Kanō Chikanobu
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Kanō Chikanobu (狩野周信): drittes Oberhaupt des Kobikichō-Hauses
Kanō Chikanobu (狩野周信, 1660–1728) war ein japanischer Maler der mittleren Edo-Zeit und führte als drittes Oberhaupt das Kobikichō-Kanō-Haus – eines der vier Oku-eshi-Häuser, die im Rang unmittelbar unter dem Shōgunat standen. Er starb 1728 im Alter von 69 Jahren.
Zur Lesung: Chikanobu, nicht Shūshin
Die Schriftzeichen 周信 werden Chikanobu gelesen. In Objektbeschreibungen und Bestandslisten begegnet häufig die Form „Shūshin“, die auf den sinojapanischen Lesungen der Einzelzeichen beruht. Beide Formen meinen denselben Maler; die überlieferte Namensform ist Chikanobu.
Eingebettet in das Beziehungsgeflecht der Kanō-Häuser
Chikanobus Familienverhältnisse zeigen exemplarisch, wie eng die Kanō-Häuser untereinander verbunden waren: Sein Vater war Kanō Tsunenobu, seine Mutter eine Tochter des Kanō Yasunobu, also jenes jüngsten Bruders von Kanō Naonobu. Seine Brüder waren Kanō Minenobu und Kanō Sukenobu – beide führten den Gō Zuisen (随川) –, sein Sohn war Kanō Furunobu, dessen Sohn wiederum Kanō Norinobu das Haus zu seiner größten Blüte führte.
Lehrer des Shōguns und Rangträger
Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1713 übernahm Chikanobu dessen Aufgabe, den Shōgun in der Malerei zu unterweisen – Adressat war Tokugawa Yoshimune. 1719 erhielt er den geistlichen Ehrenrang eines Hōgen; daneben führte er den Titel Chūmukyō. Solche Rangbezeichnungen erscheinen häufig in der Signatur und sind für die zeitliche Einordnung eines Werks nützlich: Ein mit dem Hōgen-Titel gezeichnetes Blatt kann frühestens 1719 entstanden sein.
Tuschelandschaft und leerer Grund
Eine Pagode auf einer Klippe, darunter Nebel, sonst nichts: Die Kanō-Landschaft der mittleren Edo-Zeit lebt davon, wie viel sie weglässt. Der unbemalte Seidengrund ist kein Rest, sondern Dunst, Wasser und Weite zugleich; die wenigen gesetzten Formen bekommen ihr Gewicht erst durch diese Leere. Für das Tokonoma ist das ideal, weil ein solches Bild den Raum öffnet statt ihn zu füllen. Wer japanische Rollbilder in Tusche sucht, sollte auf das Verhältnis von bemalter zu unbemalter Fläche achten — es entscheidet über die Wirkung mehr als das Motiv.