Ganryō
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Ganryō (岸良): Maler der Kishi-Schule im Kyōto der späten Edo-Zeit
Ganryō (岸良, 1798–1852) war ein japanischer Maler der späten Edo-Zeit und gehörte der Kishi-Schule (岸派) an, einer der einflussreichen Malerrichtungen im Kyōto des 19. Jahrhunderts. Die Kishi-Schule stand dort neben der Maruyama-Shijō-Richtung und war vor allem für ihre Tigerdarstellungen bekannt. Ganryō rückte durch Heirat in die Gründerfamilie ein und gehörte nach dem Tod des Schulgründers zu den beiden Malern, die deren Fortbestand sicherten.
Warum 岸良 Ganryō gelesen wird und nicht Kishira
Der Künstlername 岸良 wird Ganryō gelesen. Im Kunsthandel, in Auktionslisten und in älteren Bestandsverzeichnissen begegnet daneben regelmäßig die Lesung „Kishira“, die sich aus einer wörtlichen Zerlegung der beiden Schriftzeichen ergibt und nicht der überlieferten Namensform entspricht. Beide Schreibweisen meinen dieselbe Person; wer nach Kishira sucht, sucht nach Ganryō.
Ganryō stammte aus einer Familie namens 濱谷, deren Lesung zwischen Hamaya und Hamatani schwankt. Sein Rufname war Gorō (五郎), daneben ist die Namensform Masayoshi beziehungsweise Shōryō (昌良) überliefert. Als Künstlernamen (Gō) führte er Gaunrō (画雲楼) und Jōkaku (乗鶴); vereinzelt erscheint er auch als Saeki Ganryō (佐伯岸良). Diese Vielzahl an Namensformen ist für die Edo-Zeit nicht ungewöhnlich und erschwert die Zuordnung signierter Arbeiten.
Vom Schüler zum Schwiegersohn: Ganryōs Weg in die Malerfamilie Kishi
Ganryō wurde 1798 in Kyōto geboren und trat früh in die Schule von Kishi Ganku (岸駒) ein, des Begründers der Kishi-Schule. Nachdem Gankus Sohn Gansei (岸成) früh verstorben war, heiratete Ganryō dessen Witwe Tei (貞) – die älteste Tochter Gankus – und wurde als Muko-yōshi (婿養子), als Schwiegersohn mit Aufnahme in die Familie, Teil des Hauses Kishi. Damit stand er nicht mehr nur in einem Lehrverhältnis, sondern in der Nachfolgeordnung einer Malerfamilie.
Ganryō stand im Dienst des Fürstenhauses Arisugawa-no-miya (有栖川宮家) und führte den Hoftitel Utanosuke (雅楽助). Überliefert ist seine Beteiligung an Arbeiten für den Kaiserpalast (Gosho) sowie für den Tempel Saimon-in auf dem Kōya-san – Aufträge, die die Stellung der Kishi-Schule im Kyōto jener Jahre belegen. Nach dem Tod Kishi Gankus trug er die Schule gemeinsam mit Kishi Gantai (岸岱) weiter, der als zweiter Kopf der Schule gilt und Ganryō in der kunstgeschichtlichen Wahrnehmung überstrahlt.
Tigerbilder, Kachō-ga und der Realismus der Nanpin-Richtung
Das Hausthema der Kishi-Schule war der Tiger, und Ganryō beherrschte es. Sein Werk reicht jedoch darüber hinaus: Überliefert ist, dass er in der Figurenmalerei sowie in der Blumen- und Vogelmalerei (Kachō-ga) besonders befähigt war. Charakteristisch ist der Einfluss der Nanpin-Richtung (南蘋派), die auf den in Nagasaki wirkenden chinesischen Maler Shen Nanpin zurückgeht und sich durch farbintensive, detailgenaue Naturbeobachtung auszeichnet. In der Verbindung von Kishi-Tradition und Nanpin-Realismus liegt die Eigenart seiner Arbeiten – eine Malerei, die dekorative Wirkung und genaue Naturform gleichermaßen ernst nimmt.
Der Koi am Wasserfall
Ein Karpfen, der einen Wasserfall erklimmt, wird nach chinesischer Überlieferung zum Drachen. In Japan wurde daraus das Bild für Ausdauer und beruflichen Aufstieg, und es hängt traditionell zum fünften Tag des fünften Monats, dem Knabenfest — demselben Anlass, für den die Koinobori-Fahnen gesetzt werden. Malerisch verlangt das Motiv eine Diagonale, die Spannung hält: Der Fischkörper muss sich gegen die Fallrichtung des Wassers biegen, ohne dass die Bewegung erstarrt. In der Kishi-Tradition kommt hinzu, dass die Schuppen in feiner Farbabstufung angelegt sind, während das Wasser tuschig und offen bleibt.