Tani Bunchō
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Tani Bunchō (谷文晁): der vielseitigste Maler der späten Edo-Zeit
Tani Bunchō (谷文晁, 1763–1841) war einer der einflussreichsten und produktivsten Maler der späten Edo-Zeit. Er wurde 1763 in Edo im Stadtteil Negishi (Shitaya) geboren und starb 1841 im Alter von 79 Jahren. Anders als die meisten Maler seiner Zeit band er sich nicht an eine Schule, sondern machte die Aneignung mehrerer Traditionen zum Programm.
Im Dienst Matsudaira Sadanobus: Auftragswerke und Reisedokumentation
Mit etwa dreißig Jahren trat Bunchō in den Dienst von Matsudaira Sadanobu (松平定信), des Fürsten von Shirakawa und führenden Staatsmanns der Kansei-Reformen. Er blieb ihm bis zu Sadanobus Rückzug im Jahr 1812 verbunden. In diesem Auftragsverhältnis entstand 1793 die Bildrolle Kōyo tanshō zu (公余探勝図), heute ein Wichtiges Kulturgut, die Landschaften entlang der Küstenbefestigungen dokumentiert – Malerei im Dienst einer politischen Aufgabe. 1812 folgte das Werk Nihon meizan zue (日本名山図会) mit Ansichten von 89 berühmten Bergen, das Bunchōs Ruf als Landschaftsmaler weit über Edo hinaustrug.
Acht Schulen zugleich: Ausbildung, Nanboku gattai und das Atelier Shazanrō
Bunchōs Ausbildungsweg ist ungewöhnlich breit. Mit zwölf Jahren begann er bei Katō Bunrei, einem Maler der Kanō-Schule; mit achtzehn lernte er bei Watanabe Gentai. Es folgten Kitayama Kangan mit der Malerei der nördlichen Song-Zeit, Kushiro Unsen mit einer förmlichen Unterweisung in Nanga (南画, Literatenmalerei) sowie in Nagasaki der chinesische Maler Zhang Qiugu. Für diese Vielseitigkeit steht das Schlagwort hasshū kengaku (八宗兼学), das Studium von acht Schulen zugleich; sein malerisches Programm fasste er als nanboku gattai (南北合体) zusammen, als Verschmelzung der südlichen und der nördlichen Richtung.
In Shitaya unterhielt Bunchō das Atelier Shazanrō (写山楼) und bildete eine große Zahl von Schülern aus. Als die „vier Weisen aus Bunchōs Schule“ (文晁門四哲) gelten Watanabe Kazan, Tachihara Kyōsho, Tsubaki Chinzan und Takaku Aigai. Über Aigai besteht eine unmittelbare Verbindung zu Takaku Ryūko, der dessen Nachfolge antrat.
Die Schule aus dem Shazanrō
Was Bunchō weitergab, war weniger ein Stil als eine Arbeitshaltung: dass ein Maler jedes Sujet in der ihm angemessenen Manier ausführen können muss. Aus dem Shazanrō gingen Watanabe Kazan, Tachihara Kyōsho, Tsubaki Chinzan und Takaku Aigai hervor, dazu eine große Zahl weniger bekannter Schüler, die diese Vielseitigkeit in die Provinzen trugen. Über Aigai führt die Linie zu Takaku Ryūko, über Yoda Chikoku zu einer zweiten Generation von Literatenmalern. Wer sich mit japanischer Malerei des 19. Jahrhunderts befasst, trifft daher immer wieder auf Bunchō — seltener als Urheber eines Bildes, häufiger als den Punkt, an dem eine Malerbiografie ihren Anfang nimmt.