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Ratgeber

Japanische Kunst richtig verschenken: Welches Motiv passt zu welchem Anlass?

Zwei Kraniche zur Hochzeit, ein Daruma zur Geschäftseröffnung: Welches japanische Motiv zu welchem Anlass passt – und wo Zurückhaltung klüger ist.
Zwei Kraniche in Tusche unter einem Kiefernzweig auf goldgetöntem Papier, Detail eines japanischen Rollbilds
Auf den Punkt gebracht
Bei japanischer Kunst entscheidet das Motiv über die Botschaft des Geschenks. Für Hochzeit und Partnerschaft stehen traditionell Paarmotive: zwei Kiefern nach der Takasago-Legende, ein Kranichpaar, Mandarinenten. Zu runden Geburtstagen gelten Kranich und Schildkröte (Tsuru und Kame) sowie der Glücksgott Jurōjin als Wunsch für ein langes Leben. Zu Einzug und Geschäftseröffnung passen Daruma, die Sieben Glücksgötter und Fuji-San mit aufgehender Sonne, zu Prüfung und Berufsstart Zen-Kalligrafie und der Enso. Zurückhaltung ist bei weißen Chrysanthemen und bei Sets zu vier Stück angebracht: Beide werden in Japan mit Trauer verbunden.

Ein Geschenk aus Japan hat fast immer zwei Ebenen. Die eine sieht man sofort: zwei Kraniche in verwaschener Tusche, ein roter Kreis auf hellem Papier, eine Schale, die in der Hand liegt wie ein sonnenwarmer Stein. Die zweite muss man wissen – und genau darin liegt der Reiz. Wer ein Motiv wählt, das zum Anlass passt, überreicht keine Dekoration, sondern einen Satz: Bleibt beieinander. Werdet alt. Fangt an. Die folgenden Zuordnungen sind über Jahrhunderte gewachsen, und sie sind erstaunlich verlässlich – solange man weiß, wo die Konvention endet und das Halbwissen beginnt.

Warum japanische Motive fast immer eine zweite Bedeutung tragen

In der japanischen Bildsprache ist kaum ein wiederkehrendes Motiv rein dekorativ. Die Kiefer bleibt im Winter grün und steht deshalb für Beständigkeit. Der Kranich lebt der Redensart nach tausend Jahre. Der Karpfen arbeitet sich gegen die Strömung stromauf und wurde so zum Bild für Ausdauer. Manche dieser Zuordnungen kamen mit chinesischen Vorbildern ins Land, andere entstanden aus Wortspielen, wieder andere aus der Beobachtung der Tiere selbst. Gemeinsam ist ihnen, dass ein Betrachter in Japan ein Bild nicht nur ansieht, sondern liest.

Für ein Geschenk verändert das alles. Ein japanisches Kunstwerk als Geschenk ist eine Aussage über den Anlass und über die beschenkte Person, nicht bloß ein hübsches Objekt für die Wand. Legen Sie deshalb zwei, drei Sätze zur Bedeutung bei – auf einer Karte, handgeschrieben. Ohne diesen Schlüssel bleibt selbst das schönste Kranichpaar für europäische Augen einfach nur ein Bild mit Vögeln, und die eigentliche Botschaft kommt nie an.

Hochzeit und Partnerschaft: Kiefernpaare, Kraniche und Mandarinenten

Für Hochzeiten gibt es in Japan ein Motiv, das seit Jahrhunderten kaum wegzudenken ist: die beiden Kiefern der Takasago-Legende. Das gleichnamige Nō-Stück, das Zeami zugeschrieben wird, erzählt von zwei Pinien – eine an der Küste von Takasago, eine in Sumiyoshi –, die trotz der Entfernung als Paar gelten, und von einem alten Ehepaar, das sie pflegt und über die Bucht hinweg zusammengehört. Gemeint ist eine Verbundenheit, die weder Zeit noch Entfernung auflöst. Bis heute begegnet man dem Stoff bei japanischen Hochzeitsfeiern.

Ebenso verbreitet ist das Kranichpaar. Kraniche gelten traditionell als lebenslang treu, und zwei Tiere in ruhiger Zwiesprache – der eine putzt sich, der andere hält Ausschau – sind ein Bild für gemeinsames Altwerden. Mandarinenten (Oshidori) stehen für dasselbe, nur wärmer und häuslicher; die Wendung Oshidori-fūfu bezeichnet im Japanischen bis heute ein besonders inniges Paar. Als Faustregel für Hochzeitsgeschenke gilt: Was paarweise dargestellt ist, passt.

Runde Geburtstage: Kranich, Schildkröte und das Zeichen für langes Leben

Zu runden Geburtstagen greift man in Japan zu den Langlebigkeitssymbolen, und deren bekanntestes Paar steckt in einer Redensart: Tsuru wa sennen, kame wa mannen – der Kranich lebt tausend Jahre, die Schildkröte zehntausend. Tsuru und Kame (Kranich und Schildkröte) tauchen deshalb gemeinsam auf Rollbildern, Keramik und Lackwaren auf. Dazu kommt die Kiefer, oft zusammen mit Bambus und Pflaume als Shōchikubai, den Drei Freunden des Winters, die Beständigkeit, Biegsamkeit und frühes Blühen verbinden.

