen kamen auch neue Glasuren ins Dorf: künstlich angesetzte Aschglasuren aus Holz-, Stroh- und Reisspelzenasche, später eisenhaltige Glasuren und ein roter Tonschlicker, dem die Ware ihre warmen Rot- und Purpurbrauntöne verdankt. Das japanische Register der traditionellen Kunsthandwerke beschreibt denselben Übergang: Bis zur Momoyama-Zeit habe man in Tachikui Anagama benutzt, danach die bis heute gebräuchlichen Kammeröfen.

Zusammen mit dem Noborigama gelangte eine zweite Neuerung nach Tachikui, die bis heute als Erkennungszeichen der Region gilt: die Keri-rokuro, eine mit dem Fuß angetretene Töpferscheibe, die sich gegen den Uhrzeigersinn dreht. In fast ganz Japan läuft die Scheibe im Uhrzeigersinn – Tachikui ist eine der wenigen Ausnahmen. Für den Töpfer bedeutet das eine andere Handhaltung und einen anderen Druckpunkt, und damit auch einen anderen Verlauf der feinen Drehrillen an der Gefäßwand. Wer weiß, worauf zu achten ist, kann diese Eigenheit an vielen Tamba-Stücken ablesen. Die Werkstätten des Dorfes haben die Linksdrehung über Generationen weitergegeben, obwohl moderne Scheiben längst in beide Richtungen laufen. Das japanische Register der traditionellen Kunsthandwerke führt diese „Kerokuro“ eigens als eine für dieses Herkunftsgebiet einzigartige, linksdrehende Töpferscheibe auf.

Kobori Enshū und die Teegeräte aus Tamba

Mit dem Kammerofen und den neuen Glasuren rückte Tamba erstmals ins Blickfeld der Teekultur. Überliefert ist, dass der Teemeister und Daimyō Kobori Enshū (1579–1647) in der frühen Edo-Zeit auf die Produktion in Tachikui Einfluss nahm; unter seiner Anleitung entstanden Chaire (Teepulverdosen), Mizusashi (Frischwasserbehälter) und Chawan (Teeschalen), die als Enshū-Tamba bekannt wurden und bei den Teeleuten der Zeit hoch im Kurs standen. Wie eng dieser Kontakt tatsächlich war, lässt sich heute nicht mehr im Einzelnen nachweisen – die Zuschreibung gehört zur festen Überlieferung des Ortes. Sicher ist, dass Tachikui von da an neben dem groben Alltagsgeschirr eine zweite, deutlich feinere Produktlinie führte. Auch das japanische register der traditionellen kunsthandwerke hält es so fest: Zunächst seien vor allem Krüge und Töpfe entstanden, in der Edo-Zeit dann unter Anleitung Kobori Enshūs zahlreiche Meisterstücke des Teegeräts.

Sakeflaschen zu Tausenden

Im 18. Jahrhundert wurde Tachikui zum Sakeflaschen-Dorf. Tokkuri – die bauchigen Flaschen, aus denen Sake eingeschenkt wird – erreichten hier ihre größte Verbreitung; überliefert sind mehr als fünfzig verschiedene Typen, vom kleinen Tischgefäß bis zur großen Transportflasche. Eine Sonderform waren die Kayoi-Tokkuri, Leihflaschen mit dem eingebrannten Namen des Sakehändlers, die der Kunde zum Nachfüllen zurückbrachte; sie blieben vom späten Edo bis in die 1930er-Jahre in Gebrauch. Gegen Ende der Edo-Zeit kam mit dem Shiro-Tamba außerdem eine weiß glasierte Variante auf, die sich auffällig vom dunklen, ascheüberzogenen Steinzeug der Frühzeit abhebt. Wer heute japanische Sakebecher kaufen möchte, trifft in dieser Tradition also auf Gefäße, die den Sake nie als Luxus, sondern als Alltag begleitet haben.

