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Künstler

Kikuchi Yōsai

Kikuchi Yōsai (菊池容斎, 1788–1878) war Historienmaler und schuf mit „Zenken Kojitsu“ ein zehnbändiges Werk mit 571 Porträts historischer Persönlichkeiten.
Kakemono von Kikuchi Yōsai: berittener Samurai in rot geschnürter Rüstung mit Fußsoldat.
Samurai auf dem Feldzug – Kakemono von Kikuchi Yōsai (菊池容斎), 19. Jahrhundert (Ausschnitt)
Auf den Punkt gebracht
Kikuchi Yōsai (菊池容斎) war ein japanischer Maler der späten Edo- und frühen Meiji-Zeit (1788–1878). Er band sich an keine Schule, sondern studierte Maruyama-Shijō, Tosa-Malerei und Ukiyo-e nebeneinander. Sein Hauptwerk „Zenken Kojitsu“ (前賢故実), 1868 abgeschlossen, versammelt 571 historische Persönlichkeiten mit biografischen Notizen und zeitgenössisch recherchierter Kleidung und wurde zur Bildquelle für die gesamte Historienmalerei der Meiji-Zeit. 1875 erhielt er den Titel Nihon Gashi, 1877 den höchsten Preis der ersten Nationalen Industrieausstellung.

Kikuchi Yōsai (菊池容斎): Historienmaler zwischen Edo- und Meiji-Zeit

Kikuchi Yōsai (菊池容斎, 1788–1878) war ein japanischer Maler, dessen Wirken die späte Edo- und die frühe Meiji-Zeit umspannt. Er wurde in Edo im Stadtteil Shitaya als Sohn des Shōgunatsdieners Kawahara Sensōzō Takeyoshi geboren. Sein ursprünglicher Name lautete Kawahara Ryōhei beziehungsweise Takeyasu; mit 38 Jahren nahm er den Familiennamen Kikuchi wieder auf und nannte sich fortan Kikuchi Takeyasu.

Ausbildung ohne Schulbindung: Maruyama-Shijō, Tosa und Ukiyo-e

Ab 1805 lernte Yōsai bei Takada Enjō. Nach dessen Tod schloss er sich keiner weiteren Schule an, sondern eignete sich mehrere Traditionen im Selbststudium an: die Naturbeobachtung der Maruyama-Shijō-Richtung, die höfische Yamato-e-Malerei der Tosa-Schule und die Figurenauffassung des Ukiyo-e. Diese Unabhängigkeit prägte auch seine eigene Lehrtätigkeit. Überliefert ist, dass er seine Schüler – anders als damals üblich – keine Vorlagenblätter (Funpon) kopieren ließ, sondern sie frei arbeiten und das Ergebnis anschließend besprechen ließ. Zu ihnen zählen Matsumoto Fūko, Watanabe Seitei und Suzuki Kason.

Zenken Kojitsu: 571 historische Porträts als Bildquelle der Meiji-Malerei

Yōsais Hauptwerk ist Zenken Kojitsu (前賢故実), ein zehnbändiges illustriertes Kompendium, das er 1868 abschloss. Es zeigt 571 Persönlichkeiten der japanischen Geschichte von der mythischen Frühzeit bis in die Nanboku-chō-Zeit, jeweils mit biografischer Notiz und sorgfältig recherchierter Kleidung und Ausrüstung der jeweiligen Epoche. Das Werk wurde dem Meiji-Tennō sowie dessen Vorgänger überreicht.

Seine Wirkung reichte weit über die Malerei hinaus: Zenken Kojitsu wurde zur maßgeblichen Bildvorlage für Historienmaler, Ukiyo-e-Künstler und sogar für Wachsbildner und Fotografen der Meiji-Zeit. Wer wissen wollte, wie eine bestimmte historische Figur auszusehen habe, schlug bei Yōsai nach. 1875 wurde ihm der Titel Nihon Gashi (日本画士) verliehen, 1877 erhielt er auf der ersten Nationalen Industrieausstellung den höchsten Preis. 1928 wurde ihm posthum der Hofrang Shō-goi zuerkannt.

Zenken Kojitsu als Bildgedächtnis

Wie eine historische Figur auszusehen habe, war in Japan bis ins 19. Jahrhundert keine ausgemachte Sache. Yōsais Kompendium beendete diesen Zustand: Nach 1868 griffen Historienmaler, Holzschnittkünstler, Wachsbildner und selbst Fotografen für Kostüm, Rüstung und Haltung auf seine Blätter zurück. Damit prägte er das Bild, das sich Japan von seiner eigenen Vergangenheit machte, weit über die Malerei hinaus. Wer auf einem Rollbild der Meiji-Zeit einen Krieger mit auffällig genau wiedergegebener Schnürung und Helmform sieht, hat es mit einem Nachhall dieser Arbeit zu tun.