Personifiziert wird der Wunsch von Jurōjin, einem der Sieben Glücksgötter und dem Gott des langen Lebens: ein alter Gelehrter mit hoher Stirn, langem Bart und Stab, in der Malerei fast immer von einem Kranich oder einem Hirsch begleitet. Ebenfalls klassisch ist eine Kalligrafie mit dem Zeichen Kotobuki (寿) für Glückwunsch und langes Leben. Solche Glückwunschbilder gehören in Japan traditionell zu Jubiläen und zu benannten Altersfesten wie Kanreki, dem sechzigsten Geburtstag, an dem sich der alte Sechzigerzyklus des Kalenders schließt.

Neuanfang, Einzug und Geschäftseröffnung: Daruma, Ebisu, Fuji-San

Wer umzieht, gründet oder neu anfängt, bekommt in Japan Beharrlichkeit geschenkt. Das Sinnbild dafür ist Daruma, die runde Figur des Zen-Patriarchen Bodhidharma, die sich nach jedem Umkippen von selbst wieder aufrichtet – die Redewendung dazu lautet Nanakorobi yaoki, siebenmal fallen, achtmal aufstehen. Bei den bemalten Papierfiguren ist es üblich, zu Beginn eines Vorhabens ein Auge auszufüllen und das zweite erst, wenn das Ziel erreicht ist. Als Rollbild oder Keramikfigur überträgt sich dieselbe Botschaft auf ein Geschenk zur Geschäftseröffnung.

In Läden und Werkstätten begegnet man außerdem den Sieben Glücksgöttern, allen voran dem Paar Ebisu und Daikoku: Ebisu mit Angel und Meerbrasse für Handel und guten Fang, Daikoku mit Glückshammer und Reisballen für Wohlstand im Haus. Für einen Neuanfang ohne religiösen Beiklang eignen sich Fuji-San und die aufgehende Sonne. Nicht ohne Grund gilt der Fuji im ersten Traum des neuen Jahres als das beste aller Vorzeichen – vor Falke und Aubergine, in dieser Reihenfolge.

Prüfung, Berufsstart und große Vorhaben: Kalligrafie und Enso

Für Menschen, die vor etwas stehen, ist Zen-Kalligrafie das tragfähigste Geschenk – vorausgesetzt, der Spruch hält im Alltag stand. Sentenzen wie Nichinichi kore kōjitsu, „Jeder Tag ist ein guter Tag“, funktionieren, weil sie nichts versprechen und trotzdem tragen. Wichtig ist, dass die Übersetzung mitgeliefert wird und dass sie ehrlich ist: Viele dieser Zeilen stammen aus Kōan-Sammlungen und meinen etwas Genaueres, als ihre deutsche Kurzfassung vermuten lässt. Ein Rollbild mit vier Zeichen, die man nicht deuten kann, bleibt an der Wand stumm.

Der Enso, der mit einem oder zwei Pinselzügen gezogene Kreis, ist das vielleicht schönste Bild für einen Anfang. Er steht für Vollendung und Offenheit zugleich: geschlossen gezogen wirkt er wie ein Ganzes, mit einer Lücke gezogen wie eine Form, die noch nicht fertig ist und es auch nicht sein muss. Wer eine bestandene Prüfung feiern will, findet im Karpfen das passende Gegenstück – der Fisch, der den Wasserfall hinaufsteigt, heißt im Japanischen Tōryūmon, Drachentor, und meint bis heute die schwer zu nehmende Hürde.

Geburt und Kindheit: Hina-Puppen, Karpfen und Spatzen

Zum Hina-Matsuri am 3. März, dem Puppenfest, werden in japanischen Haushalten mit Töchtern die Hina-Puppen aufgestellt: an der Spitze das Dairi-bina, das kaiserliche Paar in Hofgewändern, darunter Hofdamen, Musiker und Diener. Zum ersten Fest eines Mädchens sind die Puppen ein traditionelles Geschenk der Großeltern – ein vollständiger Satz ist allerdings kostspielig und braucht viel Platz. Ein Kakemono mit Hina-Motiv ist die leichtere Variante: Es lässt sich zur Saison aufhängen und den Rest des Jahres aufgerollt verwahren.

Für Jungen gehört der Karpfen zum 5. Mai, an dem die Koinobori genannten Karpfenfahnen im Wind stehen; als gemaltes Motiv trägt er dieselbe Botschaft von Kraft und Beharrlichkeit. Und dann sind da die Spatzen, die in der japanischen Malerei zu Dutzenden auftauchen, meist in kleinen Gruppen zwischen Halmen und Zweigen. Sie versprechen nichts Großes. Genau deshalb sind sie ein gutes Geschenk in ein Kinderzimmer oder in einen Haushalt, in dem gerade viel Neues gleichzeitig passiert.

Wie nah stehen Sie der beschenkten Person?