Ton aus dem Umkreis des Dorfes

Das Material für Tamba-yaki stammt bis heute aus einem Umkreis von etwa fünfzehn Kilometern um Tachikui. Verwendet werden vor allem der in den Bergen gewonnene Yotsuji-Ton und der Benten-Schwarzton, ein aus Reisfeldern gestochenes Material. Beide sind eisenreich, grob und wenig geschmeidig – ein Ton, der sich nicht zu dünnwandiger Eleganz überreden lässt, sondern kräftige, standfeste Formen verlangt. Gebrannt wird traditionell im Noborigama oder Anagama bei 1.250 bis 1.300 Grad Celsius über mehrere Tage. Die dabei entstehende Haikaburi, wörtlich die „Ascheüberdeckung“, ist der Grund dafür, dass zwei Stücke aus demselben Brand völlig verschieden aussehen können: Standplatz im Ofen, Flammenführung und Aschemenge entscheiden über Farbe und Textur jedes einzelnen Gefäßes.

Die Mingei-Bewegung entdeckt das Gewöhnliche

Im frühen 20. Jahrhundert geriet Tamba-yaki in den Blick einer Bewegung, die ausgerechnet im Anspruchslosen das Schöne suchte: der Mingei, der japanischen Volkskunstbewegung. Ihr Begründer, der Philosoph Yanagi Sōetsu (1889–1961), schätzte an den Tamba-Gefäßen genau das, was sie nie hatten sein wollen – Kunst. Ihre Schönheit, so seine Überzeugung, entstehe unabsichtlich, aus dem Gebrauch und der tausendfach wiederholten Handbewegung namenloser Handwerker. Auch die Töpfer Kawai Kanjirō (1890–1966) und Hamada Shōji (1894–1978) sowie der Engländer Bernard Leach (1887–1979) ließen sich von den Formen und Dekortechniken Tambas anregen. Diese neue Wertschätzung verschob im Lauf des 20. Jahrhunderts den Schwerpunkt des Dorfes: Aus dem Produzenten von Vorratsgefäßen wurde nach und nach ein Ort für Tischgeschirr, Blumenvasen und Teegerät.

Tachikui heute: rund sechzig Werkstätten an einem Hang

Wer heute nach Tachikui fährt, findet ein Dorf mit etwa sechzig aktiven Werkstätten, viele davon seit Generationen in Familienhand, zunehmend aber auch von jungen Keramikern geführt, die von außerhalb zugezogen sind. Am Hang steht der 1895 errichtete Noborigama von Kami-Tachikui: 47 Meter lang, neun Kammern, der älteste erhaltene Kammerofen der Region und als materielles volkskundliches Kulturgut der Präfektur Hyōgo geschützt. Nach einer aufwendigen Instandsetzung in den Jahren 2014 und 2015 wird er wieder angefeuert – etwa einmal im Jahr, mit Holz, über mehrere Tage.

Vielleicht ist genau das das Eigentliche an dieser Tradition: ein Ofenort, der sich in achthundert Jahren nie an einen Stil geklammert hat, sondern an einen Ton, ein Feuer und eine Landschaft. Ein Guinomi aus Tamba fühlt sich rauer an, als er aussieht; die Aschekruste an der Wandung greift sich fast wie Stein, während der Rand am Mund erstaunlich weich anliegt. Bei densho.de finden Sie handgetöpferte Einzelstücke aus Japan, die diese Handschrift tragen. Wer japanische Keramik kaufen möchte, deren Oberfläche im Feuer entstanden ist und nicht in der Form, findet hier Stücke, an denen sich der Weg der Asche noch ablesen lässt.

Quellen und Literatur

Traditional Crafts Aoyama Square (japanisches Register der traditionellen Kunsthandwerke): TAMBA TACHIKUI Yaki (Pottery), kougeihin.jp.

Japan-Heritage-Konsortium der sechs Töpferstädte: The Six Ancient Kilns – About us, en.sixancientkilns.jp.

Richard L. Wilson: Inside Japanese Ceramics. A Primer of Materials, Techniques, and Traditions. Weatherhill, New York 1995.