Taniuchi Seigan
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Taniuchi Seigan (谷内清巌): Kalligraf der Shingon-Tradition
Taniuchi Seigan (谷内清巌) war ein japanischer Priester der Shingon-Schule und Kalligraf. Er wirkte am Jingo-ji, dem Bergtempel bei Takao nordwestlich von Kyōto, der auf Kūkai zurückgeht und zu den ältesten Stätten des esoterischen Buddhismus in Japan zählt.
Shingon, nicht Zen
Die Zuordnung ist mehr als eine Formalie. Rollbilder mit Kalligrafie werden im Handel häufig pauschal als Zen-Kalligrafie geführt, doch Seigan gehörte dem Mikkyō an, dem esoterischen Buddhismus. Dort hat die Schrift eine andere Stellung als im Zen: Sie ist nicht der spontane Ausdruck eines Geisteszustands, sondern steht in einem rituellen Zusammenhang, in dem Zeichen und Silbe eigene Wirkkraft besitzen. Wer eine Rolle aus diesem Umfeld einordnet, sollte den Unterschied kennen – er erklärt, warum die Schrift oft geordneter und weniger ungestüm wirkt als ein Zen-Bokuseki.
Der Jingo-ji und seine Geschichte
Der Jingo-ji liegt auf einem Berghang über dem Kiyotaki-Fluss und ist über eine lange Treppe zu erreichen. Kūkai verbrachte dort nach seiner Rückkehr aus China mehrere Jahre, bevor er den Kōya-san erschloss. Der Tempel bewahrt bedeutende Bildwerke der Heian-Zeit und ist heute vor allem für sein Herbstlaub bekannt.
Banzai und die Kraft weniger Zeichen
Banzai – zehntausend Jahre – ist ein Glückwunsch, der langes Leben und Fortdauer meint und in Japan bis heute gerufen wird. Als Kalligrafie auf einem Rollbild gehört er zu den Gruß- und Glückwunschbildern, die zu Neujahr, zu Geburtstagen und bei Festen im Tokonoma hängen. Zwei Zeichen auf einer Fläche verlangen dabei eine besondere Sorgfalt in der Anordnung: Der Abstand zwischen ihnen und ihr Verhältnis zum Papierrand entscheiden über die Wirkung ebenso wie der Strich selbst.