Neben dem Anlass entscheidet die Nähe über das Format. Ein Guinomi, die kleine Sakeschale, ist ein persönliches Geschenk für Menschen, die man gut kennt: Es passt in eine Hand, wird benutzt und verändert sich dabei – eine poröse Hagi- oder Shino-Schale nimmt über Jahre Farbe an. Wer eine japanische Sakeschale kaufen möchte, sollte auf Gewicht und Lippenrand achten, denn beides spürt man bei jedem Schluck. Ein Set aus Tokkuri (Sakeflasche) und mehreren Schalen ist die gesellige Variante, etwa als Einzugsgeschenk.

Ein Chawan (Teeschale) ist heikler, als er aussieht. Wer den Teeweg praktiziert, hat ausgeprägte Vorlieben für Form, Gewicht und Glasur; für diese Menschen kauft man besser gemeinsam. Als Geschenk für jemanden, der einfach gern Tee trinkt, ist er dagegen ideal. Ein Kakemono (Rollbild) schließlich ist das große Geschenk. Es braucht Wandfläche, ein wenig Pflegebereitschaft und die Aufmerksamkeit dessen, der es bekommt – und wirkt deshalb bei nahen Menschen wunderbar und bei flüchtigen Bekanntschaften schnell zu groß.

Motive, bei denen Zurückhaltung angebracht ist

Ein paar Konventionen sollte man kennen, ohne sie zu überhöhen. Chrysanthemen (Kiku) sind in Japan eng mit Trauerfeiern und Grabschmuck verbunden, besonders in Weiß; als Motiv für ein Hochzeits- oder Einzugsgeschenk werden sie deshalb häufig gemieden. Das gilt für den Blumenschmuck stärker als für ein Gemälde – die Herbstchrysantheme ist zugleich ein hoch geschätztes Motiv der Malerei –, aber der Beiklang ist da, und man sollte ihn zumindest mitdenken.

Bei Zahlen gilt traditionell dasselbe Prinzip: Vier (shi) klingt wie das Wort für Tod, neun (ku) wie das für Leid, weshalb Geschirrsätze in Japan üblicherweise zu fünf und nicht zu vier Stück zusammengestellt werden. Mehr sollte man daraus nicht machen. Vieles, was im Netz als japanisches Geschenketabu kursiert, stammt in Wahrheit aus anderen Kulturen oder ist längst verblasst. Im Zweifel gilt die einfachste Regel: Wählen Sie ein Motiv, dessen Bedeutung Sie selbst erklären können.

Die Verpackung gehört bei japanischer Kunst zum Geschenk

Liegt einem Objekt eine Holzbox bei, ist sie kein Transportschutz, sondern Teil des Stücks. Ein Tomobako (signierte Holzbox) trägt außen den Titel des Werks, oft in der Handschrift des Künstlers oder der Werkstatt, und wird traditionell aus Kiri, dem leichten Holz des Blauglockenbaums, gefertigt. Sie wird mitverschenkt, nicht ersetzt, und man beschriftet sie nicht. Wer den Deckel beim Auspacken zur Seite legt und die Kordel vorführt, verlängert den Moment des Übergebens auf eine Weise, die keine Geschenkverpackung schafft.

Wer es genauer machen will, greift zu Mizuhiki, den gedrehten Papierkordeln. Ihr Knoten trägt eine Bedeutung: Ein Musubikiri, der fest gezogene und nicht wieder zu lösende Knoten, gehört zu Anlässen, die sich nicht wiederholen sollen – allen voran der Hochzeit. Eine gewöhnliche Schleife (Chōmusubi) passt zu Geburt, Geburtstag und allem, was gern öfter eintreten darf. Rot-Weiß ist die Farbkombination für Freudiges. Glanzfolie und Schleifenband gehören dagegen zu einem anderen Objekt: Ein mattes, unregelmäßiges Stück Keramik verliert daneben sofort an Ruhe.

Ein Motiv, das die beschenkte Person Jahre später noch versteht

Das Schöne an dieser Art zu schenken ist ihre Halbwertszeit. Eine Flasche ist getrunken, ein Gutschein eingelöst, aber zwei Kraniche unter einer Kiefer hängen zehn Jahre später noch da und erinnern an den Tag, an dem sie überreicht wurden. Manche Empfänger holen das Rollbild jedes Jahr zum selben Anlass hervor, hängen es drei Wochen auf und rollen es danach wieder ein – womit das Geschenk zur Gewohnheit wird und die Botschaft jedes Mal neu ankommt.

Bei densho.de finden Sie handgemalte Kakemono mit Kranichen, Kiefern, Daruma, Fuji-San und Enso als Einzelstücke, dazu Guinomi, Sake-Sets und Chawan für die kleineren Anlässe – alles persönlich in Japan ausgesucht, das meiste mit Holzbox. Nehmen Sie sich für die Auswahl etwas mehr Zeit als sonst und lesen Sie die Motive, bevor Sie sich entscheiden. Der Anlass sagt Ihnen meistens schon, wonach Sie suchen müssen.